Küchenkräuter

Die Fensterbank in meiner Küche hat zur Zeit etwas von einem Sanatorium.
Küchenkräuter und Aloe

Zwar die Aloe, die ich als winziges Pflänzchen bekam, wächst und gedeiht, und vielleicht wird sie irgendwann blühen.
Aloe

Oregano, Rosmarin, Minze und Salbei habe ich nach den ersten Nachtfrösten vom Balkon geholt.
Der Rosmarin – den ich den Sommer über stark geplündert hatte und der die Kälte gar nicht mochte – macht zaghaft neue Blättchen.
Rosmarin

Oregano kommt auch ganz gut wieder.
Oregano

Die Minze schafft es auch, obwohl sie sehr gelitten hat.
Minze
Minze

Dies Basilikum war nie in der Kälte und ist trotzdem nicht besonders gern hier. Ich habe leider noch nie geschafft, einen Topf Basilikum länger als einen Monat zu behalten. Aber ich gebe nicht auf. Für ein Pesto langt die derzeitige Menge allerdings noch nicht ganz.
Basilikum

Der Salbei hat auf den Platz in der Küche sofort mit begeistertem Wachstum reagiert. Jetzt fehlen nur noch Leber und Äpfel.
Salbei

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Achtung Aufnahme!

Eben war Herr Dornis vom Radio Horeb bei mir, um die Radiofassung meines Vortrags Bis zum Lichte, das Du bewohnst – Thomas von Aquin aufzunehmen.

Ausgestrahlt wird er am Donnerstag, 28. Januar, von 20.30 Uhr bis 21.35 Uhr.

Es sieht übrigens ganz so aus, als ob ich bei Radio Horeb noch öfter etwas sagen werde.

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Aurora lucis rutilat

Zu Deutsch: Der Morgen glänzt wie rotes Gold.
Die Arbeit an meinem Hymnarium geht voran, und wie man sieht, bin ich seit dem frühen Morgen dabei.
Wintermorgen

Das Hörnchen guckt fromm nach oben. Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est et speculum – Jedes Wesen der Welt ist wie ein Buch und Bild und Spiegel für uns. Ob ich Alanus ab Insulis übersetzen kann, weiß ich noch nicht, aber ich werde es versuchen.
Wintermorgen mit Eichhörnchen

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Hörnchen im Schnee

Es ist für Hörnchen schwierig geworden, Essbares zu finden. Das merke ich vor allem daran, daß es seine Kamerascheu überwunden hat. Es läßt sich von meiner erhobenen Hand nicht beeindrucken und frißt und frißt und frißt. In den Sommermonaten ist es weit schwieriger, Hörnchen zu photographieren. Dafür spiegelt jetzt die Fensterscheibe. Irgendwas ist immer.

Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen

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Und wo bleibt die Bitte um Entschuldigung?

Das frage ich den „Humanistischen“ Pressedienst und den weitaus größeren Teil der Presse, das frage ich Scharen von Nutzern der sozialen Medien, besonders facebook-Gruppen mit so klangvollen und großspurigen Namen wie Die Atheisten.

Wie ich berichtete, kursiert ein Gerücht, der Erzbischof von Toledo habe häusliche Gewalt gegen Frauen gebilligt, zumindest den Frauen eine Mitschuld zugeschrieben. Das ist eine Lüge; er hat genau das Gegenteil gesagt, und er hat es in einer Klarheit gesagt, die jede Fehlinterpretation ausschließt.

Ausführliche Richtigstellungen kommen zur Zeit nur von katholischen Medien. (Leider lassen gebührende Bitten um Entschuldigung für vorherige Übernahme der Falschmeldung hie und da noch auf sich warten.) Andere Zeitungen zeigen die Lüge weiterhin, verweigern Diskurs und Dementi und machen sich damit der fortgesetzten Rufschädigung schuldig – von einem unbegreiflichen Mangel an Professionalität ganz zu schweigen.

Dabei brauchen die schuldigen Medienfuzzis nur ein paar andere Medien zu lesen. Sie müssen gar nicht weiter als bis zum nächsten katholischen Blog recherchieren, denn wir sind ja nette Leute und übernehmen die Recherche für lau, wenn bezahlte Journalisten das nicht machen.

