Beichten heißt: Besser leben, besser sterben

Häufige ehrliche Beichte mit ernsthafter Reue ist nicht nur der Königsweg zum seligen Sterben, sondern auch dazu, die Neigung zur Sünde zu mindern, das eigene Gewissen zu schulen, kurz: besser zu leben. Wer häufig auch leichtere Sünden ehrlichen Herzens beichtet, wird merken, dass sein Bewusstsein für verkehrtes Handeln und Denken wächst und „Kleinigkeiten“ wenig Chance bekommen, sich zu größeren Lastern auszuwachsen. Dann kann einem auch ein Licht aufgehen darüber, dass irgendeine gewohnheitsmäßige Handlung gar nicht gut ist. Beichte hilft zur geistigen und geistlichen Entwicklung.

Dennoch haben Menschen, die zu wöchentlicher Beichte verpflichtet sind, über Jahrzehnte abscheuliche Sünden begangen. Ich kann mir das nur erklären, wenn ich annehme, dass ihre Beichte bewusst unehrlich war. Über Jahrzehnte! Unwissenheit darüber, dass man nicht vergewaltigen darf, oder darüber, was Zölibat bedeutet, lässt sich bei einem Priester nicht annehmen. (Was den ersten Punkt angeht, lässt sich Unwissenheit ohnehin bei kaum einem Menschen vorstellen.)

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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15 Antworten zu Beichten heißt: Besser leben, besser sterben

  1. Nepomuk schreibt:

    Sind denn Priester zu wöchentlicher Beichte verpflichtet?

    Das wäre mir neu.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich war mir da wohl allzu sicher. Tatsächlich sind sie es nicht; wöchentliche Beichte ist nur in einigen Orden Pflicht. Allerdings hat Johannes Paul II sehr für das häufige Beichten der Priester geworben.

    • Nepomuk schreibt:

      Tatsächlich würde es mich nicht wundern, wenn durchaus auch ganz einwandfrei glaubenstreue Priester, insbesondere wenn sie außerhalb von Großstädten eingesetzt werden, weniger beichten als ein handelsüblicher Laie der eifrigen Sorte (also einmal im Monat, womit ich nicht behaupten will, daß *ich* das zur Zeit hinbekomme). Bei einer Taufen, zwei Hochzeiten und einer Vorabendmesse am Samstag, dann und wann noch einer Morgenmesse, und zwei, oder doch einer, Stunde im Beichtstuhl auf der *anderen* Seite bleibt vom Samstag nicht mehr viel übrig, und wie gesagt, außerhalb von Großstädten ist Beichte in der Regel nur am Samstag.

      Es wäre etwas anderes, wenn etwa vom Dekanat aus offiziell die Priesterbeichten außerhalb der regulären Beichtzeiten *organisiert* würden, aber ist das der Fall?

      Daß Priester eifriger als Laien mit dem persönlichen Ausmachen von Beichten außerhalb der Reihe bei der Hand sind, ist natürlich möglich, ich halte es aber (außer zum Loswerden einer *tatsächlichen* schweren Sünde, die natürlich den Priester vor ein dringenderes Problem stellt als den Laien, der einfach bei der Kommunion sitzenbleiben kann und auch nur einmal in der Woche in die Messe gehen muß) für unwahrscheinlich.

  2. Nepomuk schreibt:

    Ich finde übrigens nicht, daß wir sicher sein können, daß die Beichten ungültig waren. Es ist zwar richtig, daß Unwissenheit über die Sünden und auch ihre Schwere kaum angenommen werden kann*. Aber wer sagt denn, daß die Sünden nicht ehrlich bereut und bekannt worden sind – selbst wenn sie danach wieder begangen worden sein sollten? Das können wir von außen nicht wissen. Wir wissen nur, daß die spezielle Buße „öffentliche Selbstanzeige“ nicht beschritten wurde – und in vielen Fällen auch, daß Rückfälle erfolgt sind. Rückfälle führen aber bei weniger gravierenderen Sünden, wie ich sie selber begehe (wenn die denn weniger gravierend *sind*), nicht zur Ungültigkeit der Beichte, also auch bei schwereren nicht.

    [* Obwohl in Prozeßberichten in Lokalzeitungen über priesterliche Mißbräuche schon auffällt, wie sehr da z. B. einer Wert darauf legen mag, zwar mißbraucht, aber weder Gewalt angewendet noch den Geschlechtsverkehr vollendet zu haben – für mich ein Hinweis darauf, daß er in seinem Gewissen wohl *hier* die Grenze zu den wirklich schlimmen Sachen ansetzt.]

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Natürlich ist das möglich. Aber offengestanden kann ich mir nicht vorstellen – wirklich gar nicht – daß ein Priester eine derart schwere Sünde beichtet und dann nicht allerspätestens beim zweiten Rückfall die Reißleine zieht, indem er Selbstanzeige erstattet, sich in Therapie begibt etc.

