In jener Zeit sprach Jesus zu Seinen Jüngern:
Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn Er lässt Seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!
Mt. 5,43-48
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„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“
Jesus sagt nicht „dass geschrieben steht“, sondern „dass gesagt worden ist“. Denn tatsächlich ruft das Alte Testament nicht zum Hass auf. So heißt es in Spr 21,22: „Hungert Deinen Feind, so speise ihn mit Brot, dürstet ihn, so tränke ihn mit Wasser.“
Jesus bezieht sich offenbar auf eine in der Zeit Seines Erdenlebens grassierende falsche, unbiblische Sichtweise, eine boshafte Redensart.
Nicht anders ist es heute. Wir sind gehalten, zu lieben statt zu hassen. Das ist alles andere als einfach. Wir wissen, dass es Terroristen und Menschenschinder aller Art gibt. Und zuweilen ist auch Notwehr und Nothilfe geboten. Aber wir dürfen nicht mehr tun, als zur Abwehr unbedingt nötig ist – Entsprechendes steht auch im deutschen Strafgesetzbuch.
Jesus will sicher nicht, dass wir den Nächsten seinen Peinigern überlassen mit dem Argument der Feindesliebe. Aber Er will, dass wir lieber Unrecht erleiden als Unrecht tun, und dass wir auch im Gegner zunächst den Menschen sehen. Allen, auch den Unsympathen, mit grundsätzlichem Wohlwollen begegnen, ist sicher nicht leicht – das hat Jesus auch nie behauptet. Aber wenn wir es versuchen, wenn wir um die Kraft dazu bitten, gehen wir auf Jesu Weg zum Vater.