Also, liebe Medienfuzzis (das ist meines Wissens keine justiziable Beleidigung, und wenn doch, tut es mir auch nicht leid) – guckt mal die inkriminierte Predigt an – hier auf Spanisch und Deutsch, übersetzt von Anna Diouf.
Und dann lest
Anna Diouf
Tobias Klein
Heike Sander, Heike Sander und nochmals Heike Sander
Echo Romeo
Alipius Müller
Domradio Köln
und nicht zuletzt
auch mal was Älteres (keine Angst, die Bibel ist es nicht).

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Religion, Ethnie und Nationalität: Bitte mal differenzieren!

Verheerend ist der Mangel an Differenzierung bei zahlreichen Menschen, die kommentieren, was Muslime gesagt oder getan haben. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Gesagte oder Vollbrachte gut oder schlecht war. Besonders deutlich wird das bei den verbalen Angriffen auf die Bundeswehrsoldatin Nariman Reinke, die 1. stellvertretende Vorsitzende des Vereins Deutscher.Soldat e.V. Nach den frauenverachtenden Übergriffen muslimischer Männer in Köln musste sie erfahren, daß sie – eine 1979 in Deutschland geborene Frau, die ihrer Heimat (Deutschland, nicht Marokko!) aus Überzeugung dient – mit diesen Kriminellen geradezu gleichgesetzt wird.

Nariman Reinke ist Muslima, ihre Eltern sind Marokkaner. Sie war zweimal in Afghanistan eingesetzt und dient zur Zeit bei der elektronischen Kampfführung.

Ihrem Unmut über die Gleichsetzung ihrer Religionszugehörigkeit mit Nähe zum Terrorismus machte sie auf der facebook-Seite ihres Vereins Luft:

Ich bin deutsch und Muslima. … Vergewaltigung ist auch in Marokko strafbar und die Entehrung einer Frau ist für Muslime eine sehr schwerwiegende und schlimme Tat.
… Hier nochmal für alle: Nein, ich kann es trotz meines Migrationshintergrundes und meiner Religion nicht nachvollziehen, wenn Frauen vergewaltigt werden – egal von wem. Die Annahme, dass ich es könnte, ist ein Abgrund menschlicher Dummheit.

… Moral ist keine deutsche Errungenschaft, bei der man nochmal nachfragen müsste, ob sie schon bei uns Zugewanderten verfügbar ist. Alle Flüchtlinge, mit denen ich gesprochen habe sind genauso erschüttert, wie ganz Deutschland. …

Ich bin stolz, Deutsche zu sein. …

… Entweder wir sind der Meinung, dass der Schutz von Verfolgten richtig ist oder wir sind es nicht. Alles hinzuschmeißen, weil ein Tausendstel der Flüchtlinge kriminell geworden ist, würde unser Wertesystem als Heuchelei entlarven. Man kann nicht der Vorsitzende vom Vegetarierbund sein, aber zur nächsten Schnitzelbude flüchten, wenn man eine angeschimmelte Gurke im Kühlschrank hat.

Richtig ist aber auch, dass wir nun konsequent handeln und Straftäter ihrem rechtmäßigen Schicksal zuführen. …

Meine Eltern sind vor 52 Jahren aus Marokko nach Deutschland gekommen. Die Konsequenz waren nicht Vergewaltigungen und Straftaten, sondern sechs neue deutsche Kinder. …

Auch viele Flüchtlinge werden in Deutschland bleiben und Kinder haben. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass auch sie eine deutsche Heimat haben, in die sie sich einbringen und auf die sie stolz sein können.

Quelle

Innerhalb von zwei Tagen wurde diese Ansage über siebentausend Mal geteilt und über neunhundert Mal kommentiert. Mindestens die Hälfte der Kommentare besteht in widerwärtigen Beschimpfungen der Autorin – das geht vom Vorwurf der Heuchelei über Schmarotzertum bis zum Landesverrat. Immer wieder wird behauptet, sie sei nicht Deutsche, könne nicht Deutsche sein – weil sie marokkanische Wurzeln hat, weil sie Muslima ist. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung kontert sie zu Recht: Ich bin deutsche Soldatin, mehr Integration geht doch gar nicht. Ich stehe für dieses Land ein.

Ich möchte hier weder meine Meinung zur Bundeswehr noch meine Einschätzung des Afghanistan-Einsatzes diskutieren. Mir geht es allein um Gerechtigkeit und differenziertes Denken gegenüber Zuwanderern und deren Kindern.

