Einfach drauflos segnen?

Segen ist die Zusage von Gottes Liebe und die Bitte um Seinen Schutz. Die Kirche kann alle Menschen segnen sowie sehr viele Handlungen und Dinge. Sie kann „gut sprechen“ (bene dicere) über jeden einzelnen Menschen in dem Sinne, daß sie jedem sagt: „Du bist Gottes Kind, Gott will, daß du Gutes tust und Ihn, den vollkommen Guten, liebst.“ Sie kann Handlungen segnen: Reise und Arbeit, auf gemeinsames Handeln ausgerichtete Gemeinschaften (Ehe und Orden, aber auch Schulklassen, Vereine, Arbeitsgemeinschaften u.a.). Sie kann Dinge segnen: Lebensmittel, Häuser, Fahrzeuge, Werkzeug, Felder, Wälder, Wege. (Die Aufzählungen sind beispielhaft, nicht vollständig.)

Wenn ich das Kreuzzeichen auf das Brot mache, dann heißt das zugleich Dank dafür, daß es dies Brot gibt, und Bitte darum, daß es jedem, der davon isst, gut bekommt, daß es also im Vollsinn das ist, was Brot sein soll – ein gutes, wohlschmeckendes, nahrhaftes, gesundes Lebensmittel. Wird ein Raum gesegnet, so ist damit die Bitte verbunden, dieser Raum möge nichts Böses beherbergen, stattdessen dem Guten dienen. Wird ein Feld gesegnet, bittet man zugleich um gutes Wachstum, Schutz vor Unwetter und Dürre, gute Ernte.

Wenn aber eine Sache von vornherein dem Bösen dient, kann sie nicht gesegnet werden. Ein Feld, das dem Anbau von Rauschgift dient, oder ein Raum in einem Bordell, oder eine Vernichtungswaffe, kann nicht gesegnet werden.

Gemeinschaften haben gemeinsame Handlungsoptionen. Jede Gemeinschaft, die aufgrund von in sich guten Handlungsoptionen besteht, kann gesegnet werden. Eine Gemeinschaft, die von vornherein der christlichen Lehre widersprechende Handlungsoptionen hat, kann nicht gesegnet werden. Die Belegschaft eines Krankenhauses kann gesegnet werden, die einer Abtreibungsklinik nicht. Ein Kleingärtnerverein kann gesegnet werden, eine Räuberbande nicht. Die Ehe zwischen genau einem Mann und genau einer Frau kann gesegnet werden; eine irgendwie anders geartete Gemeinschaft, die sich „Ehe“ nennt, es aber nach katholischer Lehre nicht sein kann, kann nicht gesegnet werden.

Es wird gerne behauptet, man „müsse“ alles und jeden segnen können, weil Gott doch alle Menschen liebt. Aber gerade weil Er alle Menschen liebt, weil Er ein Gott des Lebens ist, kann Er nicht den Segen wollen für jede beliebige Handlung, jedes beliebige Ding. Und auch nicht jede beliebige Gemeinschaft. Ich bin übrigens ziemlich sicher, die Leute, die so gerne alles segnen wollen, was nicht bei drei auf dem Baum ist, würden vor einem Drogenlabor, vor der Clique um Kim Jong Un oder vor einer Atombombe wohl doch zögern, ein Segensgebet für diese Dinge, diese Gemeinschaft zu sprechen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter HÄRETISCHES, KATHOLONIEN abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Einfach drauflos segnen?

  1. akinom schreibt:

    Ein sehr wichtiger Beitrag und Nachhilfeunterricht für Katholiken. Man kann gute Dinge segnen und auch Menschen aller Religionen, aber nicht jedes Tun und nichts, das den 10 Geboten widerspricht, wie es sogenannte Homoehen sind. Mir graust es vor allen Regenbogenfarben, die ganz und gar nichts mit dem biblischen Regenbogen zu tun haben.

