Herzen

„Ich brauche keine Kirche, weil ich Jesus in der Natur finden und ansprechen kann!“

So oder ähnlich liest man es immer wieder.

Ich bin in der Kirche, weil Gott mich vorzeiten in der Natur angesprochen hat – und zwar ohne daß ich danach gefragt oder auch nur damit gerechnet hätte. Also der, der einst zu Petrus sagte: „Du bist der Fels, und auf diesen Felsen baue ich Meine Kirche.“ Er sagte zu Petrus nicht: „… Meinen Wald.“ Denn der war ja schon geschaffen. Und Er sagte zu mir nicht: „Du hast vollkommen recht.“ Sondern Er machte mir klar, daß Er recht hat, nicht ich.

Natürlich kann man überall, auch im Wald, in der Wüste, in den Bergen und im Stadtpark, beten. (Übrigens auch an weniger romantischen Orten, z.B. im Großmarkt, auf der Autobahn, im Arbeitsamt. Das sagt nur keiner, der einem gerade klarmachen will, das Gebet im Walde sei ausreichend.) Man darf auch überall damit rechnen, eine Antwort zu bekommen. Leider muss man auch überall damit rechnen, daß ein anderer als Gott antwortet. Das muss nicht gleich der Satan sein (kann allerdings); öfter ist es das eigene Herz.

Aber es heißt doch „Hör auf dein Herz“! – Noch so ein schlechter Ratschlag, der sehr oft gerade von der Fraktion kommt, die ausschließlich im Grünen betet. Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. Wer kann es ergründen? heißt es bei Jeremia – vielleicht ein bißchen pessimistisch, aber im Grunde richtig. Wer hat sich nicht schon mal zu seinem eigenen Schaden so richtig fett selbst betrogen, weil er auf sein in dem Augenblick sehr dummes, gieriges und besserwisserisches Herz gehört hat? Gefängnisse und Entzugskliniken sind voll mit Menschen, die in einem ungünstigen Moment auf ihr Herz und nichts anderes hörten. Mein eigenes Herz ist vielleicht nicht immer arglistig, aber jedenfalls handfest bescheuert. Ohne Gottes Weisung rennt es in die Irre.

Deshalb ist es gut, sich an die zwei Herzen zu wenden, die keinerlei schädliche Neigungen haben – das Herz Jesu und das Herz Mariä. Deshalb ist es sinnvoll, das ganze Erzbistum Berlin mit seiner großen, tendenziell arglistigen, unverbesserlichen und unergründlichen Hammelherde (zu der ich zähle) dem Herzen Jesu und dem Herzen Mariä zu weihen. Das wird unser Erzbischof am 15. August tun. Bereiten wir uns betend und meditierend darauf vor. Dann tut Gott, was wir selbst nicht können: Er verbessert unsere Herzen. Er allein kann das.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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Eine Antwort zu Herzen

  1. akinom schreibt:

    Ich glaube nicht, dass die Insassen von Entzugskliniken und Gefängnissen auf ihr Herz gehört haben. Herz hat immer mit Liebe zu tun. Allerdings bedarf es der Herzensbildung, „Bilde mein Herz nach Deinem Herzen!“ beten wir.

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