Ich bin Putzfrau – also sowas Ähnliches wie Priester.

Natürlich kann ich es aus eigenem Erleben nicht ganz vergleichen, da ich zwar u.a. Putzfrau, aber nicht Priester bin (und sehr glücklich, daß das auch nicht im Bereich des Möglichen liegt).

Aber die Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen.

Beides, Priester wie Putzfrau, sind dienende Berufe.

Ich sorge dafür, daß es dort, wo ich eingesetzt bin, sauber wird. Das hat zur Folge, daß alle, die sich dort aufhalten, mit größerer Freude dort sind als wenn es dreckig wäre.

Ein Priester hat dafür zu sorgen, daß die Lehre „sauber“, also unverfälscht, weitergegeben wird. Das führt ebenfalls zu größerer Freude.

Ich putze auch wirklich hartnäckigen und ekligen Dreck weg. Allerdings weiß ich, daß an genau der gleichen Stelle nächste Woche neuer Dreck haftet. Das macht mir nichts aus – ich kann ja nächste Woche wieder putzen.

Ein Priester hört Beichte. Er verhilft Menschen, deren Seelen durch Sünden verklebt und verdüstert sind, durch die Lossprechung zu einer blitzsauberen Seele. Dabei weiß er, daß die Seelen so sauber wie direkt von der Beichte kommend nicht bleiben werden. Auch wenn Sünde hartnäckig und eklig ist: er hört nächste Woche wieder Beichte.

Vermutlich sind sogar manche Fragen hier wie dort gleich. „Aber warum bist du gerade Putzfrau geworden?“ und „Aber warum bist du gerade Priester geworden?“ wird wohl oft im gleichen verständnislosen Tonfall gefragt.

Aber das Geld!

Eine in Vollzeit beschäftigte Putzfrau in Deutschland bekommt zwar weniger als ein deutscher Vikar, aber etwa anderthalb mal so viel wie ein französischer Gemeindepfarrer (der weit mehr als acht Stunden pro Tag arbeitet). Den indischen Priester überrundet sie schon mit einem Minijob spielend. Im Vergleich mit den katholischen Priestern auf der ganzen Welt stehe ich finanziell ziemlich gut da.

Damit wären wir auch bei einem wesentlichen Unterschied in der Beantwortung verständnisloser Fragen. Ich arbeite wegen des Geldes als Putzfrau. Wegen des Geldes wird man aber nicht Priester.

Natürlich gibt es noch weitere Unterschiede. Aber heute geht es mir um die Ähnlichkeiten. Besonders um diese:

Von dummen Leuten verachtet werden auch beide, die Putzfrau und der Priester.

Eigenlob stinkt (was Putzfrauen nicht dulden können), daher schließe ich mit einem exklusiven Lob an die Priester. Ein Hoch auf Euch! Ohne Euch sähe es düster aus. Und Dank sei Gott, der Euch berufen hat.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu Ich bin Putzfrau – also sowas Ähnliches wie Priester.

  1. akinom schreibt:

    Mögen die Priester die Beichtstühle aufgrund mangelnder Einladungen und Präsenz nicht verstauben lassen! In Coronazeiten wäre auch eine Maske vorstellbar.

    • akinom schreibt:

      Ergänzen möchte ich auch noch mein Gebet dafür, dass Priester nicht nur an einer Seite des Beichtstuhls anzutreffen sind. Ich wünsche mir marianische Priester mit marianischen Beichtvätern. Geweihte „Seelenputzer“ dieser Art bedarf die Kirche heute mehr denn je in Deutschland und in der ganzen Welt!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Die Benutzung von Beichtstühlen ist in Berlin zur Zeit nicht erlaubt (da man da zu nah beieinander sitzt), aber Beichte ist möglich mit zwei nicht zu nah stehenden Stühlen in einer Seitenkapelle. Da ist immer noch Diskretion gewährleistet (evtl. durch leise Musikuntermalung vom Band), und zumindest ich trage dabei eine Maske. Ist alles kein Problem.

      • akinom schreibt:

        Ich meine auch nicht das Möbelstück, sondern das Sakrament und die „Saubermänner“, denen es anvertraut ist.

  2. H.-J. Caspar schreibt:

    Die Putzfrau und der Priester,
    die schauen froh, nicht düster
    auf ihre Tätigkeit.

    Wenn jemand sie verachtet,
    von oben her betrachtet
    und schlecht von ihnen denkt,
    dann halt‘ ich den für leicht beschränkt.

    Sie heilen und sie pflegen,
    ohn‘ langes Überlegen
    stets treu zum Dienst bereit.

    Sind Boden, Seele wieder blank,
    gebühren Beiden Lob und Dank.

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