Lebensschutz muss für jeden gelten!

In den USA wird ein Mensch durch Erschießung hingerichtet. Was Nidal Hasan getan hat, war schrecklich – er hat 13 Menschen getötet und 32 verletzt. Alle hatten ihm vertraut, denn er war ihr Kamerad und Militärpsychiater.

Ich kann verstehen, dass Menschen wütend auf ihn sind. Ich kann verstehen,  dass Menschen ihm den Tod wünschen,  auch wenn ich das nicht gut finde. Nicht verstehen kann ich, dass zahlreiche Menschen,  die sich Christen nennen,  es richtig finden, ihn zu töten. (Einsperren mit Sicherheitsverwahrung und im übrigen menschlich behandeln wäre nach US-amerikanischem Recht möglich und nach christlichen Maßstäben richtig.)

Das ist nicht alles. Die Hinrichtung wird öffentlich stattfinden und über Livestream übertragen werden. Unzählige Menschen werden zusehen, wie drei Menschen einen vierten erschießen. Die Seelen dieser drei, die dabei mit Sicherheit Schaden nehmen, interessieren kaum einen. Dass auch Kinder das sehen können und mit Sicherheit werden, lässt die Trumpisten kalt. (Jaja, es wird Zugangsbeschränkungen geben, und an Zugangsbeschränkungen bei Livestreams haben sich ja schon immer alle gehalten,  nicht wahr?)

In der gleichen Zeit findet eine 50jährige Frau langsam wieder ins Leben,  nachdem ihre Hinrichtung per Giftspritze schiefgegangen ist. Sollte sie wieder ganz gesund werden,  versucht man es halt nochmal.

Auch Christa Pike hat etwas Entsetzliches getan. Mit achtzehn Jahren. Mit einer von Missbrauch geprägten Kindheit belastet. Das macht ihre Tat – die äußerst grausame Ermordung einer Mitschülerin – nicht gut. Aber auch ihre Hinrichtung macht nichts gut. Sie hätte Hilfe und Barmherzigkeit gebraucht und bekam eine Todeszelle und Gift.

Die Leute,  die in den USA am lautesten nach Todesstrafe schreien und sich die Übertragung anschauen werden, nennen sich „Pro Life“. Das ist anmaßend und verlogen. Ich verteidige seit vielen Jahren das unbedingte Recht auf Leben von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Ich will mit dieser MAGA-Bagage nicht in einem Atemzug genannt werden.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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