
Heute ist der Gedenktag eines italienischen Seligen (1841-1935), der sich im 19. Jahrhundert der Taubblinden und Waisen annahm.
Pietro Bonilli wurde als Bauernsohn in San Lorenzo di Trevi, Perugia, zunächst nur von seiner Mutter und dem Pfarrer der örtlichen Gemeinde unterrichtet, weil die nächste Grundschule weit entfernt war. Er lernte schnell, besonders Mathematik und Philosophie interessierten ihn.
Er sah mit Anteilnahme die Probleme seiner Zeit – harte Arbeitsbedingungen, Analphabetismus und frühe Sterblichkeit bei den Bauern, demzufolge zahlreiche Waisenkinder.
Er muss recht geradlinig aufs Priesterseminar zugegangen sein. 1863, mit 22 oder 23 Jahren, wurde er zum Priester geweiht. 35 Jahre lang diente er in der ärmsten Gegend der Diözese Spoleto. 1884 gründete er dort ein Waisenhaus. Er bat die 1857 gegründete Kongregation der Schwestern von der Heiligen Familie von Bergamo um die Betreuung, die lehnten aber ab. „Wenn man nicht alles selber macht“, mag er gedacht haben und gründete die Kongregation der Schwestern der Heiligen Familie von Spoleto. Zunächst nur vier Postulantinnen machten sich an die Arbeit, und die Kongregation wuchs.
1893 gründete er ein Heim für Taubblinde, und auch hier übernahm diese Kongregation die Pflege. Auch für Obdachlose sorgten die Schwestern.
„Familie sein, Familie geben, Familie bauen“ war sein Prinzip. Er empfahl, in jedem Haus ein gut sichtbares Schild aufzuhängen: IN DIESEM HAUS WIRD NICHT GEFLUCHT.
In seiner Pfarrkirche ließ er ein Bild der Heiligen Familie anbringen, auf dem Jesus nicht als Baby, sondern als Teenager dargestellt ist – wohl mit dem Gedanken, dass „seine“ pubertierenden Waisenkinder sich eher mit einem Jugendlichen als mit einem Baby identifizieren mochten.
Die letzten sechs Jahre seines Lebens war er selbst blind. Er starb 93jährig.
1988 wurde Pietro Bonilli von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.



Danke für diese Lebensbeschreibung, von der man als Protestant normalerweise nichts erfährt. Ihr Blog enthält oft Wissenswertes und Lehrreiches für mich.
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