Kein Like, kein Share, kein Rebloggen

Die neue Datenschutzgrundverordnung tritt am 1.1.2018 in Kraft. Sie verbietet die Anwendung von Like-, Share-, Teilen- und Reblog-Buttons, da durch die Anwendung dieser Buttons Daten des Nutzers erhoben werden.

Nun könnte man natürlich sagen: Der Nutzer ist ja im Allgemeinen kein Idiot, weiß, daß er gerade im Internet unterwegs ist und weiß, daß durch seine Aktionen auch Daten erhoben werden, daß sein Nutzerverhalten kein Geheimnis ist. Der Nutzer weiß oder kann wissen, daß sein „Gefällt mir“ unter meinem erzkatholischen Artikel auch von seinem atheistischen Arbeitgeber wahrgenommen werden kann und, schlimmer noch, von obskuren Dritten seine Daten abgesaugt werden.

Aber wenn man der europäische Gesetzgeber ist, sagt man das nicht. Dann sagt man: Man muss den doofsten, ahnungslosesten, blauäugigsten Nutzer dieses Internet davor schützen, seine Daten unfreiwillig weiterzugeben.
Nicht schützenswert ist allerdings der doofe, ahnungslose, blauäugige Blogger, dem irgendwann wegen eines erhaltenen Like unter einem Katzenbild eine gerichtliche Abmahnung ins Haus flattert. Jedenfalls findet das der Gesetzgeber.

Ich habe sicherzustellen, daß keine Daten meiner Leser ohne deren Zustimmung erhoben werden. Nun könnte ich deutlich sichtbar darauf hinweisen, daß ein Like-Button ein Like-Button ist und so weiter, und daß man ihn nicht anklicken muss. Aber zugleich müsste ich auch auf Widerrufsmöglichkeiten hinweisen, und da frage ich mich: Was sollen das für Möglichkeiten sein? Eventuell könnte ich irgendwie eine aktive Einwilligung des Lesers veranlassen. Aber selbst wenn ich jetzt genau wüßte, wie das geht, wäre mir das zu blöd.

Ich habe als Blogger drei Möglichkeiten, gerichtlichen Abmahnungen zu entgehen.

1. Ich nutze die von Shariff auf GitHub bereitgestellten Open-Source-Buttons, die dem gewohnten Like, Share etc. entsprechen, aber keine Daten absaugen.
Die kosten zwar nichts, aber auf der Freeware-Version von WordPress lassen sie sich nicht einbinden.

2. Ich entferne von all meinen Internetauftritten sämtliche Buttons, die mich Geld kosten könnten.

3. Ich entferne mich aus diesem Internet, lösche alles, was ich dort hinterlassen habe, blogge nicht mehr, betreibe keine Seiten mehr.

Natürlich entscheide ich mich für 2., und wenn ich mir irgendwann WordPress Pro leiste, kann es was werden mit 1. (Shariff). Aber einstweilen können meine Leser nicht liken, nicht teilen und nicht rebloggen.

Allerdings könnt Ihr weiter kommentieren. Oder einen Link kopieren und auf facebook oder twitter sagen, wie herrlich (oder schrecklich) gerade dieser Text ist.

Und keine Sorge, meine Texte erscheinen auch weiter automatisch auf facebook, twitter und Google – denn so ist das eingestellt, und ich selbst werde mir keine Abmahnung schicken.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Kein Like, kein Share, kein Rebloggen

  1. emhaeu schreibt:

    Vom Reader aus kann man trotzdem liken…….

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