Trump und der Lebensschutz

Mir wurde ans Herz gelegt,  doch auch Trumps gute Seiten zu beachten. So habe er doch viel für den Lebensschutz getan und für die Befreiung der israelischen Geiseln.

So, so. Hat er das.

Zum Lebensschutz: Das Leben von Kindern wohlhabender weißer Us-Bürger ist ihm tatsächlich so lange wichtig,  wie deren Eltern ihm nicht widersprechen. Kinder armer Leute, farbige Kinder, Kinder von Menschen sein,  die ihm oder seinen Schlägertrupps widersprechen,  interessieren dies Subjekt nicht,  gleich ob geboren oder ungeboren.  Renée Good wurde sinnlos von einem ICE-Officer erschossen und danach von demselben als „fucking bitch“ (verdammte Schlampe) bezeichnet – Trump hat diesen Kerl ausdrücklich verteidigt. Er habe in Notwehr gehandelt. Das Video,  das er mit seinem eigenen Handy aufgenommen hat,  spricht eine andere Sprache. Goods sechsjähriger Sohn ist für Trump kein Thema.

Der fünfjährige Liam Ramos wurde von ICE-Beamten festgenommen und in ein Internierungslager gebracht.  Sein Vater ist legal in den USA. Nur halt dunkelhäutig, was in den USA unter Trump schlimm genug ist.

Menschen, die mit ordentlichen Papieren in den USA um Asyl ersuchen,  sich an sämtliche Regeln und Gesetze halten, werden von der Straße weg verhaftet und eingesperrt.  Ihre kleinen Kinder dürfen sie nicht besuchen.

Und in Deutschland schleimen zahlreiche Menschen über den ICE und Trump,  dass einem übel wird. Good sei selber schuld. Der kleine Liam werde zu seinem Schutz festgehalten. Und dann Israel!

Trumps Wähler sind zum großen Teil Evangelikale mit starker Sympathie für Israel und für den Lebensschutz, sofern er nicht auch die Armen und die Fremden betrifft. Diesen Wählern will Trump gefallen. Alle anderen sind ihm egal oder lästig.

Ich bin selbstverständlich froh über die Befreiung der lebenden und die würdige Bestattung der toten Geiseln. Aber ich sehe auch, dass Trumps Motive alles andere als uneigennützig sind.

Ich bin ganz und gar für Lebensschutz und sehe das Lebensrecht als unbedingt und unabhängig von Nationalität oder Hautfarbe an. Im Gegensatz zu Trump und zu vielen Evangelikalen in den USA sehe ich künstliche Befruchtung als unzulässigen Eingriff an, einerseits weil dadurch Liebe,  Sexualität und Vermehrung entkoppelt werden (was ich für eine Sauerei halte), andererseits weil dabei regelmäßig „überschüssige“ Embryonen vernichtet werden. Trump hat versprochen, die IVF leichter zugänglich und kostengünstiger zu machen.

Die Abtreibungspille Mifepristone ist in den USA frei verfügbar; unter Trump wurde ein kostengünstiges Genericum zugelassen.

Trump ist kein  Lebensschützer. An einem Marsch für das Leben, auf dem er und Vance Reden schwingen, könnte ich nicht mit gutem Gewissen teilnehmen.

Selbstverständlich werde ich Trumps gute Seiten auch beachten und verspreche,  sie zu thematisieren, sobald ich sie bemerke. Das kann dauern.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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