Mein ist die Rache, spricht Gott.

So steht es in Deuteronomium 32,35 (die Einheitsübersetzung mildert ab zu „Strafe“, was schlichtweg falsch ist).

Paulus zitiert Deuteronomium in Röm. 12,19: Übt nicht selbst Vergeltung, Geliebte, sondern lasst Raum für das Zorngericht Gottes; denn es steht geschrieben: Mein ist die Vergeltung, ich werde vergelten, spricht der Herr.

Gott und kein anderer hat das Monopol auf Rache. Ob und wie Er davon Gebrauch macht, ist Seine Angelegenheit; es ist allerdings bekannt, daß Er weit lieber verzeiht und erzieht als dreinschlägt (und daß Sein Dreinschlagen im Grunde ebenfalls der Erziehung dient).

Regelmäßig fordern nach einem besonders scheußlichen Verbrechen gefühlte 50% der deutschsprachigen Erwachsenen Folter und Mord durch den Mob. Leider sind unter diesen Menschen auch Christen.

Das Gefühl der Peinlichkeit, Nationalität und Religion mit einem Lynchmob zu teilen, hat mich heute morgen nicht einmal während der Heiligen Messe ganz verlassen. Zwar ist das ein törichtes Gefühl, und das Christentum beruht nicht auf Gefühlen, sondern auf Vernunft und Glauben. Leider muss ich mir das wieder einmal ganz überdeutlich selbst sagen angesichts der Horden von Möchtegern-Killern und angesichts der sich ihnen anschließenden Christen.

Es liegt leider (vermutlich seit dem Sündenfall) in der menschlichen Natur, nach Rache zu schreien und die auch gerne selbst vollstrecken zu wollen. Wer Rache übt, setzt sich aber an Gottes Stelle. Die Bibel ist hier sehr deutlich:

Spr. 20,22: Sag nicht: Ich will das Böse vergelten. Vertrau auf den Herrn, Er wird dir helfen!

1. Thess. 5,15: Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergilt, sondern bemüht euch immer, einander und allen Gutes zu tun!

Selbst wo ich einem Menschen ob seiner Tat nichts Gutes mehr wünschen kann, einfach weil das meine seelischen Kräfte übersteigt (natürlich sollte ich für ihn beten und ihm Bekehrung wünschen!), kann ich zumindest unterlassen, Böses mit Bösem zu vergelten. Unterlassen, Rache zu nehmen oder dazu aufzufordern. Die Absurdität unterlassen, durch etwas nach Gottes Wort Böses wie Gott sein zu wollen. Denn das kommt heraus, wenn man Rache übt.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter HÖLLISCHES, KATHOLONIEN abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Mein ist die Rache, spricht Gott.

  1. akinom schreibt:

    Wie dankbar können wir doch sein, dass die Polizei hierzulande das Monopol Gottes auf Rache verteidigt! Möge man dafür beten, dass solche Einsätze nicht mehr erforderlich sind!

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