Facebook-Kommentatorin an mich:
„Es ist doch immer das gleiche Leute die keine behinderten Kinder haben verurteilen Menschen die sich gegen ein behindertes Kind entscheiden. Werden sie Pflegemutter und kümmern sie sich erst mal jahrelang um ein behindertes Kind. Leben sie den Alltag und was alles dazu gehört ..erst dann können sie urteilen und andere verurteilen.“
Meine Antwort:
„Stimmt, ich habe kein behindertes Kind. Aber ich war ein behindertes Kind. Hätten Menschen wie Sie damals über mich zu entscheiden gehabt, wäre ich keine elf Jahre alt geworden.“
Übrigens habe ich meiner behinderten Mutter beigestanden, seit ich acht Jahre alt war. Ein bisschen weiß ich wohl doch über das Problem Behinderung.
Hinzu kommt, dass es unsinnig ist, jedwede Beurteilung von irgendwas ausschließlich denen zuzugestehen, die unmittelbar betroffen sind. Sonst dürften Menschen, in deren Heimat gerade kein Krieg ist, nichts gegen Krieg sagen. Wer weder Onkologe noch Krebspatient ist, dürfte sich an keinem Gespräch über Krebstherapien beteiligen, auch keine Fragen dazu stellen. Über Geschichte dürften nur Historiker sprechen, über Rezepte nur Köche, über Menschenrechte nur Juristen und Philosophen. Man hätte am Ende Kommunikation ausschließlich in Expertenkreisen, alle anderen müssten stumm bleiben – oder sich als Blockwarte der neuen Gesprächskultur gerieren, die jeden denunzieren, der etwas sagt, ohne genau dafür nachweislich Experte zu sein.
Mittlerweile weiß ich auch, dass Menschen wie ich einer wachsenden Zahl von Mitmenschen ein zu beseitigendes Problem darstellen. Was mich selbst angeht, ist mir das ziemlich egal. Ich kann mich wehren habe zudem bereits viel gelebt. Aber es gibt viele, die sich nicht wehren können. Und für diese will ich mich so gut einsetzen, wie ich eben kann.
Die zunehmende Herzlosigkeit und Kaltschnäuzigkeit gegenüber ungeborenen und geborenen Menschen, die nicht in die Schablone „brauchbarer, voll funktionsfähiger Steuerzahler“ passen, widert mich an.
Da hilft auch nicht, wenn mir ebenso schlechtgelaunt wie wahrheitswidrig vorgeworfen wird, ich hätte keine Ahnung, was Mütter behinderter Kinder durchmachen müssen.
Ich bin gegen Abtreibung, und ich bin gegen Euthanasie (heute „Sterbehilfe“ und „assistierter Suizid“ genannt). Ich bin zudem gegen die dreiste Lüge, dass erstere ja so gut wie nur Behinderte träfe und letztere nie und nimmer gegen den Patientenwillen stattfinde. Ich ekle mich vor Menschen, die mir erzählen, ich habe keine Ahnung und kein Recht. Damit ekle ich mich derzeit vor etwa drei Vierteln aller stimmberechtigten Deutschen.



