Edmund Bojanowski: Laie und Ordensgründer

Heute gedenkt die Kirche des Seligen Edmund Bojanowski (1814-1871), eines außerhalb von Polen leider recht unbekannten Mannes. Er war von Hause aus adlig und wohlhabend, dichterisch begabt und hochgebildet. Schon früh äußerte er den Wunsch, Priester zu werden. Wegen einer schweren Lungenkrankheit mußte er das Studium an der Humboldt-Universität in Berlin abbrechen, ging zurück nach Polen und ersuchte um Aufnahme in ein Priesterseminar – aber er wurde abgelehnt wegen seiner schwachen Gesundheit.
Er nahm großen Anteil an der Not der armen polnischen Landbevölkerung, besonders der Cholerawaisen, gründete ein Waisen- und ein Krankenhaus, erstellte ein modernes Erziehungsprogramm (zu dem gehörte, daß die Kinder niemals geschlagen wurden) und half, wo er konnte. Hierzu gründete er die Kongregation der Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis, deren Mitglieder sich mit Kinder- und Krankenpflege befassten und vor allem für die Ausbildung der Kinder auf dem Lande sorgten. Das Besondere und zunächst äußerst skeptisch Beäugte an dieser Kongregation war, daß die Mägde Mariens ihr Geld selbst erwirtschafteten, aber nicht innerhalb eines Klosters, sondern eigenständig als ganz reale Mägde von Gutsbesitzern. Die bischöfliche Genehmigung der Ordensgemeinschaft (1866) durfte Bojanowski noch erleben, die päpstliche Approbation erfolgte erst 1931.

Ich darf die Mägde Mariens der Niederlassung in Wilhelmshorst nahe Potsdam meine Freundinnen nennen.

Melodie: GL 438

In der Seuche Schreckenstagen
Gab er Kranken Trost und Mut,
Half das Sterben zu ertragen,
Traute Gott, dem höchsten Gut.

Da geschwunden alte Sitte
Und der Glaube war verweht,
Wies er neu auf Ziel und Mitte,
Auf den Herrn und das Gebet.

Da die Krankheit ihm verwehrte
Priestertum und Ordenskleid,
Horchte er, was Gott begehrte:
Spüre du der Armen Leid!

Sei ein Lehrer für die Kleinen,
Schule Glauben und Verstand,
Lehre Liebe zum Dreieinen,
Liebe auch zum schönen Land.

Aus dem Kreise junger Frauen
Rief zum neuen Dienst er drei:
Helft, an Christi Reich zu bauen,
Als Mariens Mägde frei!

Die Gemeinschaft wuchs und blühte
Vor der Mutter unsers Herrn,
Doch auch Neid und Feindschaft glühte,
Und Verleumdung war nicht fern.

Endlich, trotz der Widrigkeiten,
War der Orden anerkannt.
Mägde lehren, pflegen, leiten
Und erschließen neues Land!

Kleiner Mägde frohe Mienen
Liebevolles Zeichen sind:
Mägde, die Maria dienen,
Dienen auch dem Jesuskind.

Sel’ger Edmund, Ordensgründer,
Lass der Mägde Werk gedeihn!
Lass die Herzen, Hände, Münder
Gottes Schutz befohlen sein.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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