Zum Nikolaustag

… habe ich diesmal kein neues Gedicht – aber dafür stelle ich gleich drei der letzten Jahre wieder ein.

Nikolaos zerstört den Artemiskult

Der Trug der alten Götter war
Aus Myra noch nicht ganz geschwunden.
Zwar hatte Gott der Herr schon längst
Kybeles Tempel abgebrochen,
Schon eh die erste Kirche stand:
Das Beben ließ nur Trümmer übrig
Als Mahnung vor dem Gotteszorn.

Doch hielt sich alte Bauernsitte,
Sie flehten unter einem Baum
Um Fruchtbarkeit zur Heidengöttin
Und brachten Milch und Wein und Korn,
Um die Kybele sanft zu stimmen.
Und selbst Getaufte machten mit!
Wie soll ein Bischof das ertragen?

Schon viele Male hatte ich
Gepredigt die gesunde Lehre
Von Vater, Sohn und Heilgem Geist,
Dem einen Gott in drei Personen,
Und viele nahmen auf die Saat –
Doch manche nur wie Sand und Dornen.

Und immer wieder fand ich dann
An jenem Baum die trüben Spuren
Der Heidenopfer, dargebracht
Von Menschen, die ich selbst belehrte!
Und immer wieder liefen sie
Zu diesem Baum mit Wein und Blumen
Und brachten dort ihr Opfer dar
Dem Dämon Artemis-Kybele.

Ein junges Mädchen, neugetauft,
Sah ich zu diesem Greuel gehen,
Beschwingt, wie sonst zum Gottesdienst.
Ich folgte ihr und hörte noch,
Wie sie um gute Ehe flehte!
Ich schrie sie an, da lief sie fort,
Und ich zertrat ihr Blumenopfer.

In bittrer Trauer, voller Angst
Um all die anvertrauten Seelen,
Lief ich nach Haus und nahm die Axt,
Kam wieder, diesen Baum zu fällen,
Und hieb fast eine Stunde lang
Mit frommem Zorn auf dieses Unheil,
Bei jeder Kerbe ein Gebet:
Beende, Herr, den Aberglauben!

Der Baum fiel nieder, Dank sei Gott!
Nun lehr mich, Herr, geduldig lehren,
Wie Du gelitten uns zum Heil!
Der meinem Arm die Kraft gegeben,
Zu fällen den Dämonenbaum,
Gib Kraft auch meinem schwachen Glauben,
Gib meiner Rede Kraft und Licht,
Mach weiter Deiner Diener Herzen,
Daß um sie stark der Glaube blüht.

Nikolaus und der Betrüger

Ich hatte jenem Christen Geld geliehen –
er ist ein Nachbar, und er war in Not.
Ich weise keinen ab von meinem Haus!
Dem Armen hilf! Das ist des Herrn Gebot.
Doch an dem Zahltag will er sich entziehen.

Er reicht mir seinen Stab – ich soll ihn halten.
Er schwört vorm Bildnis eines Würdenträgers:
„Du bist mein Zeuge, Bischof Nikolaus!
Das Geld ist gänzlich in der Hand des Klägers!“
Ihm wird geglaubt. Mein Recht wie Holz gespalten.

Er nimmt den schweren Stab, um fortzugehen –
der Falsche hört nicht des Gerechten Rufen!
Da scheut ein Pferd, da bricht ein Wagen aus,
da liegt er unter Rad und Pferdehufen.
Ich kann nicht helfen, muß ihn sterben sehen.

Das Rad ist über jenen Stock gefahren,
zerbrochen liegt er neben einer Leiche –
und ausgehöhlt – nun rollt das Geld heraus!
Er starb an seinem eignen bösen Streiche.
Herr, konntest Du ihn nicht davor bewahren?

Du, Ewiger, willst nicht den Tod der Sünder,
so hast Du es gesagt, so stehts geschrieben!
Und du, du Wundertäter, Nikolaus –
befiehlt dir nicht der Ewige zu lieben?
Sagt das nicht deines eignen Glaubens Gründer?

Ich will kein Geld auf eines Lebens Kosten!
Elija und Elischa weckten Tote,
wenn du das kannst, hilf, Bischof Nikolaus!
Gib, daß er lebt und umkehrt, Herrenbote!
Sonst mag das Geld verfallen und verrosten.

Da seh ich meinen Gegner sich bewegen
und schwankend aufstehn, staunend um sich sehen –
Dank sei Dir, Gott! Und Dank dir, Nikolaus!
Dann zeigt er auf die Münzen: „Hier – das Lehen,
nimm es zurück, verzeih – du bist ein Segen!“

Nikolaus in Nicäa

Zwölf Jahre war es her, daß Christi Weg
vom Kaiser war gestattet – Dank dem Herren!
Das Blut der Märtyrer ist aufgegangen
als Saat der Christen – Ernte mag noch fern sein.

Nun kam die Drohung aus den eignen Reihen.
Arius lehrte, Jesus sei nicht göttlich,
geschöpflich nur, nicht wirklich Sohn des Vaters.
Schon folgten viele diesem Irrtum nach.

Wir waren nah beim goldenen Byzanz,
dreihundert Bischöfe im Dienst des Herren.
Wir wollten Christi Wesen, Seine Lehre,
das Wort des Vaters lehren und verstehn.

Christus ist Gott, ist eins mit Gott dem Vater,
und mit dem Heilgen Geist, den beide atmen.
Wenn das nur alle wüßten! Alle stritten.
Sogar mein Freund Theognis war gespalten.

Mit ihm hab ich gesprochen und gebetet,
gestritten und erklärt, die Schrift geprüft
und unsern Glauben, bis uns beiden klar war,
daß Gott dreifaltig ist und Christus Gott.

Arius aber war verstockt, beharrte
mit Trotz und Stolz auf seiner falschen Lehre.
Er ließ durch keine Milde, keine Strenge
zur Wahrheit und zum Leben sich bekehren.

Da ist mir endlich die Geduld gerissen.
Er setzte an zu neuer Wiederholung –
da schlug ich zu. Auf seiner Wange blieb,
geschwollen, rot, der Abdruck meiner Hand.

Es war ganz plötzlich still. Die Brüder starrten,
Arius hielt die Hand auf seine Wange,
ich selbst erschrak vor mir und war zugleich
voll böser Freude über diesen Schlag.

Dann riefen alle durcheinander. Einer
nahm mich beim Arm und führte mich beiseite,
und wenig später hörte ich mein Urteil:
Ich war gefangen und war ausgeschlossen.

Ich hatte Zeit, mich meiner Tat zu schämen
und bat den Herrn um Gnade und Vergebung
für mich und für Arius: Sei barmherzig!
Am Ende wurde mir die Tür geöffnet.

Das christliche Bekenntnis ist besiegelt,
gezeichnet auch von mir und von Theognis,
nicht von Arius. Doch der Herr wird richten,
Er ist barmherziger als ich es war.

Wir werden für den Glauben streiten müssen
und um ihn ringen. Doch bewahr uns Christus
vor ungerechtem Wüten! Lassen wir
nicht über unserm Zorn die Sonne sinken!

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Zum Nikolaustag

  1. akinom schreibt:

    Mir fehlt die Zeit, dies alles durchzubeten und verschiebe es auf später. Von St. Nikolaus erbiitte ich für mich und die Meinen einen großen Sack voller guter Nachrichten!

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