Technische Errungenschaft aus Pavoralia

Der Nationale Technikpreis wird im Kleinstaat Parovalia jährlich im Oktober vergeben. Diesmal bekam ihn der 24jährige Student der Ingenieurswissenschaften Bastian Eller für das Wifüsti.

Hier Herrn Ellers Beschreibung:

Das Wifüsti ist ein an jedes Baby individuell anpassbares Gerät, das vermittels Geruchs- und Lärmsensoren „weiß“, wann das Kind eine frische Windel braucht, gefüttert oder gestillt werden muss. Er besteht aus drei Teilen. Der Wifüsti-Gurt, ein ultraleichter, hautfreundlicher und atmungsaktiver Sensorengürtel, wird dem Kind angelegt. Mit diesem wird es ins Kinderbett gelegt. An das Kinderbett wird mit einer Clipvorrichtung die Wifüsti-Muschel angebracht, eine Schale mit ausfahrbaren absolut kindersicheren und berührungsfreundlichen Armen. Die Arme sind mit einem Kunststoff überzogen, der sie Frauenarmen hinsichtlich Berührung und Geruch sehr ähnlich macht. Sie sind in verschiedenen Hautfarben erhältlich. Unter dem Bett steht der Wifüsti-Eimer mit automatisch auf- und zugehendem blick- und geruchsdichten Schiebedeckel. In die Schale integriert sind Abteilungen mit Windeln, Feuchttüchern, Babynahrung und Fläschchen.

Der Prototyp ist leider noch nicht fähig, dem Kind einen Strampler anzuziehen; er kann aber zudecken. Hierfür gibt es je nach Raumtemperatur verschieden stark wärmende, ultraleichte und atmungsaktive Decken.

Das Wifüsti wurde an hundert Versuchspersonen vier Wochen lang täglich zwischen sechs und zehn Stunden getestet. Fünfzig davon waren Kinder alleinerziehender Mütter, bei den anderen fünfzig arbeiteten beide Eltern. Alle Eltern gaben an, das Kind sei vollkommen ruhig gewesen, als sie nach Hause kamen. Ärztliche Untersuchungen ergaben keine Auffälligkeiten an den getesteten Kindern.

Aus der Laudatio der Ministerin für Familie, Jugend und Sprot, Frau Mimosa Streng:

Endlich eine praktikable Möglichkeit, Arbeit und Kinder vollkommen zu vereinen! Besonders für Frauen ist dies ein wichtiger Schritt zur Freiheit. Ich werde mich dafür einsetzen, für Alleinerziehende und Eltern in prekären Situationen Finanzierungshilfen für das Wifüsti bereitzustellen.

Aus einer Glosse der katholischen Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Martha Jukunda:

Na toll. Nachdem es sich nicht als praktikabel erwiesen hat, einfach alle Kinder von Leuten, die keine reichen Erben sind, vorgeburtlich zu beseitigen, hat man jetzt einen Weg gefunden, daß die armen, armen Arbeitgeber dennoch nicht auf ihre Lohnknechte verzichten müssen.

Clemens Fortis, Vorsitzender der Lebensrechtsbewegung „Vivat Vita”, rief auf „Maria TV“ sowohl Eltern als auch Babysitting-Willige eindringlich dazu auf, sich in der spendenbasierten Babysitter-Agentur dieser Bewegung zu melden. Er brach den Appell abrupt ab mit den Worten „Und jetzt entschuldigen Sie mich, die Kleine weint und meine Frau ist einkaufen. Die Nummer ist eingeblendet. Schsch, Engelchen, Papa kommt ja.“

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Technische Errungenschaft aus Pavoralia

  1. das Mariechen schreibt:

    Gab es da nicht das grauenhafte Menschen-Experiment des Kaisers Friedrich, der herausfinden wollte, was die „natürliche“ Sprache des Menschen sei? Der Waisenkinder ohne Zuwendung, nur mit „satt und sauber“ auchwachsen lassen wollte? Keines der Kinder hat überlebt. Ah – Suchmaschine hilft: https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspar-Hauser-Versuch

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  2. Rita Carola Repplinger schreibt:

    Ich kann kaum glauben, dass das ernst gemeint ist? Ich habe auch sofort an den grausamen Versuch von Friedrich II gedacht, der Babies durch Entzug mütterlicher Liebe krepieren ließ. Das ist ja noch schlimmer als die Roboter, die im Altersheim den Menschen zur Unterhaltung und für kleine Dienste ( Getränk, Zeitschrift reichen) vorgesetzt werden sollen, was in Japan hier und da schon üblich ist. Auch gibt es Roboter, die in Krankenhäusern Leute zu ersten Gehversuchen nach Beinoperationen animieren sollen ( neulich im Fernsehen gesehen, Patient auf Krücken hält seinen Chip hin und der Roboter läuft im Gang vor, nimmt gleichzeitig per Video das Laufverhalten des Patienten auf, kommentiert es und “ lobt“ ( wer will schon von einem Roboter gelobt werden?)
    Blöd ist, was im Filmchen auch gezeigt wurde, wenn dem Robot jemand oder etwas ( der Eimer der ahnungslosen Putzfee, die sich gerade mit einem Patienten menschlich unterhält) im Weg steht, dann muss er nämlich eine Kurve machen und der Hüftoperierte auch… was zu einer weiteren OP führen kann und wieder Einnahmen sichert…Vielleicht ist dies Programm?

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Liebe Rita, nicht umsonst ist der Beitrag mit „Satire“ getaggt.
      Auch ist unter den Tags (Stichworten) „Neues aus Pavoralia“. Wenn Sie das anklicken, finden Sie alle meine Beiträge über den „Kleinstaat Pavoralia“ – den es glücklicherweise nur in meiner Phantasie gibt.
      Allerdings befürchte ich, meine Satire ist nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernt.

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