Immer wieder werden die Begriffe Religion, Ethnie und Nationalität vermengt. Das ist in keinem Fall zulässig.

Religionen sind prinzipiell nicht an die Nationalität oder Ethnie gebunden.

Bei Yeziden spielt die Volkszugehörigkeit zwar eine Rolle, nicht aber die Staatsangehörigkeit. (Ein Yezide mit deutschem Pass ist ein Deutscher yezidischen Glaubens.)
Das Judentum ist nicht missionarisch, viele Menschen nehmen daher eine ethnische Einheit der Religion Judentum an. Aber zum einen gibt es durchaus auch heute den Übertritt zum Judentum, zum anderen muss man nur die Bibel lesen, um zu wissen, daß das in biblischen Zeiten durchaus vorkam. Ein Ger Zedek ist ein Konvertit, der Beschneidung und Mitzwa auf sich nimmt und den Geboten folgt.
Das Christentum ist grundsätzlich an keine Parameter der Herkunft gebunden. Die Taufe wird ohne Ansehen der Herkunft gespendet, allein auf den Wunsch des Täuflings (oder, bei Kleinkindern, dessen Eltern). Der Taufbewerber (oder die Eltern) muss zwar darüber unterrichtet werden, worauf er sich einlässt. Aber nicht einmal der, der ihn tauft, muss notwendig über die Herkunft und Vorgeschichte des Täuflings informiert sein.
Der Übertritt zum Islam besteht im Aufsagen der Schahada. Auch hier ist die Bedingung allein der Wunsch des Konvertiten, Muslim zu werden. Den vielen törichten Menschen, die für Muslime einen Aufnahmestop oder die Ausweisung aufgrund der Religion fordern, fehlt nicht nur das Wissen um deutsches Recht und das Bewußtsein für Menschenrechte und Gerechtigkeit, ihnen fehlt auch die Einsicht, daß es Muslime mit deutschen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gibt.

Ethnie und Volk sind schwammige Begriffe. Es gab allein in Europa in den letzten zweitausend Jahren (vom größeren Teil der Weltzeit zu schweigen) Völkerwanderungen, Kriege, raisonpolitische Ehen, Staatenbünde, Handels- und Forschungsreisende – wie soll man da noch von „Ethnie“ sprechen? Meine mir bekannten Vorfahren kamen aus einem Gebiet mit den Eckpunkten Darkehmen/Ostpreußen, Hamburg, Westfalen, Salzburg. Mit einiger Sicherheit gibt es in meiner Ahnenreihe Prußen, Wenden, Teutonen und Römer. Das weist mich als europäischen Normalfall aus.

Ich habe keine Sympathie für den Islam als Religion und schon gar keine für die Politik islamisch geprägter Staaten. Auch gibt es unter muslimischen Zuwanderern viele gewaltbereite und bildungsunwillige junge Männer. Aber der Islam kann gerechterweise nicht auf einen Haufen Krimineller reduziert werden. Die Gewalttätigen fallen auch deshalb auf, weil die Sanften es nicht tun. „XY lebt seit zwanzig Jahren in Deutschland, betreibt mit seiner Frau ein kleines Café, seine Tochter ist Altenpflegerin und sein Sohn Schneider, und keiner aus der Familie ist jemals unangenehm aufgefallen“ – das ist keine Zeitungsmeldung. Das sagt auch der Nachbar und Kunde des Cafés XY nur, wenn gerade eine Apologie gebraucht wird.

Vollkommen falsch ist, alle Muslime gleich welcher Prägung vorab zu verurteilen, ohne Grund, ohne Prozess, ohne Rechtsbeistand und ohne Legitimation. Boshaft und schändlich ist es, einem Menschen, der mit Begeisterung und Tapferkeit diesem Land dient, die Berechtigung hierfür abzusprechen und ihm die Bürgerrechte aberkennen zu wollen. Daß übrigens Menschen, die genau das tun, sich als Verteidiger des christlichen Abendlandes gerieren, besudelt das Christentum.

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Humanismus und Rufmord – passt das zusammen?

Lieber Humanistischer Pressedienst,

daß ein spanischer Erzbischof am 27.12.2015 in einer Predigt gesagt hat, „Frauen können verhindern, dass sie geschlagen werden, indem sie einfach das tun, was die Männer von ihnen verlangen.“ (so das Zitat in dem auf meinen Seiten nicht verlinkbaren hdp-Artikel Ungehorsame Frauen), macht sich natürlich gut als Meldung. Verbreitet sich auch besser als die Wahrheit.

