Geht die Kirche unter?

Ich nehme seit langem fast täglich wahr, daß viele (sicher nicht alle!) engagierte Katholiken der traditionellen Art den baldigen Untergang der Kirche verkünden. Als Gründe werden mangelnde Frömmigkeit, mangelndes Wissen um die Inhalte des katholischen Glaubens sowie die seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil erlaubten Messformulare genannt. Manchmal auch der Papst, die Freimaurer, der Kommunismus und die Jesuiten. Und natürlich alles, was die Nörgler sonst noch ganz schlimm finden.

Interessant ist dabei, daß die Untergangsvisionäre sich selbst nie zu den Leuten zählen, die die Kirche in den Abgrund reißen. Sie haben ja gründliche Katechese genossen, sind fromm und ordentlich, gehen zur Tridentinischen Messe und bilden damit den heiligen Rest der wahren Gläubigen.

Nur daß die Kirche, Jesu Gründung und Braut Christi, nach Seinem Wort unbesiegbar ist, sehen diese eifrigen Pessimisten nicht. Oder daß der Papst auch dann Papst bleibt, wenn er einem nicht passt. Oder daß die Feindseligkeit gegenüber den Jesuiten ein bürgerlich-protestantisches Relikt aus dem (eigentlich noch nicht beendeten) Kulturkampf ist. Oder daß es lächerlich ist, irgendeine Ideologie oder Religion als ernsthafte Bedrohung des Christentums anzusehen. Oder daß die Tridentinische Messe haargenau das Gleiche tut und bewirkt (vielmehr von Gott tun und bewirken lässt) wie die Messe in ordentlicher Form.

Meine Leser wissen, daß ich liturgische Missbräuche nicht mag und romferne und mit Sicherheit häretische Sonderwege in der katholischen Kirche mit einer Mischung aus Zorn, Trauer und Spott beobachte (welche Gefühlslage überwiegt, hängt von meiner Tagesform und von der Lautstärke der Häretiker ab). Auch ich sehe, daß es zu viel schlechte und zu wenig gute Katechese gibt und daß zahlreiche Christen die Grundlagen ihres Glaubens nicht mehr kennen. (Auf diesem Blog versuche ich auch. Wissen zu vermitteln.) Aber ich vertraue auf den Herrn, der versprochen hat, daß Seine Kirche nicht untergeht.

Übrigens halte ich die Entschlüsse des Vat. II für richtig, den derzeitigen Papst sowie überhaupt die überwiegende Mehrheit der Päpste für legitim (zur Orientierung kann die Liste der Päpste dienen), die meisten Priester für anständige und fromme Menschen, die meisten Menschen, die dem Synodalen Weg folgen, für gutgläubig, aber schiefgewickelt, prozentual nur wenige Menschen für rundheraus böse (schlimm genug in absoluten Zahlen!), alle, mich eingeschlossen, für Sünder und keinen für ungeliebt von Gott. Gott hat uns die Kirche geschenkt, weil wir Sünder sind und sie daher brauchen. Er hat sie ewig gemacht, weil wir auch nach dieser Zeit, wenn wir hoffentlich ganz bei Ihm und damit ohne Sünde sind, Ihn als Gemeinde preisen werden. Ob die in der Offenbarung des Johannes beschriebene goldene Stadt mit zwölf Toren wirklich so aussieht oder ganz anders, wird sich zeigen. Sicher ist, daß sie über alles Erwarten schön sein wird. Und ewig.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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9 Responses to Geht die Kirche unter?

  1. Avatar von Nepomuk Nepomuk sagt:

    Möglicherweise vor einer ausführlicheren Antwort:

    Man braucht sich ja in der Kirche nicht unbedingt gegenseitig sympathisch sein.

    Aber in einer Zeit, in der ein jesuitischer Papst mit dem tridentischen Ritus das relativ genau Selbe zu tun versucht wie Papst Clemens XIV. mit den Jesuiten, aber ohne dessen Entschuldigung eines (diesbezüglichen) Drucks der säkularen Mächte, kommt der Hinweis, daß „die Tridentinische Messe haargenau das Gleiche tut und bewirkt (vielmehr von Gott tun und bewirken lässt) wie die Messe in ordentlicher Form“, der nicht einmal stimmt*, etwas… problematisch. Sagen wir: Das hat etwas davon, sich auf die Seite der Macht zu stellen. Man stelle sich das mal in einem Schulhof vor.

