Gefangener in zwei Diktaturen

Vor 133 Jahren wurde Josef Beran in Pilsen geboren. 1911 wurde er in Rom zum Priester geweiht und wirkte dann in Prag erst als Kaplan, dann als Dozent der Religionspädagogik, später der Pastoraltheologie. Er kümmerte sich um die Verbreitung der päpstlichen Enzyklika Mit brennender Sorge. 1939 wurde er Professor, im gleichen Jahr bekam er den päpstlichen Ehrentitel Monsignore. 1942 wurde er nach dem Attentat auf Heydrich in Geiselhaft genommen (im Rahmen einer unsäglich scheußlichen Vergeltungsaktion). Er kam ins Gefängnis, dann nach Theresienstadt und dann nach Dachau. 1943 überlebte er eine Typhusepidemie daselbst nur knapp. Der deutsche Pallotinerpater Richard Henkes, mit dem Beran sich dort angefreundet hatte, starb bei der Pflege Typhuskranker.

1945, nach der Befreiung, kehrte er sofort nach Prag zurück, wo er im Folgejahr zum Erzbischof ernannt wurde. Als 1948 die Kommunisten die Macht übernahmen, wehrte er sich gegen die Verquickung von Kirche und Staat auf Kosten der reinen Lehre. 1949-1951 war er unter Hausarrest und wurde dann nacheinander an verschiedene ihm selbst unbekannte Orte gebracht, blieb auch dort immer unter Arrest und durfte keine Zeitungen lesen. 1963 wurde er befreit, aber mit Berufsverbot belegt. Erst 1965 gelang es, ihn durch kirchliche Verhandlungen freizubekommen, er musste aber die Tschechoslowakei verlassen. In Rom wirkte er am letzten Abschnitt des Zweiten Vatikanischen Konzils mit, kurz nachdem er die Kardinalswürde erhalten hatte. Er setzte sich dort für religiöse Freiheit ein sowie für die Rehabilitation von Jan Hus.

Josef Beran starb 81jährig, Minuten ehe Papst Paul VI an sein Krankenbett kam. Sein letzter Wille, in Prag bestattet zu werden, konnte damals nicht erfüllt werden, weil die tschechische Regierung sich sperrte. Stattdessen wurde er in St Peter begraben, wo sonst nur Päpste liegen. Erst 2018 wurde der Leichnam in seine Heimat überführt.

Josef Beran hatte sich seit seiner Freundschaft mit P. Henkes immer für die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen eingesetzt. Er tat das auch als Erzbischof. Das auf dem Gemälde so schön festgehaltene Lächeln kann man auch auf Photos sehen, es ist keine fromme Zutat. Der Seligsprechungsprozess läuft seit 1998 – auf Diözesanebene ist er abgeschlossen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter KATHOLONIEN abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Gefangener in zwei Diktaturen

  1. Liebe Frau Sperlich,

    danke für den ergreifenden Bericht mit Erwähnung der Rehabilitation von Jan Hus.

    Herzliche Grüße
    Hans-Jürgen Caspar

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.