    Gefällt 1 Person

  2. Herr S. schreibt:

    Es gab mal Zeiten, da wurden hierzulande – leider – kirchlicherseits auch (Massenvernichtungs-) Waffen gesegnet. Eine schwere Verirrung, weil sich die dafür Verantwortlichen statt an Gottes Wort an die allgemeine Stimmung im Lande hielten und gefallen wollten und die der Kirche dann später – zu Recht – immer wieder gerade auch „von außen“ vorgehalten wurde. Hat man denn gar nichts daraus gelernt?

    Gefällt mir

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Massenvernichtungswaffen wurden meines Wissens nie gesegnet. Atomwaffen hat die Kirche definitiv nie gesegnet. Die erste Fernwaffe, die einen Brustpanzer durchschlagen konnte – die Armbrust – wurde damals von der Kirche geächtet.
      Im Mittelalter wurde das Schwert vor der Übergabe an einen in den Ritterstand erhobenen Mann mit den Worten gesegnet: “ Empfange dieses Schwert im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und benütze es zu deiner Verteidigung, und (zur Verteidigung) der heiligen Kirche Gottes, und zur Verwirrung der Feinde des Kreuzes Christi und des christlichen Glaubens. Und soweit es die menschliche Schwäche gestattet, mögest du damit niemanden in ungerechter Weise verletzen, was er selbst dir zu gewähren geruhen möge; er, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und herrscht, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.“

      Die Kirche segnet seit dem 2. Vatikanischen Konzil keine Waffen mehr.

      Ich hätte gar nichts dagegen, Jagdwaffen und Dienstwaffen zu segnen. Ein Polizist, der seine Dienstwaffe segnen lässt, bittet dadurch ja auch, er möge sie niemals leichtfertig oder unvorsichtig benutzen, immer sicher verwahren, nie einen Unschuldigen treffen und im Notfall nie mehr Schaden anrichten als unvermeidbar.

      Was Kriegswaffen angeht, so wäre eine Segnung einerseits mißverständlich und damit ein Ärgernis. Andererseits denke ich auch: Hätten z.B. die Alliierten im 2. Weltkrieg vor Einsatz der Waffen um Gottes Segen gebeten, wären vielleicht weniger Einsätze gegen Zivilisten vorgekommen. (Von einem Waffensegen auf deutscher Seite gehe ich bei einer ganz und gar gottlosen Regierung nicht aus; die Nazis konnten nicht segnen, und die Kirche kann nichts segnen, was das Ziel hat, den Frieden zu zerstören.)

      Gefällt mir

      • Herr S. schreibt:

        Sorry, ich hätte das präziser und weniger allgemein formulieren müssen. Ich bezog mich nicht auf die Nazizeit sondern auf die Kaiserzeit, wo leider diese Verirrung gelegentlich stattfand.

        Das Ganze sollte auch nur beispielhaft aufzeigen, dass man stets sehr genau überlegen muss, ob man für etwas wirklich den Segen Gottes herabrufen darf oder nicht.

        Gefällt 1 Person

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Ist klar. Ich beziehe mich ja auf ganz verschiedene Epochen, und darauf, daß und warum z.B. im MA Ritterschwerter gesegnet wurden – und so weiter.
          Und natürlich muss man überlegen! Es darf halt kein Ärgernis sein.
          Aber ein katholischer Polizist, der seine Dienstwaffe segnen lassen will, hätte meine Sympathie.

          Gefällt mir

        • Herr S. schreibt:

          Na, ich weiß nicht.
          Besser, wenn er für sich selbst um den Segen bittet und im Rahmen der Ausübung des staatlichen Gewaltmonopols dieselbe wie auch seine sonstigen Fähigkeiten und Berufs-Utensilien dann so verantwortungsvoll als nur möglich gebraucht.
          Ist halt MEINE persönliche Meinung dazu – nix für ungut.

          Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.