    Und so sehr die Feindseligkeit gegenüber den Jesuiten, über das normalkatholische und nicht zu beanstandende Ordenseigenartengewitzel („die Jesuiten haben *einen* Menschen bekehrt – aber das war der Häuptling“…), derzeit tatsächlich verkehrte Züge annimmt, wo einige sogar soweit gehen jetzt dieses unsägliche Dekret von 1776 für gut zu befinden… an und für sich sehr falsch, klar, aber macht man sich gleich zum Gesinnungsgenossen des bürgerlich-protestantischen Antikatholizismus, wenn man bei der Kritik allerdings späterer Entwicklungen des Jesuitenordens – und der gibt dazu durchaus Anlaß, auch wenn er, was ich zufällig weiß und nicht bloß zur Abdämpfung der Kritik hier einbaue, nach wie vor sehr viel Gutes tut – sich gelegentlich mehr oder weniger versehentlich, weil das nunmal so herumschwirrt, in das Phrasenreservoir von dessen Jesuitenkritik greift?

    Und ich möchte dann aber schonmal wissen, wieviele der Leute, die Du mit Deiner Kritik meinst, *formell bestreiten*, daß der Herrgott *irgendwie* für das Überleben der Kirche sorgen wird. Das ist ja bekannt, daß Er das tun wird. Daraus folgt aber nicht unbedingt, daß die mißmutigen Gesichter (vom Gesichtspunkt „eigentlich sollten sich die freuen, die gewürdigt werden leiden zu dürfen“ einmal abgesehen) lediglich aus Unglauben aufgesetzt würden.

    [* Identisch ist das Opus operatum des Sakraments. Bekanntlich aber ist die Messe mehr als das; und auch über die oft zitierten Geschichten wie die Auswirkung des Ritus auf die Empfänglichkeit für die Gnade usw. mal abgesehen: kein Mensch kann behaupten, es würde irgendeinen Unterschied für das Zustandekommen eines Sakraments machen, ob das Gebet „Placeat tibi“, „Möge Dir, hl. Dreifaltigkeit, das Opfer wohlgefällig sein, das ich Dir dargebracht habe“, danach gebetet wird. Aber ist es vor Gott vollkommen irrelevant, ob ein Gebet gesprochen oder nicht gesprochen wird?]

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    • Avatar von Hans-Jürgen Caspar Hans-Jürgen Caspar sagt:

      Der Abschnitt „Und so sehr die Feindseligkeit …“ erinnert mich an Kants Schachtel- und Bandwurmsatz: „Ohne hier mit der natürlichen Vernunft …“ in https://www.projekt-gutenberg.org/kant/krvb/krvb107.html , neunter Absatz. Einen klaren Sinn kann ich beiden nicht ab gewinnen.

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      • Avatar von Nepomuk Nepomuk sagt:

        Wieso, ist doch bei beidem durchaus sehr zu verstehen.

        Aber klar: Ich spendiere Ihnen vor dem ersten Komma noch ein „hinaus“ (also „über … hinaus“), dann ist es noch verständlicher. Und ein „an und für sich *ist das* sehr falsch“.

        Dafür, dass ich das „hinaus“ im Eifer des Gefechts vergessen habe, bitte ich um Entschuldigung.

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  2. Avatar von akinom akinom sagt:

    Dazu nur 2 Gedanken:

    Mein größter Wunsch war immer bei Pater Pio beichten zu dürfen, der die Gabe der Seelenschau hatte. Ich sehe nämlich mangelnde Schulderkenntnis als meine größte Sünde an.

    Als Geschenk sehe ich es an, dass ich aufgrund meines riesigen Hörschadens genau beobachte, wie der Priester zelebriert.

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  3. Avatar von Herr S. Herr S. sagt:

    Die Zusage des HERRN aus Mt 16,18 trifft SICHER zu, allerdings ist damit nicht gesagt, dass die röm.kath. Kirche nicht doch in manchen Weltgegenden – z.B. hier in Deutschland oder gar Westeuropa – ganz erheblich abnehmen und gar bis auf einen kleinen Rest schrumpfen könnte.

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  4. Avatar von Herr S. Herr S. sagt:

    Oder es kommt vorher „der HERR in Glanz und Herrlichkeit …“

    Übrigens bleibt SEINE Kirche stark und wird immer noch stärker,wenn wir zur irdischen Streitereien Kirche noch die jenseitigen Mitglieder der leidenden (Fegfeuer) und der glorreichen Kirche (Himmel) hinzu rechnen.

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  5. Avatar von Herr S. Herr S. sagt:

    „streitenden“ nicht „Streitereien“

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