Sancta Corona

Kein Weihrauch für den Kaiser, sagtest du.
Das war die Schuld, für die man dich gerichtet.
Im letzten Augenblicke hättest du
dich retten können durch ein Weihrauchkorn.

Doch du bist Jesus Christus treu geblieben.
„Er ist mein Herr – der Kaiser ist es nicht!”
Vielleicht war selbst der Gouverneur beeindruckt
von deinem Mut, von Jugend und von Schönheit.

Es half dir nichts. Selbst Gott schien nicht zu helfen.
Du warst zu einem Schreckenstod verurteilt.
Zwei Palmen bog man nieder, und die Wipfel
verankerte mit Ketten man im Boden –
und dann an diesen Ketten deine Arme.

Die letzte Chance, Gott zu widersagen:
„Dem Kaiser opfre, und du bleibst am Leben!”
Du wiederholtest nur: „Mein Herr ist Christus!” –
vielleicht mit Angst und Grauen in der Stimme,
doch ohne Zweifel. – Jetzt kommt das Kommando,
die beiden Anker werden rasch gelöst.

Die Palmen springen hoch, die Arme werden
nach rechts und links gerissen, ausgekugelt,
du über deinen Henkern wie gekreuzigt,
Gebrochne Rippen und zerstörte Lungen,
das Herz allein ist unversehrt geblieben.

Du ließest dich zerreißen für den Heiland,
nun darfst du ewig heil und heilig leben.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter LITERATUR, KATHOLONIEN abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Sancta Corona

  1. der herr alipius schreibt:

    Coronas Herz wurde nicht zerrissen, das meine schon. Sehr aufwühlende und dennoch tröstliche Zeilen. Schön!

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