Im Ersten ist die erste Staffel der Serie „Selling Sex“ veröffentlicht. Altersfreigabe 12 Jahre, rund um die Uhr in der Mediathek. Es geht darum, dass Prostitution ja gar nicht schlimm ist, die Hauptfigur macht das freiwillig und gern und verdient gutes Geld damit, und die Freier haben ja auch alle irgendwelche Vorzüge oder so.
Die Regisseurin Miriam Dehne äußert sich dazu in einem Interview (Link) dahingehend, dass Prostituierte nicht befreit werden müssen, dass es eben eine Arbeit ist und dass die Frauen dadurch Macht haben. (Macht, im Ernst. Ich denke mir das nicht aus.)
Ja klar, und ob eine Frau sich freiwillig oder gezwungenermaßen prostituiert, sagt sie natürlich dem Freier vor Geschäftsabschluss, und der ist immer edel genug, nur die Freiwilligen zu nehmen – oder wie soll man sich das vorstellen?
Diese infame Lüge, dieser frauenfeindliche Dreck wird über die Rundfunkgebühren finanziert.
Ich habe dem Ersten (info@ard.de) gemailt:
Sehr geehrte Damen und Herren,
ab 12 Jahren empfehlen Sie nun eine Serie, deren einziges Ziel die Glorifizierung der Prostitution ist. Pubertierende sollen schon mal immer lernen, dass Vergewaltigung in Ordnung ist, wenn dafür Geld gezahlt wird. Und dass die Frauen es ja auch nicht anders wollen.
Die Macherin dieser Widerwärtigkeit sagt im Interview auf die Frage, wie es denn um die Freiwilligkeit stehe: „Welchen Job macht man schon komplett freiwillig? Den Druck Geld zu verdienen gibt es immer, mal stärker, mal weniger. Wie freiwillig arbeitet man in einem Call-Center? Oder als Krankenschwester? Oder in der Pflege? Klar, Sexworkerinnen finden bestimmt nicht jeden hot, Nähe muss man auch lernen. Es gibt bei jedem oder zumindest bei den meisten Kunden etwas, das man mögen kann.“ Sie vergleicht also zuerst Jobs in der Pflege mit Prostitution. Damit werden Schwestern und Pfleger, die in der Regel wirklich hingebungsvoll hilfsbedürftigen Menschen helfen, mit Menschen verglichen, die – in der Regel keineswegs freiwillig – geile Säcke zu deren Konditionen befriedigen. Die Formulierung legt auch nahe, dass jede Art des Geldverdienens mit Prostitution gleichzusetzen ist. (Sie haben einen Beruf, bei dem es durchaus unüblich ist, dass Sie sich die Geschlechtsteile anderer Menschen in irgendwelche Körperöffnungen stecken lassen – jedenfalls nehme ich das bisher an. Versuchen Sie einfach, sich vorzustellen, ich hätte mit meiner Annahme Unrecht – würden Sie diesen Beruf dann weiter ausüben?)
„Nähe muss man auch lernen“? Nein – Nähe zu Vergewaltigern muss man nicht lernen, es sei denn, man subsumiert unter Nähe auch, dass eine Frau einen Mann durchaus empfindlich verletzen kann, wenn sie nur ein wenig Karate gelernt hat oder sich einfach mal traut, zuzubeißen. Und wagen Sie es nur nicht, mir mitteilen zu wollen, es seien ja nicht alle Freier Vergewaltiger. Doch, sind sie. Sex, bei dem der Täter allein die Regeln bestimmt, ist auch dann Vergewaltigung, wenn er dafür Geld gibt. Genau das geschieht bei Prostitution.
ARD will ausdrücklich, dass pubertierende Jungs und Mädchen lernen, Vergewaltigung für Geld sei in Ordnung. Das ist dermaßen widerwärtig, dass ich nur noch strafbewehrte Ausdrücke dafür finde (die ich hier nicht benutze, weil ich Ihnen ohne weiteres zutraue, mich dann wegen Beleidigung zu verklagen). Auch Erwachsene darf man nicht belügen, und schon gar nicht, wenn die absehbare Konsequenz dieser Lüge die Akzeptanz von Vergewaltigung ist.
Nehmen Sie diese Monstrosität gefälligst aus dem Programm.
Claudia Sperlich
Liebe Leser und Leserinnen, sagt dem ARD die Meinung! Macht diesen Chauvinisten beiderlei Geschlechts deutlich, dass frauenverachtende Lügen nicht gut, wahr und schön werden, weil sie von einer Frau ausgesprochen werden. Und klärt die Kinder auf, dass der menschliche Körper kein Handelsgut und kein Mietobjekt ist. Benutzt dabei, auch wenn es schwer fällt, keine justiziablen Formulierungen, aber bedenkt auch, dass das deutsche Recht in dieser Hinsicht großzügig ist. Im übrigen darf meine Mail gerne kopiert werden.




Antifeministischer Feminismus. Und das erhält sogar noch eine allgemeinfinanzierte Bühne.
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