Das Verbot von Abtreibung ist schlecht fürs Geschäft.

Wörtlich so steht es in einem bereits im Juni 2019 in der New York Times erschienenen, mir aber erst jetzt bekannt gewordenen Pamphlet, das von fast zweihundert Firmen unterschrieben wurde. Als Homepage ist es zu finden unter https:// dontban equality .com/ (drei Leerzeichen entfernen; ich möchte nicht direkt darauf verlinken).

Anlass war die neue Gesetzgebung in Alabama, die Abtreibung in jedem Fall unter Strafe stellt. Ob es in irgendeiner Weise sinnvoll sein kann, eine verzweifelte Mutter mit bis zu 99 Jahren Haft zu bedrohen, will ich hier nicht diskutieren. Wohl aber bin ich der Ansicht, daß das vollständige Verbot der Tötung eines unschuldigen Menschen richtig ist. Teile der Geschäftswelt sind hier anderer Ansicht. Hier der Text des Pamphlets im Original und in meiner Übersetzung:

Don’t Ban Equality

It’s time for companies to stand up for reproductive healthcare
Equality in the workplace is one of the most important business issues of our time.
When everyone is empowered to succeed, our companies, our communities and our economy are better for it.

Restricting access to comprehensive reproductive care, including abortion, threatens the health, independence and economic stability of our employees and customers. Simply put, it goes against our values and is bad for business. It impairs our ability to build diverse and inclusive workforce pipelines, recruit top talent across the states, and protect the well-being of all the people who keep our businesses thriving day in and out.

The future of gender equality hangs in the balance, putting our families, communities, businesses and the economy at risk.

We, the undersigned, employ more than 129,000 workers and stand against policies that hinder people’s health, independence and ability to fully succeed in the workplace. Complete list of signers below.

Gleichberechtigung nicht verbieten

Es ist an der Zeit, daß Unternehmen sich für die Fürsorge in der Reproduktionsmedizin stark machen. Gleichberechtigung am Arbeitsplatz ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.
Wenn jeder zum Erfolg ermächtigt ist, geht es unseren Unternehmen, unseren Gemeinden und unserer Wirtschaft besser.

Die Einschränkung des Zugangs zu umfassender Fürsorge in der Reproduktionsmedizin, einschließlich Abtreibung, bedroht die Gesundheit, Unabhängigkeit und wirtschaftliche Sicherheit unserer Angestellten und Kunden. Einfach gesagt, richtet sich das gegen unsere Werte und ist schlecht fürs Geschäft. Es beeinträchtigt unsere Fähigkeit, einen vielfältigen und inklusiven Arbeitsmarkt aufzubauen, Spitzentalente aus allen Bundesstaaten anzuwerben und die Wohlfahrt all jener Menschen zu schützen, die unsere Geschäfte tagein, tagaus gedeihen lassen.

Die Zukunft der Geschlechtergerechtigkeit ist in der Schwebe, was ein Risiko für unsere Familien und Gemeinden und unsere Wirtschaft darstellt.

Wir, die Unterzeichner, beschäftigen über 129.000 Arbeitskräfte und stellen uns einer Politik entgegen, die die Gesundheit, Unabhängigkeit und Fähigkeit zu vollständigem Erfolg am Arbeitsplatz behindert. Vollständige Liste der Unterzeichner…

Klarer kann man kaum sagen, daß Kinder ein Negativfaktor in der Wirtschaft sind und weggemacht gehören.
Und nun noch einmal in meinen eigenen Worten:

Gleiche Ausbeutung für alle

Es ist an der Zeit, daß Unternehmen sich für die Einschränkung der Reproduktion stark machen. Gleicher Zugriff auf Männer und Frauen durch Arbeitgeber ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit.
Wenn das Innehaben eines Arbeitsplatzes jedem als Erfolg verkauft wird, geht es unseren Unternehmen und unserer Wirtschaft besser.

