Die heilige katholische Kirche hat sich sehr unheilig besudelt

Schockiert, entsetzt, traurig, ratlos war und bin ich, wie viele Katholiken, über die von Priestern begangenen Verbrechen in Pennsylvania und anderswo. Ich verstehe sie aus vielen Gründen nicht. Ich kann zum Beispiel nicht nachvollziehen, dass Menschen Sex erzwingen wollen – dass sie Lust empfinden bei einer dermaßen unlustigen Sache wie Angst, Ekel, Scham und Schmerz eines anderen. Ich kann auch nicht nachvollziehen, wie Priester selbst einvernehmliche Affären über lange Zeit hin haben können und dabei ihren priesterlichen Dienst weiter ausüben. Nachvollziehen könnte ich Ausrutscher, wenn Seminaristen oder Priester mit Willen der oder auch des Beteiligten gegen das sechste Gebot verstoßen, diese so schnell begangene und so klebrige Sünde, wenn sie dann in der Beichte Gottes Vergebung suchen und in weiteren Gesprächen mit ihrem Seelsorger klären, ob Seminar oder Pfarrhaus der richtige Ort für sie ist, und wie sie ihren Sexualtrieb unter Kontrolle bekommen können. Da könnte ich sagen: Nun ja, da wurde eine Sünde begangen, das ist schlecht – sie wurde bereut und gebeichtet, das ist sehr gut, und der Schuldige, nun Freigesprochene, sucht nach Wegen, die Sünde in Zukunft zu meiden, das ist wunderbar.

Aber die fortgesetzte, bewusste, willentliche Bosheit (ja: Vergewaltigung ist Bosheit, Betrug ist Bosheit, und Vertuschung ist Bosheit) in diesem Ausmaß kann und will ich nicht verstehen.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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15 Antworten zu Die heilige katholische Kirche hat sich sehr unheilig besudelt

  1. akinom schreibt:

    Unglaublich! Keine Sünde ist zu groß, um nicht vergeben werden zu können. So schwer es fällt: Daran dürfen wir nicht zweifeln. Deshalb höre ich nicht auf, täglich für alle zu beten, die heute noch sterben werden. Ich schäme mich aber auch nicht, Pater Amorth zu verehren und ihn zu bestürmen, auch vom Himmel aus nicht aufzuhören, seines Amtes als Exorzist überall dort zu walten, wo es nötig ist. Möge er heilig gesprochen werden, damit der Welt, Priestern und Bischöfen die Augen darüber geöffnet werden, wie nötig der Exorzismus ist. „Geliebte! Was braucht die Kirche heute am dringendsten? Unsere Antwort soll euch nicht erstaunen, nicht einfältig oder geradezu abergläubisch und und unrealistisch vorkommen: Eines der größten Bedürfnisse der Kirche ist die Abwehr des Bösen, den wir den Teufel nennen.“ Das sagte Papst Paul VI. am 15. November 1972 bei einer Generalaudienz. Mögen Christus König und Maria Königin die Herrschaft nicht den Herren der Welt, den Herren der Globalisierung überlassen!

  2. Thomas Jakob schreibt:

    Ich erinnere mich, dass auch in der Vergangen mit unschöner Regelmäßigkeit Missbrauchsskandale in der Kirche bekannt geworden sind. Darf man die leise Hoffnung haben, dass bei den Ausmaßen dessen, was jetzt in den USA ans Tageslicht gekommen ist, endlich mal von oben und unten konsequent dagegen vorgegangen wird?

  3. bonum schreibt:

    Es geht nur Sekundär um „Sex“—Primär geht es um Macht ! Erforschen Sie doch mal.welche (alten) Gehirnteile da „befriedigt“ werden….Es sind die Gehirnbereiche die u.a. für SUCHT zuständig sind….Alkohol,Drogen,Sex können Süchte sein…..Was meinen Sie, warum halbnackte wie die Irren auf „Toleranzdemos“ herumhüpfen und garnicht mehr merken das sie….

  4. Susann schreibt:

    Ich empfehle in diesen Tagen die Berichterstattung, aber auch die Kommentare auf Rod Drehers Blog bei „American Conservative“. Er setzt sich ja schon seit mehr als 10 Jahren mit der Thematik auseinander. Im Kommentarbereich wird leidenschaftlich argumentiert. Gestern startete Rod den Aufruf, zu berichten, wie in den einzelnen Sonntagspredigten auf den Skandal eingegangen wurde – das ging dann von entsetzten Reaktionen der Priester bis zu Stillschweigen. Sehr interessant, da aus der Perspektive „vor Ort“ geschrieben.

  5. gerd schreibt:

    Primär geht es um die Sünde und das Bewusstsein was Sünde genau ist. Ein bekannter Berliner Bürgermeister stellt fest, dass gelebte(!) Homosexualität gut ist. Wenn sie es wäre, dann würden die Priesterseminare nichts falsch machen homosexuelle Veranlagungen ihrer Seminaristen zu fördern und zu dulden. Deutsche Bischöfe denken offen über die Segnung von homosexuellen Paaren nach, wenn es dazu kommt, dann ist das im Bewusstsein der Gläubigen keine Sünde mehr.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich glaube nicht, daß es primär um die Sicht homosexueller Akte überhaupt geht. Denn auch jener Bürgermeister (und eine ganze Menge Schwuler, die ich kennenlernen durfte) sowie alle deutschen Bischöfe sehen selbstverständlich Nötigung und Vergewaltigung als Sünde an, und zwar ganz gleichgültig, wer sie an wem begeht.
      Natürlich ist die ganze katholische Sexualmoral (und nicht nur ein Teil davon) wichtig. Aber dennoch ist es eindeutig zu kurz gedacht, wenn man sagt „Leute, die homosexuellen Sex OK finden, führen zu Vergewaltigung von Kindern“. Zu kurz gedacht und auch eine Diffamierung der meisten Homosexuellen.

