Der Synodale Weg fragt, ich antworte

Vorab: Ich habe eine Weile überlegt, ob ich auf die Suggestivfragen des Synodalen Weges – also der Deutschen Bischofskonferenz in Komplizenschaft mit dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken – wirklich antworten soll. Zwingt mich ja keiner.

Aber dann dachte ich: Wenn Ihr vom DBK und ZdK die Katholiken in Deutschland fragt, dann lebt damit, wenn die antworten. Und zwar katholisch.

1. Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag

Frage 1: Welche konkreten Erfahrungen von Macht und Ohnmacht haben Sie in der Kirche gemacht und was muss Ihrer Meinung nach in der Kirche verändert werden, damit der Umgang mit Macht besser kontrolliert und Machtmissbrauch verhindert werden kann?

Macht (positiv):
Die katholische Kirche hat von Gott die Macht erhalten, Sakramente zu spenden. Das ist meine tägliche wundervolle Erfahrung.

Macht (negativ):
Frauen der Initiative Maria 2.0 stören Gottesdienste, benutzen Kirchen, um dort Vorträge gegen die katholische Lehre zu halten und häretische gottesdienstähnliche Veranstaltungen abzuhalten.

Gegen Machtmißbrauch in der Kirche hilft:
Solide, lehramtstreue Katechese für alle Altersgruppen
Messen, die sich nach dem Messformular richten
lehramtstreue Predigten
häufige Eucharistische Anbetung
häufiges Rosenkranzgebet
Unterstützung von Gebetskreisen
gute, lehramtstreue Ausbildung von Priestern
genaue Prüfung der Kandidaten für das Priesteramt besonders auf geistige (auch sexuelle) Reife und Ausschluss aller Kandidaten, die diese Reife nicht haben

Frage 2: Wie können mehr Menschen aktiv an den Aufgaben und Entscheidungen in der Kirche beteiligt werden?

Priester und Laien müssen lernen, daß es eigentlich gar kein „Ehrenamt“ gibt in der Kirche, sondern daß sich jeder Gläubige so gut er kann einzubringen hat – ob es durch Putz- oder Bürodienst ist, durch Katechese oder Kuchenbacken, durch liturgischen Gesang oder Organisation von Wallfahrten oder was immer. Hierbei ist (besonders bei der Katechese) darauf zu achten, daß alle genau das tun, was sie können (und nicht, was sie eben nicht können). Der Pfarrer sollte Klüngelbildung möglichst entgegensteuern, sonst entstehen Grüppchen, in die kein Außenstehender mehr hereinkommt.

Andererseits sollen alle Gemeindeglieder (Priester, Diakone und Laien) untereinander Netzwerke bilden, in denen jeder Vorschläge machen und sich einbringen kann, so daß eine Art „katholisches Dorf“ entsteht. Eine Gemeinde sollte selbständig imstande sein, eine christliche Bibliothek, eine Reparaturwerkstatt, eine Suppenküche und mehrere Treffen bestimmter Interessengruppen (Eltern von Kleinkindern, Computerfreaks, Bibelkreise, Interessen- und Helfergruppen für alle möglichen Belange…) zu bilden.

Wer neu in eine Gemeinde kommt, sollte ihr im Sonntagsgottesdienst vorgestellt werden. Beim anschließenden Kaffeetrinken muss unbedingt vermieden werden, daß alle so sitzen wie immer (und der Neue außen vor).

Frage 3: Wie können wir im Sinne von Papst Franziskus als Kirche in Deutschland überzeugender eine dienende Kirche sein?

Es geht darum, zu dienen – und zwar zuallererst Gott und dann dem Nächsten und der Kirche. Hierzu ist in Deutschland ein Abbau der bürokratischen Strukturen sinnvoll, aber noch wichtiger ein Aufbau der Katechese, Neuevangelisation, Bildung von den unter Frage 2 beschriebenen „katholischen Dörfern“.

Natürlich ist Organisation nicht per se falsch, im Gegenteil trägt gute Organisation zum Gelingen bei. Aber wo jeder einzelne Schritt durchorganisiert wird (also z.B. in Deutschland), wird jede Spontaneität erstickt. Das ist böse und hat zu unterbleiben.

Priester: Lebt überzeugend priesterlich und ruft die Gemeinde immer wieder zum sinnvollen und christlichen Handeln auf. Lasst zu, daß Gemeindeglieder eigene Ideen einbringen, auf die Ihr nicht gekommen wärt. Lasst aber nicht zu, daß sich häretische Klüngel in der Gemeinde bilden. Werft Maria 2.0 raus. Unterstützt die Rosenkranzbeter ebenso wie die Charismatischen Gottesdienste, die Wallfahrer ebenso wie die Bibelstudiengruppen, die Suppenküchen und Kleiderkammern ebenso wie die Firmgruppen und die Erwachsenenkatechese. Holt Euch fähige Laien mit ins Boot, aber bleibt Kapitäne.