Aber so ein bißchen Achtung vor der Wahrheit könnte man ja trotzdem gelegentlich haben, so als Humanist, oder? Daß dies angebliche Zitat nicht einmal ungefähr oder sinngemäß vorkam, daß es eine Erfindung des hdp ist, könnte ja vielleicht mal zu einem Dementi, einer öffentlichen Bitte um Entschuldigug und einem Schreiben mit Schuldanerkenntnis und Vergebungsbitte an Seine Eminenz führen – na? Wirds bald? (Um Vergebung bitten kann man auch außerhalb des Beichtstuhls. Man muß dazu nicht katholisch sein, nur einfach anständig. Man kann das auch unterstreichen mit einer Wiedergutmachung – irgendwas zwischen einer Flasche Wein und tausend Euro für katholische Familienberatungsstellen wäre ja möglich.)

Ich kann kein Spanisch, aber Latein, und habe gestern nach dem Original gegoogelt. Ich fand nichts, was irgendwie so ähnlich klingt wie die Meldung des hpd. Wenig später hat Anna Diouf, eine spanischkundige Bloggerin, die Predigt übersetzt, und siehe da – Seine Eminenz Braulio Rodriguez Plaza, Erzbischof von Toledo, hat in der Tat zum Thema „Gewalt in der Familie“ gepredigt. Hier steht es:

Der Großteil der Frauen, die getötet werden, werden von ihren Ehemännern umgebracht, die ihre Frauen nicht respektieren, die sie ablehnen, vielleicht, weil sie manchmal ihre Anweisungen nicht befolgen; oder sie werden durch ihre Expartner umgebracht, oder auch durch die, mit denen sie zusammenlebten. Oft ist es eine vom Machismo herrührende Reaktion, die ihren Ursprung darin hat, dass sie die Scheidung eingereicht hat. Es ist wunderbar, dass die Frauen, die bedroht werden, das (offen) sagen, und es gibt durch neue Schutzmechanismen die Möglichkeit, ein Verbrechen zu verhindern.

Also: Seine Eminenz hat gesagt, daß es wunderbar ist, wenn Frauen geschützt werden und Gewalt anzeigen. Er hat gesagt, daß Gewalt gegen Frauen, insbesondere in Partnerschaften, ein Ergebnis des Machismo ist (den er an keiner Stelle verteidigt, im Gegenteil). Er hat gesagt:

Um in das Leben des oder der Anderen einzutreten, wenn diese/r sogar Teil unseres Lebens wird, bedarf es der Feinfühligkeit, nicht übergriffig zu handeln; eine Feinfühligkeit, die das Vertrauen erneuert, den Respekt und die Liebe. Je intimer und tiefer die Liebe ist, desto mehr fordern diese Tugenden, die Freiheit (des Anderen) zu respektieren und die Fähigkeit zu hoffen.

Und, lieber Humanistischer Pressedienst, da Du Dich auf Humanisten berufst, hier ein Zitat eines der Größten unter ihnen:

Da der einzige Weg zum ewigen Leben der ist, Gott zu erkennen und seinem Befehl zu gehorchen, beweint der Prophet im 14. Psalm bitterlich die verblendete Torheit der Menschen, da nur wenige gefunden werden, die die offenkundige wesenhafte Barmherzigkeit ihres Schöpfers und Erlösers annehmen und sich zu eigen machen; vielmehr wird der größere Teil durch ihre blinde sinnliche Begierlichkeit so vollkommen verführt, daß sie auch in ihrem Herzen sprechen: Es gibt keinen Gott. Aus ihrer so gottlosen, falschen Meinung, daß es keinen Gott gebe, ist wie aus einem Brunnen die Bosheit und Gemeinheit gegen die Nächstenliebe entsprungen. Denn keiner liebt wahrhaft seinen Nächsten, der ihn nicht um Gottes Willen liebt, da die Werke der Liebe aus dem Glauben an Gott wie aus einer Wurzel erwachsen. Wer aber in seinem Herzen erwägt und spricht: Es gibt keinen Gott, der hat ein schnödes und allzu enges Herz, und der Rede folgt dann die Tat, so daß er seinem Nächsten nichts Gutes tun kann, sondern ihn nur anbläst mit dem giftigen Leichengestank des Betruges, dem tödlichen Natterngift, das ein anderer Psalm unheilbar nennt.