Die Einschränkung des Zugangs zu umfassender Bevormundung in der Reproduktionsmedizin, einschließlich Abtreibung, bedroht unseren Zugriff auf die Arbeitskraft und das Geld unserer Angestellten und Kunden. Einfach gesagt, richtet sich das gegen unsere Werte und ist schlecht fürs Geschäft. Es beeinträchtigt unsere Fähigkeit, einen allein an unseren wirtschaftlichen Interessen orientierten und kinderfeindlichen Arbeitsmarkt aufzubauen, Kinderlose aus allen Bundesstaaten anzuwerben und die Arbeitsfähigkeit und Prosperität all jener Menschen zu schützen, die unsere Geschäfte tagein, tagaus gedeihen lassen.

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet für uns vor allem die Abschaffung jeglicher besonderen Schutzmaßnahmen für Schwangere, was ein Risiko für die Familien der Firmenchefs sowie für unsere Wirtschaft darstellt.

Wir, die Unterzeichner, beuten über 129.000 Arbeitskräfte aus und stellen uns einer Politik entgegen, die Leben und Gesundheit der schwächsten, noch lange nicht arbeitsfähigen Menschen fördert. Vollständige Liste der Unterzeichner…

Zu den Unterzeichnern gehören auch in Europa tätige Firmen, die durchaus qualitätvolle Produkte herstellen. Mir widerstrebt der Kauf dieser Produkte nun aber sehr. Natürlich weiß ich bei nichts, was ich kaufe (abgesehen von Rosenkränzen, Bibeln, katholischen Gesangbüchern etc.), wie der Hersteller zum Lebensrecht steht. Dennoch kann ich wenigstens bei so expliziten Aussagen mit dem deutlichen Tenor „Wer bei uns Geld verdienen will, darf keine Kinder haben“ angesichts lockender Angebote meinen Geldbeutel zuhalten und vielleicht für die Verantwortlichen dieses Pamphlets ein kleines Gebet sprechen. Mehr kriegen die von mir nicht.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Das Verbot von Abtreibung ist schlecht fürs Geschäft.

  1. ester769 schreibt:

    sehr interessant das Eingeständnis dass KInderhaben die wirtschaftliche Sicherheit der Menschen bedroht, das ist „nach uns die Sintflut“ oder auch „no future“ Mentalität in Reinkultur.

  2. akinom schreibt:

    Ich wusste wohl, dass Abtreibung, vorgeburtliche Selektion, (the wrong fetus was terminated), die zur künstlichen Befruchtung gezeugten und zu Forschungszwecken freigegebenen übrig gebliebenen Embryonen, die als Ersatzteillager für Organe missbrauchten spätabgetriebenen Ungeborenen ein riesiges Geschäft sind. Aber dass fast alle Firmen davon profitieren, dass Frauen
    abtreiben: Darüber habe ich bis jetzt noch nicht nachgedacht.

    In der Dülmener Zeitung (D.Z.) fand sich in der letzten Woche sich ein halbseitger Artikel mit der Überschrift: „Telefonaktion mit der Agentur für Arbeit `Tipps zum Neustart in den Job`. (Für so etwas werden nicht nur die Steuergelder von Frau Sperlich verwandt!) Im Beitrag heißt es u. a.: „ … Für viele Menschen – nicht nur für Katharina Herner – gehören Kinder – zur Lebensplanung dazu. Ein guter Job aber eben auch. Die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt werden deshalb oft mit der Frage konfrontiert, wie man Kinder und Karriere unter eine Hut bekommen kann. Und ist man nach einer Familienzeit überhaupt noch am Arbeitsmarkt gefragt? Fragen wie diese werden bei unserer Telefonaktion zum Thema `Wiedereinstieg‘ beantwortet. 3 Expertinnen der Agenturen für Arbeit Münsterland stehen am Donnerstag (5. September) für fragen zur Verfügung. Karin Hartmann, Andrea Mick und Janina Mauel sind Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt und beantworten Fragen rund um den Wiedereinstieg in den Beruf. Zu erreichen sind sie von 10 – 13 Uhr unter der Aktionsnummer Tel.: 0251/ 690 90 79 10“.

    Gerne würde ich den Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz zu diesem Thema hören. Ich wünsche mir heute – sicherlich vergeblich – viele Anruferinnen, die sich nach Hilfsangeboten erkundigen, um eine Entscheidung für die Familie finanziell zu ermöglichen.

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