Was am Katholizismus so klasse ist: die Gelübde!

Katholiken haben verschiedene Möglichkeiten, Gelübde abzulegen. Am bekanntesten sind die Ordensgelübde, die „Evangelischen Räte“ Armut, Keuschheit, Gehorsam – gewöhnlich zunächst auf die Zeit von drei Jahren abgelegt, dann auf Lebenszeit. Dabei gibt sich ein Mensch ganz in Gottes Hand, verzichtet auf Besitz, Sex, Autonomie – und erhält gerade dadurch eine nonkonformistische Freiheit, die ihresgleichen sucht.
Auch Priester – nicht nur Ordenspriester – geloben etwas, nämlich Gehorsam gegenüber ihrem Bischof, Keuschheit und das treue Versehen ihrer Amtspflichten, wozu das tägliche Stundengebet gehört.
Gelübde kann aber auch jeder katholische Laie leisten. Es muss nur immer eine gute, gottgefällige Sache beinhalten, dem Gläubigen möglich und erlaubt sein, wohlüberlegt und freiwillig geschehen.

Oft sind das im Gebet vor Gott gemachte Versprechen – z.B. eine Wallfahrt, eine Kerze, ein Opfer irgendeiner Art, wenn man eine Gefahrensituation übersteht oder eine Prüfung erfolgreich ablegt. Einige Früchte solcher Gelübde halten sich über Jahrhunderte, so verschiedene Kirchen und Kapellen oder die Oberammergauer Passionsspiele. Andere halten nur kurz – so lange wie eine dicke Kerze zum Abbrennen braucht, so lange wie eine Messe, die jemand gestiftet hat, oder wie ein Tag der Einkehr. Wieder andere halten ein halbes Menschenleben lang, von dem Tag, an dem sie geleistet wurden, bis zum Tod. Und schließlich gibt es auch solche, die gar nicht halten. Hat jemand privat etwas gelobt und merkt, daß er es nicht halten kann oder will, so kann ihn ein Priester in der Beichte davon lossprechen.
Dann gibt es die Möglichkeit eines privaten Gelübdes, das man öffentlich (in einem Gottesdienst) und vor einem Priester leistet. Von einem solchen Gelübde kann nur der Papst entbinden. Nicht nur deshalb wird vorher sehr genau mit einem Priester darüber gesprochen, der mit dem Gläubigen gemeinsam bespricht, ob das Gelübde die Grundvoraussetzungen „gut, durchdacht, freiwillig, möglich“ überhaupt erfüllt. Ist dies der Fall – nur zu!

Vor übereilten Gelübden warnt die Bibel (Spr. 20,25; Dtn. 22-24; Koh. 5,3-6) – denn in Gefahrensituationen neigt der Mensch nun einmal zu vorschnellen Versprechen. Wohlüberlegte Gelübde aber sind ein Akt der Frömmigkeit, des Dankes und der Anbetung (Ps. 61, Ps. 76,12).

Deshalb muss ein Gelübde auch nicht unbedingt etwas beinhalten, was ein leidlich sozial gestimmter Atheist verstehen kann. Selbstverständlich kann man geloben, ein Ehrenamt in einem Krankenhaus zu übernehmen oder Geld zu spenden. Aber man kann auch im Weltsinn völlig unpraktische Dinge geloben, wie die Evangelischen Räte, oder eine Wallfahrt, oder das Aufstellen einer Kerze vor einem Heiligenbild. Wieweit die anbetende Verehrung Gottes dem Nächsten nützen kann, ist Gottes Sache, und wer an Ihn nicht glaubt, sieht in Keuschheit, Wallfahrt und Kerzenlicht vor dem Marienbild keinen Nutzen.

Gelübde sind nichts für Utilitaristen. Sie sind etwas für liebende Menschen, die Gott anbeten und ehren wollen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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