Rosenkranzgebet in St. Marien

In meiner Heimatgemeinde wird jeden Samstag vor der Vorabendmesse der Rosenkranz gebetet. Seit einigen Jahren bin ich die Vorbeterin (ein Amt, das mir in freundlicher Art auferlegt wurde und das ich nun eben habe). Wegen Corona ruhte das Rosenkranzbeten eine Weile, nun fing es wieder an.

Ich stellte fest, daß ich als Vorbeterin allein war. Entweder wirklich allein in der Kirche, oder gemeinsam mit anderen, die gar nicht den Rosenkranz beten wollten. Also beschloss ich zunächst, die Sache aufzugeben.

Ich sprach mit meinem Beichtvater darüber. Er ermutigte mich zum Weitermachen mit der Auskunft: In allen Gemeinden, in denen das Rosenkranzgebet nicht mehr gepflegt wird, verschwinden allmählich auch alle anderen Aktivitäten der Gemeinde.

Das wollte ich nicht riskieren. Nun, nach einem weiteren Gespräch mit unserem Pfarrer, handhabe ich es so: Ich komme wie immer am Samstagabend, um 17.45 beginnt das Rosenkranzgebet – und ob ich laut vorbete, mit oder ohne Mikrophon, oder leise bete, entscheide ich vor Ort.

Gestern betete mit mir – und ohne Mikro – ein junger Mann, den ich nicht kannte und der zur Beichte wollte und davor noch Zeit hatte. Er wußte offensichtlich, wie der Rosenkranz gebetet wird, setzte sich so nah neben mich, wie unter Coronabedingungen sinnvoll, und wir beteten die Gesätze im Wechsel vor. Es war für mich der schönste, innigste Rosenkranz seit langer Zeit. Der Mann sagte, das Gebet habe ihn sehr zur Ruhe gebracht.

Ich werde es auch in Zukunft so handhaben. Samstags da sein und den Rosenkranz beten auf die Art, die mir in dem Moment sinnvoll erscheint. Natürlich freue ich mich über Mitbeter, vor allem solche, die sich nicht so weit wie möglich weg von mir setzen und so leise beten wie es geht und die nicht irritiert sind, wenn ich das Fatimagebet einfüge oder auch mal nicht einfüge. Aber wenn sie wegbleiben, bete ich halt alleine. Besser als kein Rosenkranz ist das allemal!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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