    • Nepomuk schreibt:

      Selbstanzeige, und dann Selbstanzeige wegen *so* etwas, ist, denke ich, eine sehr schwere Sache.

      Kein Beichtvater erwartete von einem Mörder die Selbstanzeige, als Mord mit dem Tode bestraft wurde; und tatsächlich gibt es Leute – zum Gutteil unliebsamer politischer Prävenienz, aber lassen wir das -, die „Todesstrafe für Kinderschänder“ fordern: ich kann nicht umhin, das im Vergleich zu der Perspektive, als öffentlich bekannter Kinderschänder nach verbüßtem Gefängnis in der Gesellschaft leben zu müssen, für eine recht *milde* Strafe zu halten.

      Auf gut deutsch, ich kann mir – bis auf seltene Fälle plötzlich hervorspringender Heiligkeit – nur vorstellen, daß sich jemand wegen so etwas selbst anzeigt, wenn der Beichtvater bis zur geschehenen Selbstanzeige die Absolution verweigert. Und dies ist – selbst bei einem Kinderschänder – eine schwere Entscheidung für einen Beichtväter, wenn die Reue und ein gewisser Vorsatz immerhin vorhanden sind – es sei denn, ein Kirchengesetz oder eine vielleicht uns nicht bekannte Anweisung würde das ausdrücklich vorschreiben.

      Therapie wäre vielleicht etwas anderes, wenn sichergestellt wäre, daß sie ebenso geheim wäre wie das Beichtgeheimnis…

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Sicher. Aber ich meine ja auch: Wenn jemand so etwas Schlimmes ehrlich beichtet, dann ist er doch klar genug im Kopf, um nach dem zweiten Rückfall zu sehen „Ich bin eine Gefahr, ich muss vor mir schützen, ich muss irgendwas tun, damit niemand mein Opfer wird“. Ganz ohne priesterlichen Rat.

      • Nepomuk schreibt:

        Und wer sagt, daß er sich – angesichts der schwerwiegenden Folgen anderweitig verständlich – irgendwie einredet und darauf herausredet, das Problem sei ja sein Willen gewesen und es komme in Zukunft nicht mehr vor?

        Tatsächlich lassen mich einzelne Teile, die von Ebf. McCarrick berichtet werden – „beten Sie für mich armen Sünder“ und so was – sogar an so etwas denken.

        Nö, wenn man von jemandem, der es gerade fertiggebracht hat, *so* etwas zu bereuen, die plötzliche Heiligkeit verlangt, sich freiwillig selbst anzuzeigen, dann wird man meist enttäuscht werden. Also muß er dazu gezwungen werden.

        (Da wir ja sowieso derzeit sehr viel herumfabulieren, was getan werden könnte:

        Wie wäre es damit, den ganzen Anwendungsbereich nicht nur von can. 1378 § 1, sondern auch 1387 und 1395 § 2 mit der Exkommunikation latae sententiae zu belegen, deren Lösung specialissimo modo dem Heiligen Stuhl vorbehalten wäre; ebenso den Versuch, und den Versuch, jemanden unbefugt von diesen Straftaten zu absolvieren, ebenso ungültig zu machen und mit derselben Exkommunikation zu belegen, wobei eine eigens eingerichtete Abteilung der Glaubenskongregation damit beauftragt würde und für die Auflösung grundsätzlich als Buße gefordert würde, die Straftat außerhalb des Beichtgeheimnisses und auch außerhalb des Forum internum schriftlich einzugestehen. Im Gegenzug würde die Kirche den Tätern zusichern, falls sie diese Eingeständnisse veröffentlicht oder der staatlichen Verfolgungsbehörde mittelt, sie dann auch nach dem Verbüßen etwaiger Gefängnisstrafen wenigstens auf Wunsch in Klosterschutzhaft zu nehmen, damit sie danach nicht mehr in der Gesellschaft leben müssen.)

  3. akinom schreibt:

    Ich will gar nicht erst versuchen, mir zu „erklären“, was da offensichtlich in Beichtstühlen passiert ist oder mit dem Finger darauf zu zeigen. Möge der Heiland auch hier auf krummen Zeilen gerade schreiben, damit wenigstens die Kirchenbesucher das große Geschenk des Sakramentes der Versöhnung wieder entdecken, Priester dazu einladen und zunächst leere Beichtstühle nicht scheuen. Das ist mein Herzensanliegen.

  4. Susann schreibt:

    Ich bin so entsetzt über das Ganze, das monströse Verhalten der Täter, das monströse Verhalten der oberen Chargen, dass ich Gefahr laufe, ganz radikal zu sagen: es funktioniert einfach nicht, die kirchliche Hierarchie ist offensichtlich ein Haufen verlogener, rückgratloser, korrupter, schmieriger Low lifes, das System der Priesterausbildung offensichtlich katastrophal, sperrt den Laden zu und versucht es noch mal von vorn!