Erasmus von Rotterdam, Büchlein über die Reinheit der Kirche

Um einzusehen, daß Verleumdung falsch ist, muß man allerdings nicht notwendig an Gott glauben.

Um Lügen zu verbreiten, braucht man nicht notwendig bösen Willen; schlampige Recherche und übergroßes Vertrauen zu modernen „Humanisten“ genügt. Die Lüge steht bei Wikipedia und in zahlreichen Presseorganen, in verschiedenen Sprachen. Die Weigerung, zu recherchieren, gibt es, ebenso wie Verleumdung, überall, nicht nur beim hdp – aber das entschuldigt den hdp nicht.

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Schnee

Hübsch sieht das aus!
Leider wird der Schnee in der Stadt sehr bald zu graubraunem Matsch. Aber vom Schreibtisch aus sehe ich in Gärten. Und am Schreibtisch habe ich viel zu tun.

Verschneiter Garten
Verschneiter Balkonkasten

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Porto sieben Pfennig

In einem vergilbten Taschenbuch von 1958 mit Pindars Oden fand ich eine Postkarte. Kein Liebesbrief, keine vergessene Mitteilung, sondern eine Blankopostkarte an den Wilhelm Goldmann Verlag, die ich an der Perforierung heraustrennte.

Postkarte Goldmannverlag

Wenn Sie auf der Rückseite dieser Karte nur Ihre Anschrift eintragen und die Sie interessierenden Gebiete in den Vierecken ankreuzen, beträgt das Porto innerhalb Deutschlands 7 Pfennig. Bei weiteren Eintragungen bitte als Postkarte frankieren.
Goldmann-Bücher erhalten Sie in allen Buchhandlungen und an den meisten Bahnhofskiosken.

Postkarte Goldmannverlag

Verehrter Leser,
senden Sie bitte diese Karte ausgefüllt an den Verlag. Sie erhalten sofort kostenlos den illustrierten Gesamtkatalog zugestellt
WILHELM GOLDMANN VERLAG MÜNCHEN 8

Diese Karte entnahm ich dem Buch: ………………….
Mein Urteil über das genannte Buch lautet: ………………….

Mein Urteil lautet, ich mag Ludwig Woldes Übersetzung nicht sonderlich, und irgendwie kann ich mit Pindar generell nicht so viel anfangen. Aber die Karte finde ich amüsant und werde sie vielleicht abschicken. Allerdings habe ich keine 7-Pfennig-Briefmarke.

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Heiligkeit und Hosen

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Bloggerkollege Tobias Klein machte mich darauf aufmerksam, daß das Tragen von Hosen bei Frauen in bestimmten sich katholisch empfindenden Kreisen verpönt ist und mit größerer Vehemenz thematisiert wird als andere, womöglich bedeutendere Probleme unserer Zeit und des katholischen Glaubens.
Ich bin eine Sünderin und, ich gestehe es, vollkommen ungeeignet, mit dieser Sorte Katholiken zu sprechen. Sie würden auf mich auch nicht hören.
Aber auf die Heiligen hören sie doch sicher. Und so zitiere ich zum Thema „Frauen mit Hosen“ aus den Prozessakten der Heiligen Johanna von Orléans, anno Domini 1431.

Donnerstag, 22. Februar, Verhör durch Magister Jean Beaupère.

Jeanne: … Nachdem ich Vaucouleurs verlassen hatte, erreichte ich Saint-Urbain und übernachte­te in der Abtei. Ich war in Mannskleidern. Baudricourt hatte mir ein Schwert gege­ben. Ich hatte keine anderen Waffen. Ein Ritter, ein Junker und vier Bewaffnete be­gleiteten mich. Unterwegs kamen wir durch Auxerre. Dort hörte ich in der Kathedrale die Messe. Und hierauf hatte ich häufig meine Stimmen. …

Dienstag, 27. Februar, Verhör durch Magister Jean Beaupère.

