Freiheit!

Ich hätte auch titeln können: Klappe! – und ich hätte auch damit die Männer vom Bund der katholischen Jugend gemeint und die anderen Männer, die mich deshalb „ultrakonservativ“ und daher abzulehnen finden, weil ich nicht Priesterin werden können will.

Also, Klartext, Ihr reformkatholischen Jungs:

Ich bin, Dank sei Gott, frei und kann zwar nicht von Euch unbelästigt, aber (hierzulande noch) im Wesentlichen unbehelligt der katholischen Lehre folgen und sie verteidigen. Daß ich von dieser Freiheit Gebrauch mache, findet Ihr ganz, ganz schlimm. Denn, so sagt Ihr, die katholische Kirche muss endlich mit der Zeit gehen, und deshalb darf es keinen „Zwangszölibat“ geben, und Frauen dürfen nicht von der Priesterweihe „ausgeschlossen“ werden. Zum ersten, zum Zölibat, kann ich Euch beruhigen – es gibt tatsächlich keinen Zwangszölibat. Es gäbe ihn, wenn Menschen verpflichtet werden könnten, Priester zu werden. Können sie aber nicht. Priester werden 1. Männer, die wirklich von Gott dazu berufen sind, 2. Männer, die irrtümlich annehmen, von Gott dazu berufen zu sein. In beiden Fällen wissen sie, daß damit der Zölibat einhergeht. Wenn sie den nicht wollen, werden sie halt was anderes als Priester – so einfach ist das. Sie dürfen das! Und kommt mir jetzt nicht mit den Fällen, in denen Priester sich mit dem Zölibat schwertun, es nicht halten, untreu werden. Ja, die gibts. Aber ebenso wie eheliche Treue verpflichtend ist, aber unglücklicherweise nicht immer gehalten wird, ist es mit priesterlicher Treue. Wobei ich annehme, daß die priesterliche Treue insgesamt etwas häufiger beachtet wird als die eheliche Treue (ich rede jetzt mal ausschließlich von katholischen Priestern und katholischen Eheleuten, der Vergleichbarkeit halber). Die Tatsache, daß es Untreue gibt, darf nicht dazu führen, alles, was Treue überhaupt erfordert, abzuschaffen.
Zu behaupten, es gebe einen Zwangszölibat, weil Priester zölibatär leben müssen, ist so logisch wie zu behaupten, es gebe einen Zwang zur Gesundheit, weil Piloten nicht chronisch krank sein dürfen.

Einer der gesprächigsten BdkJ-Verteidiger gab nun auf den Einwand eines Katholiken, die Bundesvorsitzende des BdkJ sei „Sooooooo jugendlich … aber auch nicht mehr“ (dem ich aus meiner 56jährigen Sicht nicht zustimme, aber sei’s drum) wörtlich kund:

Aber doch noch recht süss und im Kopf scheint sie auch was zu haben, das hebt sie denn schon aus einer Masse von Katholiken empor.

Ich will hier nicht weiter eingehen auf die Diffamierung eines bedeutenden Anteils der über 1,3 Mrd. Katholiken, sondern nur auf „doch noch recht süss“.

Merkt Ihr was, Männer? Da schwätzt ein Mann erst lange über die Notwendigkeit, Frauen Gerechtigkeit angedeihen zu lassen, und zwar in einer Form, die in Wahrheit weder gerecht noch passend ist – und dann ist das erste, was er über die von ihm geschätzte Bundesvorsitzende eines Verbandes, dessen Mitglied er vermutlich ist, dem er jedenfalls offenkundig große Sympathie entgegenbringt, zu sagen weiß: Sie ist doch noch recht süß.

Ich habe für die Betreffende keine besondere Sympathie, weil ich glaube, daß sie einem Verein vorsitzt, der die katholische Kirche in Deutschland empfindlich schädigt. Aber ich erkläre mich als Frau solidarisch mit jeder Frau, die von einem malefizienten Chauvinisten auf „noch recht süß“ reduziert wird, auch wenn er dann gnädig eine positive Bemerkung über ihren Geisteszustand nachschiebt.

Ihr Männer vom BdkJ, ZdK oder was auch immer, ich pfeife auf Eure Versuche, mich zu befreien aus den Klauen der katholischen Kirche. Ich bin da freiwillig und gerne, und ich weiß, daß Ihr eine besserwisserische Bande unzulänglich verkappter Chauvinisten seid. Ich brauche Euch nicht. Wenn Ihr eine Sekte gründen wollt, nur zu, die Welt steht Euch offen. Grundzüge einer Sekte habt Ihr ja schon.

