John Eldredge kannte ich noch nicht – und es ist mir völlig gleich, dass er sich sehr wesentlich an Männer wendet, tatsächlich habe ich das bei seinem Vortrag gar nicht gemerkt. Ich hatte eher das Gefühl, er wendet sich wesentlich an Menschen. Er war mir von Anfang an sympathisch durch seine Freundlichkeit und seinen Humor.
Was ich aus seinem Vortrag mitnahm:
Die Seele wird hell durch die Begegnung mit Jesus. Verstand ist wundervoll und wichtig – und die deutsche Literatur hat viel Großartiges über den Verstand geschrieben. Aber ohne das Herz taugt der beste Verstand nichts. Freude, Liebe und Güte, aber auch Trauer und Sorge sind Herzenssache.
Die Welt versucht ständig, die Einheit mit Gott zu zerstören. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, und ihr seid die Reben“ – und kurz später mahnt Er, wir sollen so eins sein, wie Er eins mit dem Vater ist. Ohne das können wir nicht leben. In Off. 3,20 heißt es: „Siehe, Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer Meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde Ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit Mir.“ Jesus klopft an die Tür unseres Herzens.
Die Stiftshütte und später der Tempel sind im Alten Testament Orte der Gegenwart Gottes, und dorthin geht es durch die Wüste. (Ohne eine Erfahrung der „Wüste“ gibt es auch keine Erfahrung von Gottes Gegenwart, zumindest habe ich das so verstanden.) Epheser 3,17-19 zeigt, dass für uns Christen unser Herz Stiftshütte und Tempel ist. „Gottes Gegenwart ist, wo Er tief im Innern wohnt“, heißt es bei der französischen Mystikerin Jeanne Guyon. Jesus Zugang zum Herzen zu geben macht Heilung möglich.
Das Geheimnis christlichen Lebens besteht in Gebet und Gemeinschaft. Gebet geht allem voran, Eldredge betont das gern (und mit Recht). Aber auch die Gemeinschaft ist wichtig. Für die Sakramente braucht es Gemeinschaft (mindestens zwei, Spender und Empfänger – niemand kann sich selbst ein Sakrament spenden). Gebetskreise, christliche Gruppen verschiedener Art sind wichtig. Es geht dabei auch immer um Entschleunigung; das weltliche Leben hat eine Tendenz, uns zur Besinnungslosigkeit zu hetzen.
Jeder sehnt sich nach der Einheit, die der dreieine Gott ist. Trinität ist Einheit. Zur „Einheit mit Gott“, also eine innere, innige Verbundenheit mit Ihm, kann man in drei Schritten gelangen:
- Schritt – Seine Gegenwart wahrnehmen und als sanften Trost spüren. Das geht in allem, was man von Herzen liebt und gern tut. (Hier habe ich einen leisen Vorbehalt gegen Eldredge, denn man kann ja auch Böses und Falsches gern tun. Eldredge würde vermutlich erwidern: Das ist dann aber keine Liebe.)
- Schritt: Sich nach innen wenden. Jesu Gleichnis von den Schafen, die auf die Stimme des Hirten hören (Joh. 10,1-16) kommt hier zum Tragen. Die Welt fragmentiert unsere Aufmerksamkeit; das beweist auch die Neurowissenschaft. Sich zur Ruhe bringen, Ablenkungen ausschalten, schaffen die meisten Menschen nicht einmal sieben Sekunden lang. Die Gegenwart Christi ist in den Herzen Seiner Jünger. Er ist allerdings längst da, wenn wir anfangen, Ihn zu suchen. Diese Suche beginnt schon, wenn wir ein Bedürfnis nach Führung wahrnehmen, z.B. in unseren Ängsten, unserem Ärger, unserer Sexualität und was uns sonst noch bewegt.
- Schritt: Lernen, wie Jesus in Dinge hineinzugehen. Das kann durch spontane Erinnerungen und Assoziationen geschehen – da klopft Jesus an, auch wenn Er zulässt, dass mich etwas triggert. Er will Zugang zu meiner Angst, meinem Zorn, meiner Enttäuschung usw. Wenn wir still werden, uns nach innen wenden, können wir Ihm Zugang gewähren.
Jesus will unsere Menschlichkeit wieder herstellen. Die Welt sagt: Sei alles Mögliche, sei großartig. Jesus sagt: Lass uns das zusammen machen, als Weinstock und Rebe. Ihm das Herz öffnen, Ihn lieben, darum geht es.
Wenn wir die Handflächen im Gebet zusammenlegen, kann das diese Gemeinsamkeit versinnbildlichen. Wenn wir die Finger im Gebet verschränken, kann das ein Bild sein für die enge Gemeinschaft mit Ihm. Tatsächlich habe ich bei dieser Übung erfahren, dass diese einfachen Handhaltungen gemeinsam mit dem Wunsch, Jesus zu begegnen, einen inneren Frieden auslösen können.