Beaupère: Ist es Gott, der Euch geboten hat, Mannskleider anzulegen?
Jeanne: Das Gewand ist gleichgültig; es ist nebensächlich. Ich habe diese Kleider auf keines Menschen Rat angelegt. Ich habe weder diese Kleider angelegt noch irgend et­was sonst getan, was nicht auf Geheiß Gottes und Seiner Engel geschehen wäre.
Alles, was ich getan habe, ist auf Befehl Gottes. Wenn Er mir befehlen würde, mich anders zu kleiden, so täte ich es. Denn es wäre Sein Befehl.

Samstag, 3. März, Verhör durch einen Richter.

Richter: Haben Euch die Geistlichen, die Euch in Poitiers einen Monat lang prüften, und die anderen, die Euch drei Wochen lang examinierten, gefragt, ob es auf Befehl Eurer Stimmen war, daß Ihr Mannskleider annahmt?
Jeanne: Ich erinnere mich nicht.
Richter: Hat man Euch im Schlosse Beauvoir darüber keine Frage gestellt?
Jeanne: Ja doch. Und ich habe geantwortet, ich würde sie nicht ablegen ohne die Er­laubnis Gottes.

Montag, 12. März, Verhör durch Jean de la Fontaine.

de la Fontaine: Hat Euch Robert de Beaudricourt ersucht, Mannskleider anzulegen, oder war es Euer eigener Wille?
Jeanne: Es war mein Wille. Kein Mensch hat es von mir verlangt.
de la Fontaine: War es die Stimme, die Euch Mannskleider anzulegen gebot?
Jeanne: Alles, was ich an Gutem getan habe, das habe ich auf Befehl der Stimmen ge­tan. Was das Kleid angeht, so antworte ich Euch ein andermal. Im Augenblick habe ich keine Weisung darüber. Aber morgen werde ich darauf antworten.
de la Fontaine: Empfandet Ihr es nicht als schlecht, die Mannskleider anzulegen?
Jeanne: Nein. Und wäre ich jetzt noch in diesem Mannskleid auf der anderen Seite, und könnte ich darin fortführen, was ich vor meiner Gefangennahme begann, es wäre eine große Wohltat für Frankreich, will mir scheinen.

Mittwoch, 14. März, Verhör durch einen Richter.

Richter: Jetzt hört einmal her: Ihr habt Paris an einem Feiertag angegriffen, Ihr habt das Pferd des Monseigneur von Senlis genommen, Ihr habt Euch vom Turm in Beau­revoir gestürzt, Ihr tragt Mannskleider, Ihr habt den Tod des Franquet von Arras ge­billigt – und Ihr meint, keine Todsünde begangen zu haben!

Jeanne: Zum vierten, dem Mannskleid: Da ich es auf Gottes Geheiß und in seinem Dienst tra­ge, glaube ich nicht, mich gegen ihn zu vergehen. Wenn es ihm gefällt, mir ein ande­res anzubefehlen, so werde ich dies hier sofort ablegen.

Im Klagebegehren, verlesen am Mittwoch, 28. März, heißt es über die Heilige, sie sei angeklagt…

… als Kriegshetzerin, die grausam nach Menschenblut dürstet und zu seinem Vergießen anspornt, die Ehrbarkeit und Schicklichkeit ihres Geschlechts verletzend und unehrerbietig und unpassend Kleid und Beruf der Krieger annehmend, weswegen sie vor Gott und den Menschen verabscheuungswürdig ist, als Verächterin göttlicher und natürlicher Ordnung sowie der kirchlichen Disziplin…

Montag, 28. Mai, Verhör durch Pierre Cauchon.

Cauchon: Was soll das heißen?
Jeanne: Ja, ich habe die Mannskleider wieder angenommen und die Frauenkleider ab­gelegt.
Cauchon: Warum? Wer hat sie Euch annehmen heißen?
Jeanne: Ich selbst. Freiwillig. Ich trage sie lieber als Frauenkleider.
Cauchon: Ihr hattet versprochen und geschworen, sie nicht wieder zu tragen.
Jeanne: Es war schicklicher, da ich in der Umgebung von Männern bin.

Ich bin zwar keineswegs heilig, aber ich trage gern Hosen. Ich habe damit kein Problem, solange ich nicht Katholiken vom Schlage eines Pierre Cauchon oder Jean Beaupère als Delinquentin gegenüberstehe. Sollte ich deshalb so enden wie Jeanne d’Arc, hoffe ich, das Patronat für die Hersteller kleidsamer Damenhosen zu bekommen.

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