Himmelfahrt Christi

Das Mahl des Auferstandenen mit den Aposteln, Seine letzten Weisungen und die Himmelfahrt Christi sowie die darauf entstehende Urgemeinde erwähnen Lukas 24,36-53, Markus 16,9-20 und Apostelgeschichte 1,4-12.

Die Perikopen berichten verschiedene Details, und gerade dadurch sind sie glaubwürdig. (Ein Polizist oder ein Richter würde im Verhör starke Zweifel bekommen, wenn drei Zeugen ganz genau das Gleiche berichten.)

Lukas berichtet detailliert von der Begegnung mit dem Auferstandenen auf dem Weg nach Emmaus und bildet damit eine Einleitung zum Bericht von der Himmelfahrt: Die beiden Jünger erkennen den Herrn abends in Emmaus, brechen sofort wieder auf (nachdem sie „sechzig Stadien“, d.h. etwa zwölf Kilometer weit gegangen sind), zurück nach Jerusalem, wo sie vermutlich mitten in der Nacht ankommen, fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren – und ehe sie überhaupt zu Wort kommen, hören sie: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“ Und daraufhin erzählen sie, was sie erlebt haben; die anderen nehmen das als Bestätigung.
Markus dagegen schreibt in aller Kürze, daß der Herr erst Maria aus Magdala und dann den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus begegnete, daß sie alle davon erzählten und man ihnen nicht glaubte.
Die Apostelgeschichte steigt gleich mit dem gemeinsamen Mahl in Jerusalem und Jesu Erscheinen ein und erwähnt vorherige Zeugenaussagen gar nicht.

Kurzgefasst:
Lukas: „Leute, der Herr…“ „… ist auferstanden. Wissen wir. Simon hat Ihn gesehen.“
Markus: „Leute, der Herr ist auferstanden! Wir haben Ihn gesehen!“ „Jetzt fangt ihr auch an zu spinnen! Wie Maria aus Magdala!“

Lösungsmöglichkeit: Entweder die aus Emmaus zurückkehrenden Jünger waren in mehreren Häusern, in denen Jünger Jesu wohnten; zunächst schenkte man ihnen keinen Glauben, aber bei den Aposteln, wohin sie zuletzt und schon etwas entnervt gingen, war man schon informiert. Oder sie gingen gleich zu den Elf und „denen, die mit ihnen versammelt waren“, die sich aber noch gar nicht ganz einig sind – manche glauben, Simon Petrus spinnt. Markus legt mehr Wert auf die Diskrepanz, Lukas mehr auf die sich schnell durchsetzende Wahrheit. In jedem Fall aber war ja Simon Petrus selbst einer der Elf (sogar der Wichtigste). Und er wußte, daß der Herr lebt.

Bei Lukas kommt Jesus dazu, während die Emmausjünger und die Apostel noch reden. Bei Markus kommt Er zu den Elf, nachdem sie den Bericht der beiden nicht geglaubt haben; es ist hier nicht klar, ob die beiden noch anwesend sind oder nicht. Allerdings darf man wohl davon ausgehen. Immerhin sind sie weit gegangen, es ist spät abends, und selbst wenn man ihnen nicht glaubt, ist man doch gastfreundlich! Kaum vorstellbar, daß die Apostel die beiden mitten in der Nacht hinausgeworfen haben.

Die Himmelfahrt wird bei Lukas „nahe Betanien“ verortet, in der Apostelgeschichte auf dem Ölberg. Kein Problem, denn Betanien liegt am Osthang des Ölbergs, keine drei Kilometer von Jerusalem entfernt. Jesus war oft und gern in Betanien, und daß der Auferstandene nach dem Mahl mit den Aposteln zum Ölberg ging, wo er vor Seinem Tod gebetet hatte, ist schlüssig. Der Ölberg wird so vom Ort tiefster Trauer und demütiger Unterwerfung unter den Willen des Vaters zum Ort des Triumphes.

Wenn man nun Lukas, Markus und die Apostelgeschichte kombiniert, kann man erkennen: die Aussagen bleiben schlüssig und ergänzen einander. In eckigen Klammern habe ich meine Ergänzungen geschrieben – wie man sieht, dienen sie nur dem Textzusammenhang und ändern den Sinn nicht.

Als Jesus am frühen Morgen des ersten Wochentages auferstanden war, erschien er zuerst Maria aus Magdala, aus der er sieben Dämonen ausgetrieben hatte. Sie ging und berichtete es denen, die mit ihm zusammengewesen waren und die nun klagten und weinten. Als sie hörten, er lebe und sei von ihr gesehen worden, glaubten sie es nicht. Darauf erschien er in einer anderen Gestalt zweien von ihnen, als sie unterwegs waren und aufs Land gehen wollten. Auch sie gingen und berichteten es den anderen und auch ihnen glaubte man nicht. [Einige] aber sagten: „Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.“
Später erschien Jesus den Elf selbst, als sie bei Tisch waren. Er trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: „Friede sei mit euch!“ Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.  Da sagte Er zu ihnen: „Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen Zweifel aufkommen? Seht Meine Hände und Meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst Mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei Mir seht.“  Bei diesen Worten zeigte Er ihnen Seine Hände und Füße. Als sie es aber vor Freude immer noch nicht glauben konnten und sich verwunderten, sagte Er zu ihnen: „Habt ihr etwas zu essen hier?“ Sie gaben Ihm ein Stück gebratenen Fisch; Er nahm es und aß es vor ihren Augen. Beim gemeinsamen Mahl gebot Er ihnen: „Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von Mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.“ Darauf öffnete er ihren Sinn für das Verständnis der Schriften. Er sagte zu ihnen: „Das sind Meine Worte, die Ich zu euch gesprochen habe, als Ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über Mich geschrieben steht. So steht es geschrieben: Der Christus wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen und in Seinem Namen wird man allen Völkern Umkehr verkünden, damit ihre Sünden vergeben werden. Angefangen in Jerusalem,  seid ihr Zeugen dafür. Und siehe, Ich werde die Verheißung meines Vaters auf euch herabsenden. Ihr aber bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“
Dann führte Er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort sagte Er zu ihnen: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In Meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“ Darauf fragten sie Ihn: „Herr, stellst Du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ Er sagte zu ihnen: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in Seiner Macht festgesetzt hat.  Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet Meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.“
Dann erhob Er Seine Hände und segnete sie. Und es geschah, während Er sie segnete, verließ Er sie und wurde zum Himmel emporgehoben.
Sie aber fielen vor Ihm nieder. [Als sie sich wieder erhoben und] unverwandt Ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen  und sagten: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr Ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ Da kehrten sie in großer Freude von dem Berg, der Ölberg genannt wird und nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück. Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben: Petrus und Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, der Zelot, sowie Judas, der Sohn des Jakobus. Sie alle verharrten dort einmütig im Gebet, zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.
Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.
[Später, nach der Geistsendung,] zogen sie aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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