Sonett bei geistiger Dürre

Sie schrieb kein Wort an sieben Sommertagen
(Dabei kann dieses Weib, das alte, fette,
Im Grunde gar nichts andres als Sonette),
Doch schwirren ihr durchs Hirn des Alltags Plagen.

Verrammelt ist das Haupt mit einem Brette:
Sie kann sich dichtend nicht einmal beklagen.
Prosaisch hat sie eh nicht viel zu sagen,
Gedanken räsonnieren um die Wette.

Gedankenfetzen wirbeln in ihr nur
Chaotisch ohne jegliche Struktur,
Nicht ordentlich und jambisch und mit Reimen.

Doch schau, da hat, nach dürrer Tage sieben,
Sie eben doch noch ein Sonett geschrieben!
Vielleicht will schon das nächste in ihr keimen.

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Sonett bei geistiger Dürre

  1. akinom schreibt:

    Wie tröstlich: keimende Sonette gegen verheerenden Klimawandel in den Herzen!

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