Fastenzeit: Zeit der Anbetung

Anbetung eines Brotes?

Auf Außenstehende, die mit dem katholischen Glauben nicht vertraut sind, wirkt es vermutlich seltsam, daß da Menschen in tiefer Ehrfurcht vor einem kleinen Scheibchen Brot knien, das in einem kostbaren durchsichtigen und mit Metallstrahlen geschmückten Behälter auf einem Tisch steht.

Tatsächlich ist es der Altar nicht einfach ein Tisch, auch wenn er so aussieht – und was wir anbeten, ist nicht Brot, auch wenn es so aussieht und so schmeckt.

Es ist, was wir in der Eucharistie empfangen: Der Leib des Herrn. Es ist der Herr, der durch die Wandlung bei der Messe nicht vermehrt und durch das Sumieren nicht vermindert werden kann. Gott, der Heilige Geist, bewirkt, daß Gottes, Jesu, Worte „Das ist Mein Leib – das ist Mein Blut” in jeder Heiligen Messe neue Wirklichkeit werden. In der Anbetung – entweder vor dem Herrn im Tabernakel oder vor dem in der Monstranz ausgestellten Herrn – ist Er unser Gegenüber, sichtbar in der Gestalt einfachen Brotes. Es ist dabei kein seltenes Ereignis, daß Menschen – nicht nur gläubige Katholiken – Seine Anwesenheit innerlich spürbar erfahren als ein plötzliches Gespür im Herzen, als Wärme, als unmittelbare Freude.

Meine Erfahrung ist, daß die tägliche Anbetung vor dem Tabernakel oder dem ausgesetzten Allerheiligsten regelmäßig große Freude zur Folge hat, gleich wie der Tag sonst war.

In der Anbetung können wir Jesus alles sagen, was uns auf dem Herzen liegt, können Ihm danken, Ihn bitten, Ihm unsere inneren und äußeren Nöte vortragen. Eigentliche Anbetung beinhaltet aber auch ein Stillwerden vor Gott. Gott liefert sich uns aus in den Eucharistischen Gestalten; wir liefern uns Gott aus, indem wir Ihn anbeten und Ihm uns selbst ganz überlassen. Das führt zum Gehorsam, und darüber können Sie morgen, am Montag, lesen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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