Bei alldem geht es mir, bei allem schuldigen Respekt vor Seiner Heiligkeit, vielmehr darum, im Sinne von Jesus Christus zu dienen.

2. Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft

Frage 1: Welche Erfahrungen haben Sie diesbezüglich gemacht, welche Erkenntnisse oder Überzeugungen persönlich gewonnen?

Wenn ich frühzeitig von der katholischen Sexuallehre erfahren und mich daran gehalten hätte, wäre mir selbst viel Herzeleid erspart geblieben, und ich hätte anderen weniger Leid zugefügt.

Die katholische Sexuallehre ist nicht revisionsbedürftig – sie ist hervorragend.

Frage 2: Wie kann die Kirche Ihrer Meinung nach das Evangelium von der Liebe Gottes in unserer Zeit überzeugender verkünden?

Da frage ich mich zuerst, was diese Frage unter der Überschrift „Sexualität und Partnerschaft” zu suchen hat. Selbstverständlich berühren Jesus Christus und kirchliche Lehre alle Bereiche des Lebens, also auch Sexualität und Partnerschaft. Aber unter dieser Überschrift etwas über „das Evangelium von der Liebe Gottes” wissen zu wollen, erinnert stark an eine Sekte der 70er Jahre, die „Children of God”.

Die Kirche hat zu verkünden, was sie lehrt – und das ist hinsichtlich des Umgangs mit Sexualität sehr klar. Wer sich von dieser Lehre entfernt, entfernt sich von der Kirche – und von Jesus. Für den Rückweg empfiehlt sich der Besuch eines Beichtstuhls.

Frage 3: Was ist Ihnen wichtig in der Sexuallehre der Kirche und was müsste dringend verändert werden?

Wichtig ist mir, daß sie freimütig verkündet und erklärt wird, und daß sie befolgt wird. Verändert werden muss da bittschön gar nichts.

3. Priesterliche Existenz heute

Frage 1: Was zeichnet Ihrer Auffassung nach einen authentischen Priester heute aus, welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte er besitzen?

Er muss Jesus Christus von ganzem Herzen lieben, seiner Berufung treu sein, freudig und rite et recte die Messe feiern, der Gemeinde ein guter Hirte sein. Er soll das Stundengebet pflegen, häufig beichten, viel in Bibel und geistlicher Literatur lesen. Er muss erkennen lassen, daß er der väterliche Hausherr der Gemeinde ist, aber kein Herrscher. Er soll die Ministranten so ausbilden, daß sie wissen, was sie tun und warum, und er soll Kindern und Erwachsenen zeitweise (z.B. in Kinderfreizeiten, auf Pilgerfahrten) ein geduldiger und fähiger Katechet sein.
Er soll sich seiner eigenen Schwächen bewußt sein und im Bedarfsfall Hilfe suchen (d.h. in jedem Bedarfsfall, ob es um die Organisation einer Wallfahrt geht oder um irgendeinen anderen kirchlichen Dienst oder ob er in gesundheitlichen Belangen Hilfe braucht). Das hat mit Demut zu tun. Er soll freundlich sein, und ist er es mal nicht, soll er Manns genug sein, um Verzeihung zu bitten.
Er soll sich nicht verbiegen, soll seine eigene Persönlichkeit haben – aber wie jeder Christ auch an ihr arbeiten oder besser: Christus arbeiten lassen.

Frage 2: Wie kann ein authentischer Priester mitten in der Welt von heute in der Nachfolge Jesu leben, welche Lebensform halten Sie für den Priester heute für angemessen?

Er muss Jesus Christus von ganzem Herzen lieben, seiner Berufung treu sein, freudig und rite et recte die Messe feiern, der Gemeinde ein guter Hirte sein. Er soll das Stundengebet pflegen, häufig beichten, viel in Bibel und geistlicher Literatur lesen.

(Ja, ich wiederhole mich. Man kann es kaum oft genug sagen.)

Frage 3: Was müssen wir in der Kirche tun oder verändern, damit es mehr Berufungen gibt und der Dienst des Priesters attraktiver für junge Menschen wird?