Freiheit ist in der Kirche zu finden. Nicht in dem Popanz, den BdkJ, ZdK etc. daraus machen wollen. Nur in der katholischen Kirche bin ich frei, ich zu sein als Frau und Dichterin, als unzulänglicher und begeisterter Mensch mit meinen Bedürfnissen und Fähigkeiten und auch mit meinen Sünden, Fehlern und Schwächen – als eine, die dem Herrn gehört. Und nicht diesen Herrchen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Freiheit!

  1. ester769 schreibt:

    Richtig gut geschrieben und ja so ist es!

  2. gerd schreibt:

    Die Anrede reformkatholische Jungs ist zuviel Ehre für diese Herren. Reform „bezeichnet eine planvolle Umgestaltung bestehender Verhältnisse.“ (Quelle: Wikipedia)
    Nun denn, der Bund der katholischen Jugend, will bestehende Verhältnisse ändern und garniert diese Suppe mit falschen Begriffen. Und das alles ohne einen Plan. Kein Wort z.B. von den Zwangsverheirateten, (eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung) die mühsam ein ganzes Leben mit ihrer Frau oder ihrem Mann verbringen müssen und das sogar wollen!
    Sie verbreiten, auch mit der finanziellen Unterstützung der Mehrheit unserer Bischöfe, Irrlehren und Häresien. Jeder Kuckuck fliegt irgendwann mal aus dem fremden Nest, beim BDKJ allerdings lassen sich die süssen Jungen im gemachten Nest füttern bis sie an Altersschwäche sterben. Und die Bischöfe, ohne Ausnahme(?), schleppen das Futter heran bis der Hammer fällt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Einerseits benutze ich das Wort „reformkatholisch“ nie in vollem Ernst (wie sollte ich das auch?). Andererseits möchte ich ja, daß die Genannten auch verstehen, was ich sage, und sich angesprochen fühlen.

  3. akinom schreibt:

    Kein Prophet hat sich mit seiner Berufung am Ziel seiner Wünsche gesehen. Im Gegenteil! Sie haben mit Gott darum gerungen, das Amt nicht annehmen zu müssen, weil sie zu jung, zu schwach etc. seien…Daran musste ich schaudernd denken, als Frauen bei einer Primiz mit Lila Stola demonstrierten. Das ist auch schon Jahrzehnte her.

    Seltsamer Weise sind die Zahlen der Priesterberufe dort besonders hoch, wo auch die Anforderungen besonders hoch sind. Deo gratias! Zum Schnäppchenpreis à la „Black Friday“ ist das Siegertreppchen im Himmel nicht zu erringen! Demos und Unterschriftenlisten werden gewiss nicht dazu führen, dass die Priesterseminare mit Menschen beiderlei Geschlechts überfüllt werden.

    „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Um diesen Job hat sich Claudia Sperlich mit ihrem Gelübde erfolgreich beworben, während katholische Verbände immer mehr zu Sekten mutieren…

  4. ester769 schreibt:

    Was ich nie verstehen werde ist, wie unlogisch diese Frauen die unbedingt Priester werden wollen, sind. Bei Licht betrachtet ist Priestertum Dienst, das steckt noch im Wort Ordination (Ordo = Dienst) drin und Zeichen des Dienstes, der Verfügbarkeit für Gott ist der Zölibat, Es gibt zahlreiche Bibelstellen, die das mit dem Dienst, dem gestellt sein auf den letzten Platz (Paulus) und das Beispiel Christi selber, belegen.
    Nun kommen die Frauen und sagen im Grunde: „Wir, wir wollen nicht mehr dienen, und weil wie das nicht mehr wollen, wollen wir in den dienstbarsten Dienst, den den Kirche zu bieten hat, aufgenommen werden!“
    Im Grunde führen diese Frauen sich auf wie in einem frauenfeindlichen Witz, nämlich komplett unlogisch.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das stimmt. (Und am Ende finden sie es vielleicht auch noch gut, wenn ein Mann, der ihrer Meinung ist, sie als „noch recht süß“ bezeichnet. Grusel pur!)

      • ester769 schreibt:

        Ja und einer, von dem sie finden, dass er nicht ihrer Meinung ist, und der sie als hübsch bezeichnet, dem gehen sie verbal an die Gurgel.
        Ich frage mich dann immer, ob sie vielleicht lieber hätten, er würde sie als hässliche Spinatwachtel bezeichnen.
        Wie gesagt, einfach unlogisch diese Damen.
        Da fällt mit immer glatt Schiller ein. „Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz….“

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