      • gerd schreibt:

        Es reicht ja wenn man als katholischer Christ sagt: „Leute“ die homosexuellen Kontakte ok finden und auch praktizieren, sündigen. Eigentlich wollte ich mit meinem Kommentar nur deutlich machen, was passiert, wenn das Wissen um die Sünde verloren geht.

      • Herr S. schreibt:

        Katholische Priester sollen nicht einfach nur ehelos sondern keusch! und rein! leben – dazu haben sie sich schließlich bei ihrem Weihen erstrecken feierlich verpflichtet.

        Ihr Partner ist Gott selbst, und diese Partnerschaft müssen sie von sich aus nach Kräften pflegen (u.a. durch das intensive Gebet und andere geistliche Übungen) und eben auch Gott in der Partnerschaft unbedingt treu sein!

    • Susann schreibt:

      Der Vergleich hinkt doch – es geht doch nicht darum, ob gelebte Homosexualität an SICH gut oder schlecht ist, es geht darum, ob Priester, die sich dem Zölibat verschrieben haben, ihre sexuelle Neigung (welcher Art auch immer, sofern unter consenting adults) ausleben dürfen – klares NEIN, natürlich, und darüber, dass pädophile Verbrechen zu bestrafen sind (statt die Täter erst mal lang gewähren zu lassen und dann zu versetzen und ihre Taten zu vertuschen), brauchen wir auch nicht diskutieren.
      Im Bewußtsein der meisten Gläubigen ist gelebte Homosexualität sowieso keine Sünde, sofern es sich um consenting adults handelt. Der Zug ist abgefahren. Ich denke, auch gelebte Homosexualität von Priestern(mit consenting adults) wird genauso gesehen wie gelebte Heterosexualität von Priestern; mit einem gewissen Verständnis nämlich, oder sogar mit Sympathie und ausgesprochenem Unverständnis für die Amtskirche.
      Katholiken tun sich keinen Gefallen, wenn sie das Thema „Homosexualität“ mit dem Thema „sexueller Mißbrauch von Minderjährigen/Untergebenen“ in einen Topf werfen, dann umrühren, und dann Geräusche des Mißfallens von sich geben.
      Es MUSS einfach klar sein: die Hierarchie schützt keine Sexualstraftäter. Das muß das Thema Nummer eins sein; dafür fehlt nämlich den Gläubigen und Nichtgläubigen wirklich jegliches Verständnis.

  6. Sexualität liegt in der Natur der Menschen, Gelübde hin, Zölibat her. Die bricht sich irgendwann bahn, wenn sie auch verboten ist, besonders bei den Priestern. Das Gros der Priesterschaft besteht aus starken Persönlichkeiten, die in der Lage sind, ihre Sexualität soweit im Zaum zu halten, daß sie praktisch nicht stattfindet, oder sie eben soweit zu tarnen, daß nur der Herrgott allein das mitbekommt. Aber die wenigen, die es eben nicht schaffen, diesen Trieb komplett zu ignorieren, fallen schlimmstenfalls über alles her, was nicht bei drei auf’m Baum ist. Das trifft dann eben Ministranten, Seminarteilnehmer oder irgendwie andere Schutzbefohlene, oft Minderjährige, vielleicht auch die Hausangestellte. Und da stellt sich für mich die Frage, was primär wider die Natur ist: die Missetaten der Amts- und Würdenträger der Institution Kirche oder deren Pflicht zum Zölibat, zur sexuellen Enthaltsamkeit. Empört den Stab über solche Leute zu brechen ist die eine Seite der Medaille, auf deren anderer Seite vielleicht Lösungen gesucht werden sollten, die es in der
    ferneren Zukunft auch katholischen Geistlichen ermöglicht, zu heiraten, Familien zu gründen, Kinder zu haben. Papst Franziskus hat in jüngster Zeit schon viel bewegt, vielleicht kriegt er ja sogar das noch „auf die Kette“, möge der Ewige ihm noch eine lange, segenbringende Amtszeit bei guter Gesundheit schenken!
    Lieben Gruß vom alten, grauen Wolf aus dem Land am Meer.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich sehe das anders. Etwas so Grausiges wie Vergewaltigung ist so wesentlich anders als eine sich irgendwie Bahn brechende Sexualität, es ist ein böses Machtspiel und hat m.E. mit ganz anderen Sachen zu tun als mit dem natürlich vorhandenen sexuellen Begehren bzw. dem mißlingenden Verzicht darauf.

  7. gerd schreibt:

    @Wolfgang aus Greifswald

    Sie schreiben: „Die bricht sich irgendwann bahn, wenn sie auch verboten ist, besonders bei den Priestern.“ Beim Zölibat geht es nicht um ein Verbot von Sexualität sondern um Verzicht. Die Kirche hat es immer so gesehen, dass nur Männer zu Priestern geweiht werden, die ebenso gut auch eine Familie gründen könnten.

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