Wir müssen frömmer werden, mehr um Priesterberufungen beten, und wir müssen die Gemeindepfarrer nach Kräften unterstützen. Wenn wir Freude am Christentum zeigen, kann das auch nur hilfreich sein. Ebenso ist es sinnvoll, Kindern und Jugendlichen zu sagen, was die eigentlichen Aufgaben des priesterlichen Dienstes sind, warum Gott hierzu nur Männer beruft und warum das keine Herabsetzung von irgendjemandem ist.
Die Bischöfe haben dafür zu sorgen, daß die Priester ihrer Diözese nicht zu Managern werden, sondern im wesentlichen priesterliche Aufgaben erfüllen.

4. Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche

Frage 1: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Kirche?

Da sind zunächst die ganz klassischen Berufungen: Ehefrau und Mutter, Ordensfrau, Geweihte Jungfrau, Eremitin. In diesem Rahmen sowie bei alleinstehenden Frauen, die nicht zu einem der letzten Stände berufen sind, gibt es natürlich unzählige Berufungen zu einer bestimmten Tätigkeit in der Welt und / oder Kirche.
Ich selbst lebe in einem privaten Gelübde nach den evangelischen Räten, habe mich zu täglicher Messfeier, täglicher Anbetung und häufiger Beichte verpflichtet. Außerdem – außerhalb dieses Gelübdes – diene ich Gott als Lektorin und Schriftstellerin sowie als Putzfrau und natürlich situationsbedingt, wo sich mir gerade eine Möglichkeit zeigt.

Die Bibel rät mehrfach zu Gelübden. Jeder Mensch ist berufen, Gott auf die Weise zu dienen, die diesem besonderen Menschen entspricht.

Der Königsweg, zu seiner Berufung zu finden, ist bei Frauen nicht anders als bei Männern das hörende Gebet. Allerdings kann Gott sich auch auf umwerfend überraschende Weise in unser Leben einmischen. Wer nicht völlig in seiner eigenen Nabelschau gefangen ist, kann Ihn hören.

Selbstverständlich gibt es spezifisch weibliche Arten der Nachfolge. Insgesamt gibt es vermutlich mehr Frauen als Männer, die ganz in dienenden und sozialen Berufen aufgehen. Es gibt einige Berufungen, die eine Frau nicht haben kann (Diakon und Priester), und einige, die ein Mann nicht haben kann (Geweihte Jungfrau – dazu gibt es kein männliches Gegenstück – und Mutter). Im übrigen gibt es so viele Berufungen wie Menschen, es findet nur leider bei weitem nicht jeder die seine. Eine von mir geschätzte Kollegin ist Autorin von Thrillern mit katholischen Helden, und sie ist Mutter – zwei Berufungen, die sie hervorragend kombiniert.

Meines Wissens ist übrigens niemand auf der Welt, gleich ob Mann oder Frau, zum Häretiker oder zum Langweiler berufen. So etwas tut Gott nicht.

Frage 2: Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen (können)?

Die Frage scheint zu implizieren, daß das nötig wäre. Davon bin ich nicht überzeugt.

Wenn ich wüsste, was sich ändern müsste, damit mehr Frauen Leitungspositionen in der Kirche übernehmen, würde ich zunächst um Erkenntnis beten und dann möglicherweise viel tun, damit genau dies Etwas sich nicht ändert.

Frage 3: Wie müsste das Miteinander von Frauen und Männern in der Kirche gestaltet sein, damit wir in unserer Zeit glaubwürdig das Evangelium verkünden können?

Wenn Männer und Frauen gleichermaßen katholisch, lehramtstreu und bereit sind, einander zu respektieren, dann klappt das schon. Da ist allerdings noch viel Luft nach oben, und zwar bei Männern und Frauen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter HÄRETISCHES, KATHOLONIEN abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Der Synodale Weg fragt, ich antworte

  1. akinom schreibt:

    Zusammenfassend möchte ich sagen: Wir brauchen marianische Priester und Laien mit marianischen Seelenführern und Beichtvätern. Das genügt. In diesen Spiegel mögen alle Beteiligten am „Synodalen Weg“ schauen. Dann erübrigen sich auch solche Umfragen!

    • akinom schreibt:

      Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich selbstverständlich auch Seelenführerinnen gemeint
      hatte.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Vor allem ist es ein Unding, daß Neuevangelisation beim Synodalen Weg gar kein Thema ist. Der Synodale Weg ist einfach eine Art Überlegung, einen Verein auf Vordermann zu bringen.

  2. Írisz Síp O S schreibt:

    Danke! Habe es mit Gewinn gelesen!

  3. akinom schreibt:

    „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen!“ Papst Franziskus hat gegenüber den Mitgliedern der Römischen Kurie betont: Die erste und wichtigste Aufgabe der Kirche sei die Evangelisierung! Ob die Botschaft auch bei den Helden des Synodalen Weges ankommen wird?

Kommentare sind geschlossen.