Die Makkabäer

In der katholischen Kirche hören wir in diesen Tagen Lesungen aus dem Ersten Buch der Makkabäer.

Ein Herrscher will das Reich einen,  indem er einen wie den anderen sein lässt. Zunächst gewährt er Religionsfreiheit.  Jeder darf anbeten,  was er will. Aber da ist ein kleines Volk,  das nur einen einzigen,  unsichtbaren Gott anbetet und sich bewusst von allen anderen abgrenzt. Man behauptet hier gar, die anderen Götter seien nur erdacht! Nur dieser eine sei wirklich!

Wenn religiöse Beliebigkeit nicht zieht,  muss man eben härtere Mittel anwenden. Dann muss diese eine Religion verboten werden, und die Trennung von diesem einen Gott muss öffentlich besiegelt werden durch einen Akt,  der dieser Religion widerspricht.

Und wenn diese Leute sich weigern, werden sie zu Tode gefoltert.

Verächtlichmachung einer Religion, Propagierung eines religiösen Supermarktes, aus dem jeder sich nach Herzenslust bedienen kann, und zunehmend repressive Stimmungslage gegen jene besondere Religion – das gab es unter Antiochus, das gibt es auch heute.

Der religiöse und esoterische Supermarkt im heutigen Westeuropa hat zahlreiche Kunden.  Das Christentum hat zahlreiche Feinde,  und auch wenn in Westeuropa de jure noch Religionsfreiheit besteht, sind Angriffe, Mobbing und öffentliche Forderungen nach Beschränkung dieser Religion häufig.  Dabei rede ich nicht von zunehmenden kriminellen Akten gegen gegen Christen (und noch mehr gegen Juden),  sondern „nur“ von noch gerade eben nicht illegaler Stimmungsmache und juristisch bereits schwerwiegenden, leider meist nicht geahndeten Äußerungen. Ich rede von dem Applaus,  den Menschen ernten, wenn sie Gottesdienste stören (wie die Kommentare zu Femen-Aktionen vor einigen Jahren zeigten). Von der Relativierung scheußlicher Verbrechen gegen Juden und Christen.

Die Makkabäer leisteten zuerst passiven Widerstand,  indem sie dem Gesetz Gottes  treu blieben auf die Gefahr hin,  dafür ermordet zu werden. Später wehrten sie sich aktiv.

Im europäischen und amerikanischen Christentum gibt es derzeit viele, die – wie zur Zeit der Makkabäer – ihre Religion relativieren,  sich in dem genannten esoterischen Shop bedienen und auf diese Weise schleichend ihren Glauben verlieren. Andere verirren sich in die entgegengesetzte Richtung,  leben ein ästhetisches Christentum und erklären jeden für einen Ketzer, der nicht ausschließlich auf Latein in geosteten Kirchen mit Hochaltar und güldenen Gewändern die Messe feiert. Und sie sind ganz sicher, auch unter härtester Bedrohung standhaft zu bleiben.  Im Kern ist das gar nicht anders als die Bevorzugung von Stuhlkreis, Laienpredigt und der Forderung nach Priesterinnen, es ist auf die gleiche Weise engherzig und besserwisserisch.

Aber glücklicherweise gibt es noch immer Katholiken,  die sagen: Ob jemand die Messe auf Latein oder in der Volkssprache bevorzugt, ist unwichtig,  so lange er sie mit Andacht und Frömmigkeit feiert (sich zumindest darum bemüht), Bibel und Katechismus kennt und bejaht, täglich betet, oft beichtet und nach Kräften versucht, Gottes Wort zu hören und danach zu leben.

Der effektive Widerstand, das Befolgen der Gebote trotz allem,  wird nicht von Weichspülern oder Fanatikern kommen, sondern von denen,  die um Standhaftigkeit beten,  weil sie wissen, daß sie ein Geschenk Gottes ist und keine eigene Errungenschaft, und die die Schönheit der Kirche lieben,  aber mehr noch ihre von Jesus Christus zugesagte Wahrheit und Ewigkeit.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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5 Responses to Die Makkabäer

  1. Avatar von Nepomuk grubermoritz sagt:

    >>Andere verirren sich in die entgegengesetzte Richtung, leben ein ästhetisches Christentum und erklären jeden für einen Ketzer, der nicht ausschließlich auf Latein in geosteten Kirchen mit Hochaltar und güldenen Gewändern die Messe feiert.

    Sorry: von Deinen beiden gegensätzlichen Polen ist einer ein von Dir gebauter Strohmann.

    Du wirst für jeden Unfug in Gottes großem Tierreich *irgendjemanden* finden, der ihn vertritt. Aber selbst ein Piusbruder oder ein Anhänger derselben, der *tatsächlich* meint, aus bestimmten Gründen [**] Gründen sei es *seine* moralische Pflicht, keinesfalls einer liturgiereformierten Messe beizuwohnen, wird die, die das *tun*, nicht dafür „Ketzer“ nennen. Selbst der.

