Ein verhindertes und ein bestehendes Unglück

Das Bundesverfassungsgericht ist zumindest vorläufig vor einer Richterin bewahrt geblieben,  die die Menschenwürde zur Würde Auserwählter machen will. Es gilt weiter: Homo sapiens hat Menschenwürde von der Zeugung bis zum Tod. Das ist eine gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht ist, dass Deutschland einen Bundeskanzler hat, der in aller Deutlichkeit Abtreibung in jedem Fall und jedem Stadium mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Ich nehme nicht an, dass er vor seinem klaren Ja zu dieser Frage scharf nachgedacht hat, aber das macht es nicht besser. Wir haben einen Bundeskanzler, der entweder wirklich kein Problem mit der Tötung Ungeborener hat oder im Eifer des Wortgefechts auch mal das Denken unterlässt – oder beides.

Ich war von der CDU nie besonders überzeugt.  Gewählt habe ich sie genau zweimal,  und beide Male war dafür ausschlaggebend, dass sie als einzige in meinem Wahlkreis vertretene Partei sowohl gegen Abtreibung als auch immer noch demokratisch schien, trotz aller Makel. Leider muss ich nun einsehen,  dass sie weder das eine noch das andere ist.

Dass es Länder mir schlechteren Regierungen gibt, ist gerade ein schwacher Trost.

Avatar von Unbekannt

About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
Dieser Beitrag wurde unter WELTLICHES abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Responses to Ein verhindertes und ein bestehendes Unglück

  1. Avatar von Gorgasal$ Gorgasal$ sagt:

    Einerseits ist der (bisherige) Ausgang ein glücklicher.
    Andererseits war jetzt der ausschlaggebende Faktor anscheinend die Frage nach Plagiaten in Frau Brosius-Gersdorfs Dissertation. So wichtig mir als Wissenschaftler korrekte Zitierpraxis ist: Plagiate sind ein Problem, Frau B-Gs Ansichten zu Abtreibung und so weiter nicht? Ich erlaube mir, entsetzt zu sein.
    Natürlich kann es sein, dass hinter den Kulissen die Abgeordneten doch durch ihr Gewissen oder viele Emails von Wählern motiviert wurden und das Thema Plagiat nur vorgeschoben wurde. Auch schon schlimm genug, und bezeichnend für das Deutschland des Jahres 2025.
    Und dritterseits war Frau B-G ja nur eine von drei Kandidaten. Einer der anderen beiden (die Namen kriege ich schon nicht mehr zusammen) scheint bislang nicht durch politische Aussagen aufgefallen zu sein – aber die dritte Kandidating scheint nicht viel… ich will nicht „besser“ sagen, nennen wir es „konservativer aus Lebensschutzsicht“… zu sein als Frau B-G.
    Wenn man mehr Zeit hätte, dann könnte man sich den ganzen Tag damit beschäftigen, was im Bundestag und in dessen Ausschüssen im Namen des Volkes so passiert. Sollte man wohl auch. Manchmal frage ich mich, wieviel davon einem eines Tages mal angerechnet wird.

    Gefällt 1 Person

    • Spinner (er heißt wirklich so) gilt als moderat und hat sich politisch noch nicht geäußert. Frau Kaufhold hat den Klimaschutz als Anliegen, das ist mir grundsätzlich sympathisch. Was genau sie daraus macht, wird sich zeigen.

      Ich stimme Dir im übrigen zu, bin aber erst einmal erleichtert, dass Brosius-Gersdorf mit ihren unsäglichen Ideen nicht nach Karlsruhe kommt.

      Like

      • Avatar von Herr S. Herr S. sagt:

        Hoffentlich behalten Sie mit Ihrer Voraussage recht, sehr geehrte Frau Sperlich.

        Es gilt weiterhin, höchst wachsam und nötigenfalls einspruchsbereit zu bleiben, ob die SPD wirklich von ihrem Kandidatin-Vorschlag abrückt oder ob in der parlamentarischen Sommerpause nicht doch noch seitens der Unipnsfraktionsführung irgendwelche faulen Tricks versucht werden.

        Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.