    Das ist natürlich unglaublich ungerecht gegenüber dem großen Teil von nichtbetroffenen Priestern und Bischöfen, und ich muss mich selber am Riemen reißen, um nicht zu vergessen, dass es diesen großen Teil auch gibt.
    Trotzdem: Mißbrauchsfälle werden seit Jahrzehnten aufgedeckt, es ändert sich NICHTS. Es gibt offenbar ein systemisches Problem, das bei der Auswahl der Seminaristen beginnt („lavender mafia“, ich hör dich trapsen), beim immer noch hohen, unkritischen Vertrauen, das man Priestern offensichtlich entgegenbringt, weitergeht, und schließlich beim höllischen Versagen der Bischöfe endet.
    Ich finde es, gelinde gesagt, skandalös, wenn Bischöfe dann die Laien dazu aufrufen, zu beten und zu fasten, während sie sie sich selbst in von Rechtsanwälten abgesicherten lauwarmen Floskeln ergehen. Wir haben hier nämlich kein Versagen der Laien vorliegen, sondern letztlich ein Versagen einer hochbezahlten, privilegierten Elite, die nicht nur Einzeltäter deckte, sondern ein ganzes System, das Mißbrauch im großen Stil ermöglichte.

    Vielleicht bin ich zu zynisch, aber ich gehe nicht davon aus, dass es radikale Veränderungen geben wird. Und das tut mir im Herzen weh.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Auch ich habe Herzweh. Aber ich hoffe immer noch, daß wahr ist, was Jesus über Seine Kirche gesagt hat: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. (Auch wenn die Pforten der Hölle sich derzeit große Mühe geben.)

    • gerd schreibt:

      „sperrt den Laden zu und versucht es noch mal von vorn!“

      Die Kirche ist kein Laden. Sie ist Gottes Eigentum. Im trostreichen Rosenkranz beten wir: „Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt!“ Wir Menschen können „seinen Laden“ nicht zusperren und neu anfangen.Wir können ohne Gott gar nichts, nur in unendlich tiefe Abgründe stürzen. Ich finde den Aufschrei der Empörung berechtigt allerdings etwas verspätet, (zu spät) was das Versagen der Bischöfe und Vorgesetzten angeht. Als in den neunziger Jahren deutsche Bischöfe offen darüber nachdachten im der staatlichen Beratung für Schwangere zu bleiben und Tötungs-Lizenzen auszustellen, war der Rand am Abgrund schon überschritten. Nur Papst J.P.II. bewahrte die deutsche katholische Kirche vor dem freien Fall. Von solchen Hirten konnte man nichts mehr erwarten. Glauben wir ja nicht, wir hätten mit dem Missbrauch schon das Ende der Fahnenstange erreicht. Peter Winnemöller schreibt, dass er hier raus will. Ich fühle mich da nicht angesprochen, denn ich war nie drin.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Peter Winnemöller schreibt, daß er raus wollen will – und daß und warum er dennoch bleibt.

      • Susann schreibt:

        Soweit ich mich erinnere, steht nirgends in der Bibel, dass man unbedingt Anfangszwanziger ohne Lebenserfahrung in die Priesterausbildung aufnehmen muss. Es ist auch nicht verpflichtend, Seminare so problematisch zu gestalten, wie das von Rod Dreher und seinen diversen Lesern beschrieben wird; nirgendwo steht, dass Kardinäle unkontrolliert schalten und walten dürfen müssen; nicht mal der Zölibat der Priester lässt sich klar und direkt aus einem Wort von Jesus ableiten.
        Die Ausgestaltung der kirchlichen Hierarchie ist also Menschenwerk mit einem gewaltigen Spielraum für Reformen und Veränderungen.

  5. Herr S. schreibt:

    Bei uns in einer aus 7 Gemeinden bestehenden norddeutschen Großpfarrei in einem Abstand von max. rund 40km liegt das Beichtsakrament seit Jahren total am Boden:

    Beichte wird rein formal noch vor den samstäglichen bzw. sonntägl. Messen angeboten – aber i.d.R. muss der Priester dazu erst aus der Sakristei geholt werden, wenn er überhaupt schon da ist, weil er von außerhalb angefahren kommt.
    So geht eben allein schon deswegen kaum noch jemand zur Beichte.

    Angeboten wird vor Weihnachten und vor Ostern je ein Bußgottesdienst (pro Gemeinde?) mit anschl. Möglichkeit zur Beichte.

    Alles m.E. völlig unzureichend – eine Alternative wäre m.E. wenigstens eine monatliche Anbetungsstunde am Wochenende vor dem Tabelle in der Kirche mit gleichzeitigem Beichtangebot.

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