    Aber solche Leute *gibt* es, immerhin, wenn auch im wesentlichen nur bei Pius (und jenseits), bei Ecclesia-Dei-Gemeinschaften in aller Regel nicht. Die von Dir genannten Leute gibt es, sorry, in nennenswertem Ausmaß *nicht*.

    Das trübt leider den sonst sehr schönen Artikel.

    [** Diese treffen *inhaltlich* *nicht* zu. Was freilich die Frage der Korrelation solcher falscher Ansichten mit persönlich häßlichen Charakterzügen wie Engstirnigkeit und Besserwissertum betrifft, bitte ich mir aus bis auf weiteres agnostisch bleiben zu dürfen (insbesondere was diese Menschen in ihrer Gesamtheit betrifft). Irgendwann im Himmel, wenn diese Charakterzüge von denen, die sie hatten, überwunden sein werden und wir Zeit haben werden und nicht mehr in Gefahr in Streit zu geraten sein werden, werden wir uns auch solchen Studien wissenschaftlich widmen können. Einstweilen ist das Leben aber leichter, wenn wir stattdessen Bier trinken; gegebenenfalls auch miteinander.]

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    • Mir sind derlei „Strohmänner“ zu oft leiblich begegnet. Sollte das ein extremer Zufall sein, freut es mich.

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      • Avatar von Nepomuk grubermoritz sagt:

        Leute, die Dich ernsthaft und ausdrücklich als Ketzerin bezeichnet haben, und zwar ausdrücklich wegen der Einstellungen zu Volkssprache, Ostung und Goldgewändern(*)? Die nicht nur gesagt haben, so etwas solle man wegen der Gefahr, ein ketzerisches Mindset einzuatmen, meiden; die dir nicht nur das *Gefühl* gegeben haben, sie würden Dich als Ketzer behandeln; sondern die Dich wirklich und ausdrücklich deswegen *Ketzer genannt* haben?

        Verzeih mir, das sind unterschiedliche Dinge; und ich kann mir *ersteres* durchaus gut vorstellen, letzteres aber eben wirklich nur im Rahmen von „*irgendwo* wird man so jemanden wohl *auch* finden, aber das hat ja nichts zu bedeuten“.

        (Dabei setze ich außerdem voraus, daß wir nur von Leuten reden, die wissen, was sie sagen und nicht solche, die zu einer (zumindest gutmöglich) ehrlich frommen Grundeinstellung halt den Umstand hinzufügen, daß sie halt ein bißchen blöd sind und irgendwie daherplappern.)

        (* Anmerkung: in Deiner Liste fehlt ja sogar der schärfste Trigger für die angesprochene Seite überhaupt, die Form des Kommunionempfangs… bei der hätte ich vielleicht nicht so schnell von Strohmännern gesprochen. Also lassen wir sie auch raus und halten fest: in der Frage von Ostung und Latein findet eine gegenseitige Verketzerung nicht statt, übrigens unter gläubigen praktizierenden Katholiken auch nicht in die andere Richtung.)

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        • Stimmt, das mit dem Kommunionempfang, den von Petrus bis Kyrill von Jerusalem alle ganz falsch gemacht haben, das kommt noch hinzu. 😉
          Im übrigen weiß ich selbst nicht, ob ich solche Anwürfe von vielen oder bloß von Lauten höre.

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        • Avatar von Nepomuk grubermoritz sagt:

          Und wieder: daß den die alle ganz falsch gemacht hätten, ist nicht die Behauptung, auch bei den Radikalen nicht. Die Behauptung ist, daß in dem Punkt ein echter Fortschritt irgendwann zum kirchlichen Gesetz wurde, bis aus von Leuten, die nicht ein Mehr an Frömmigkeit und auch nicht (wie bei „nur noch eine Stunde fasten statt ab Mitternacht“) eine Erleichterung für die Gläubigen (mit dem Ziel, daß sie häufiger kommunizieren) wollten, der Kirche ein Rückschritt abgetrotzt worden ist. Dieses Gesetz hatte für den hl. Petrus, den hl. Kyrill usw. aber noch nicht gegolten.

          Soweit teile ich diese Ansicht übrigens auch selbst, um nicht falsch verstanden zu werden. Das, worüber ich mir zwar selber im klaren bin, aber was in der Tat nicht jedem klar ist – aber so wichtig, daß man über akkurat diese Detailwahrheit *missionieren* und böses Blut riskieren müßte, ist sie wirklich nicht – ist nur, daß von dem Zeitpunkt, ab dem, bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem die Kirche etwas erlaubt, man es auf englisch „a second best“, nicht aber eine Sünde nennen kann.

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