Gaudete! Freut euch!

Heute ist der dritte Sonntag im Advent,  der Sonntag Gaudete (zu Deutsch: Freut euch).  Die liturgische Farbe ist Rosa (das Violett der adventlichen Bußzeit ist aufgehellt, weil das Licht der Weihnacht schon am Horizont zu sehen ist – Gleiches geschieht mitten in der österlichen Bußzeit am Sonntag Laetare. Und Laetare heißt ebenfalls „Freut euch“.) Die Kirche hat rosa Männerkleider seit 1582, nimm das, CSD!

Freut euch – inmitten von Schreckensnachrichten von Kriegen, Terror und viel zu frühen Todesfällen? Wie soll ich „Gaudete!“ sagen zu Menschen, die gerade ein Kind verloren haben,  die gerade verlassen wurden, deren größte Freude gerade im Auffinden einer Notunterkunft oder zwei Euro Almosen besteht?

Ich sage es selbstverständlich zu diesen Menschen gar nicht. Ich mache mir nur bewusst, dass es in allem Schrecken dieser Welt einen Grund zur Freude gibt, und ich versuche,  diese Freude weiterzugeben.

Klingt das hilflos? Ja ganz recht, so fühlt es sich auch an. Ich sitze hier im Warmen und habe übergenug zum Leben, und unzählige Menschen frieren, hungern, sind auf der Flucht oder harren aus in menschenunwürdigen Verhältnissen. Und ich kann nur ab und zu dem einen oder anderen zwei Euro und ein freundliches Wort geben, und oft nicht einmal das.

Und trotzdem – „Freut euch!“ – sind alle mitten in diesem Chaos zur Freude berufen. Und trotzdem gibt es Momente der Freude mitten in schrecklichen Zeiten. Ich verstehe dies „Freut euch“ nicht als Befehl (man kann Gefühle nicht befehlen), sondern als eine Zusicherung: Da kommt jemand auf uns zu, der ist größer als Trauer, Entsetzen und Verzweiflung, der bringt die endgültige, unvergängliche, tiefe Freude. An Ihn will ich mich halten, und Ihn bitte ich um die Gnade,  dass man mir das anmerkt.

Das heißt nicht,  dass ich mit zwanghaftem Dauergrinsen durch die Gegend gehe und empathielos gegenüber Trauernden und Verzweifelten bin. Aber eine innere Disposition zur Freude kann ich pflegen,  indem ich auf Gottes frohe Botschaft höre, so gut ich kann. Dann klappt’s auch mit der Empathie.

Janz schlicht: Ick freu mir.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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