Fastenzeit: Zeit der Freude

Freude in der Fastenzeit?

Freude ist eine wesentliche Eigenschaft Gottes, und Er will diese Eigenschaft für alle Menschen. Wir können aber nicht dauerhaft in Freude leben, wenn wir uns von Ihm abwenden. Sünde kann zuweilen Spaß machen (meist nicht mal das), aber keine Freude. Wie die ewige Freude nach diesem Leben sein wird, können wir nur erahnen (Musik und Kunst helfen dabei manchmal), aber soviel ist klar: da wird es keine Sünde mehr geben.

Die Fastenzeit dient dazu, uns im Christsein zu schulen, uns für den Himmel zu trainieren. Wo dies Training gut läuft, sieht man frohe Mienen! Es wäre ja auch widersinnig, sich mit Leichenbittermiene auf das hohe Osterfest vorzubereiten, als wäre Christi Sieg über den Tod etwas Trauriges. Der Herr ist auferstanden, darauf vertrauen wir Christen, und wenn wir uns auf die Feier dieses unfassbaren, herrlichen, die Welt erschütternden und erlösenden Ereignisses vorbereiten, ist das kein Grund zum Jammern.

Natürlich gibt es in der Fastenzeit nicht weniger Unglück, Mühsal, Trauer und Gefahr als sonst. Das heißt, es wird auch unter sehr frommen Christen in der Fastenzeit Gründe zum Weinen und Klagen geben. Dem Christen, der gerade einen lieben Menschen verloren hat oder die Kündigung von Wohnung oder Arbeit, dem, der seit langem gegen Depressionen ankämpft oder sein Kind, seinen Partner leiden sieht, wird nur ein Klotz sagen, daß er sich nun freuen soll wegen der heiligen Zeit. Im Gegenteil sind wir zu Mitleid und zur Hilfe aufgerufen und sollen das ja besonders in der Fastenzeit einüben.

Aber wir können in dieser Zeit auf besondere Weise lernen, daß wir einen beständigen Grund zur Freude haben. „Was frag ich nach der Welt?” heißt es in einer Bach-Kantate (BWV 94), und der Bass singt mit großer Überzeugung und Freude:

Wenn aber alles fällt und bricht,
Bleibt Jesus meine Zuversicht,
An dem sich meine Seele hält.

Der Osterjubel rückt jeden Tag näher, unabhängig von den äußeren Umständen. Die Freude der Vorbereitungszeit kann sich uns mitteilen, auch wenn wir gerade durch ein tiefes Tal wandern, aber sie kann nicht von außen verordnet oder herbeigeschwätzt werden. Ich wünsche allen Menschen die Gnade, sich für die Freude Gottes öffnen zu können – gleich wie ihre Situation gerade ist. Ich wünsche allen die Gnade, auf gute, freundliche Weise Freude zu verbreiten und dennoch imstande zu bleiben, mit den Weinenden zu weinen. Echte Freude ist kein bloßes Beruhigungsmittel. Der, dessen Wesen reine Freude ist, hat Tod und Trauer überwunden.

Der Weg zur Freude wird gebahnt durch Gehorsam, Demut, Beichte, Buße, Sühne, Anbetung. Er ist zuweilen schwer, wie der Weg zu einem Gipfel, aber je weiter man ihn geht, desto grandioser wird die Aussicht. Die Freude dieser „Bergtour“ wünsche ich allen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Fastenzeit: Zeit der Freude

  1. H.-J. Caspar schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,
    es ist mir eine große F r e u d e , Ihre Beiträge zur Fastenzeit zu lesen, auch wenn ich als Nichtkatholik nicht alles darin verstehe. Danke!
    An eine „Bergtour“ dachte ich hier: http://hjcaspar.de/hpxp/gldateien/bibel2.htm.
    Mit herzlichen Grüßen,
    Hans-Jürgen Caspar

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