Neun fromme Hutzelbrote

Gestern habe ich den Teig vorbereitet – Hutzeln (das sind Dörrbirnen) eingeweicht, in Apfelsaft gekocht, kleingeschnitten, weitere Trockenfrüchte kleingeschnitten, Walnüsse und Haselnüsse gehackt, Mandeln abgezogen und halbiert, eine riesige Menge Teig geknetet. Heute habe ich gebacken!

Das Hutzelbrot ist nicht etwa verbrannt (abgesehen von der Unterseite, da musste ich etwas kratzen, und wenn es in Scheiben geschnitten wird, wird wohl die Unterseite noch mal ein bißchen beschnitten: Schade, aber irgendwie passiert mir das öfter). Aber daß es oben dunkel aussieht, kommt daher, daß Rosinen, Backpflaumen und getrocknete Feigen einen wesentlichen Anteil des Hutzelbrotes ausmachen. Mehl ist deutlich in der Minderheit.

Hutzelbrot

Es ist ein altes Winterrezept – aus Zeiten, wo im Winter die Hühner nicht legten und die Kühe keine oder kaum Milch gaben, und wo es kein frisches Obst gab und die Bauern dennoch zu Weihnachten etwas Feines haben wollten. Hutzelbrot enthält in Varianten vieles, was einst sehr edel war: Zimt, Anis, Feigen, Rosinen, Zitronat und Orangeat, Nüsse und Mandeln. Das hatte der Krämer, vielleicht musste man dafür in die Stadt fahren – und in den ältesten Rezepten hat es Zitronat und Orangeat wohl kaum gegeben. Aber Pflaumen und Birnen hatte man selbst gedörrt, wenn es genug davon gab, einen Wintervorrat anzulegen.

Das Kreuz aus Mandeln gehört dazu – ohne Kreuz ist es kein richtiges Hutzelbrot. Dem Herrgott Dank sagen dafür, daß man den Winter überlebt und meistens nicht hungern muss, ist in unseren Breiten aus der Mode gekommen. Vielleicht kann man sich beim Genuss eines Hutzelbrotes mal wieder daran erinnern.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Neun fromme Hutzelbrote

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  2. Neun fromme Hutzelbrot – – – – –
    Das eine hat zu viel – – –
    Da waren´s nur noch acht!

    Acht fromme Hutzelbrote…….

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Sowas ähnliches gibts mit Klöben (Stollen):

      Söben, söben, söben,
      söben vergammelte Klöben,
      un ess ick een, denn hew ick noch sis
      von den söben vergammelten Klöben.

      … un ess ick twee, denn hef ick non fif…
      etc.

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