facebook-Sonett

Du Schwätzertreff der Schlechten, Falschen, Doofen,
Vernunft und Sinn und Argument verbellend,
Du Brunnen, von Verleumdung überquellend,
Verteiler aufgebauschter Katastrophen!

Du Freundestreffen, trüben Tag erhellend,
Wo Theophile treffen Philosophen,
Ideengeber manch‘ so netter Strophen,
Gar schöne Bilder mir vor Augen stellend!

So schön und häßlich, freundlich und gemein,
Grad wie das Leben – ohne es zu sein,
Auch wenn es mancher ernstlich dafür hält!

Doch Antwort auf die großen letzten Fragen
Kann nicht das zuckerbergsche Dingsda sagen –
Denn facebook zeigt ja bestenfalls die Welt.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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6 Antworten zu facebook-Sonett

  1. Matthias Hergert schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,
    „Du Schwätzertreff der Schlechten, Falschen, Doofen, …“ Sie meinen Facebook, ist ja auch ersichtlich. Ich selbst kenne diese Art der Kommunikation nicht. Ich kann daher eigentlich nicht mitreden und weiß deshalb nichts über die „Schlechten, Falschen und Doofen“, die sich dort tummeln. Ich weiß aber, da ich im Erzbistum Berlin ein wenig herumkomme, dass nicht nur Kapläne und jüngere Pfarrer „bei Facebook“ sind, sondern auch viele katholische Leute, die diese Plattform unterschiedlich nutzen. „Du Schwätzertreff der Schlechten, Falschen, Doofen, …“ Auch im Internet gibt es Schlechte, Falsche und Doofe. Wir beide sind auch dabei, jeder mit seiner Seite. Wenn jemand das Internet so generell als Schwätzertreff der . . . bezeichnete, dann wäre auch Ihre und meine Seite mitgemeint. Gerade zu Corona-Zeiten nutzen manche Gruppen Facebook und ähnliche Medien für geistliche Kommunikationen, Verabredungen und Austausch. Aber wie gesagt: Mich haben Sie mit Ihrer Aburteilung nicht vor den Kopf gestossen, aber wie viele andere? Naja, mal sehen, ob auch eine scharfe Kritik an den Demonstranten vom kommenden Samstag (29. August) von Ihnen kommt. Die erste Demo dieser Art wurde ja von Ihnen heftig abgewatscht.
    Ich wünsche Ihnen noch eine gute Zeit, grüßen Sie mir den St. Matthias-Friedhof, auf dem auch meine Eltern bestattet sind, und bleiben Sie gesund.
    Gelobt sei Jesus Christus!
    Ihr Matthias Hergert

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Wenn es kein Sonett wäre, sondern nur ein Vierzeiler, müsste ich Ihnen völlig recht geben.

      Ob ich übrigens künftige Aktionen überhaupt mit einem oder zwei Worten bedenke oder nicht, hängt von mehreren Dingen ab. Um über ein Thema zu bloggen, muss ich a) leben und halbwegs gesund sein, b) Zeit haben, c) Lust haben, d) einen Text zustande bringen, mit dem ich zufrieden bin. Nichts davon kann ich im Voraus wissen.

  2. Gerd schreibt:

    Die Karl-Leisner-Jugend ist auch auf Facebook präsent. Das „Geschwätz“ dort ist weder doof, falsch oder schlecht, soweit ich das beurteilen kann.

  3. Claudia Sperlich schreibt:

    Hat eigentlich jemand die zweite Strophe gelesen?

  4. Hans-Jürgen Caspar schreibt:

    Ja, ich, und auch die dritte. Klug finde ich in ihr vor allem die letzte Zeile.

    Selbst bin ich nicht bei FB und auch in keinem anderen „sozialen Medium“, Dagegen lese ich oft und gern hier bei Ihnen, liebe Frau Sperlich.

    Was mich sonst außer christlichen Themen unter anderem interessiert (und die meisten Besucher dieses Blogs vermutlich kalt lassen wird), geht aus dieser Website hervor.

    Mit herzlichen Grüßen
    Hans-Jürgen Caspar

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