Morgen früh – nach Laudes und Messe – beginnt das Konklave, die Papstwahl. Natürlich wird wie bei jedem Konklave eifrig darüber gemunkelt, wen es am Ende trifft – und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es jemand, den niemand auf dem Schirm hatte, denn so ist es meistens.
Ich möchte gar nicht spekulieren, sondern nur für die Kardinäle und die Kirche beten. Mögen sie zu einer segensreichen Einigung kommen, und mögen sie alle wohlbehalten das Konklave verlassen. (Ich stelle es mir fürchterlich anstrengend vor, so eingeschlossen und ohne jeden Kontakt zur Außenwelt eine wichtige Entscheidung zu treffen, und die Herren Kardinäle sind ja fast alle nicht mehr allzu jung.)
Ziemlich sicher ist, dass jeder der 134 wahlberechtigten Kardinäle seit dem Ostermontag inständig darum betet, nicht Papst zu werden.
Wer gewählt wird, wird dann eine kurze Zeit der Ruhe haben, um mit seinen Emotionen fertig zu werden. Der Raum, in dem der neue Papst sein weißes Gewand anlegt, steht in dieser Zeit nur ihm zur Verfügung – der „Tränenraum“, so der volkstümliche Name, ist ein Nebenraum der Sixtinischen Kapelle, und der Papst darf hier vielleicht zum letzten Mal im Leben allein sein. Das weiße Gewand steht in drei Größen zur Verfügung. Außerdem gibt es da nur einen Tisch, einen Spiegel, ein Kruzifix – und Stille. Gut möglich, dass der Raum der Tränen zuweilen auch ein Raum der Theodizeefrage ist („Herr, warum ausgerechnet ich?“).
Wer immer es wird: Ich beneide ihn keine Sekunde. Vermutlich aufgewühlt, vielleicht gar entsetzt oder angstvoll vor dieser Verantwortung, wird er eine kurze Zeit haben, sich zu sortieren – muss dann die Kirche leiten und ist nie mehr allein. Mindestens ein Leibwächter und meist auch ein Photograph wird praktisch immer in der Nähe sein.
Gott helfe dem künftigen Papst und schenke ihm ausreichend Humor, Demut und Nerven, sein Amt nicht nur segensreich auszuüben, sondern gelassen zu ertragen.



Liebe Claudia, ich habe da andere Informationen. Um 10 Uhr ist die Messe Pro eligendo Papa und um 16 Uhr in der Paolina Universi Dominici Gregis: 50. Von der Capella Paolina des Apostolischen Palastes aus, wo sie sich zu geeigneter Stunde am Nachmittag versammeln, begeben sich die wahlberechtigten Kardinäle in Chorkleidung in feierlicher Prozession, unter dem Gesang des Veni Creator den Beistand des Heiligen Geistes erflehend, in die Sixtinische Kapelle des Apostolischen Palastes, dem Ort und Sitz der Abwicklung der Wahl.
Dann folgt die Einschwörung und das Extra Omnes!
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Also noch länger warten…
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Dass nicht doch zumindest einige Kardinäle Ambitionen auf das Papstamt haben, glaube ich persönlich nicht.
Zumindest bei dem verstorbenen Franziskus war das nach allem, was ich darüber erfahren habe, offenbar der Fall, obwohl er m.M.n. denkbar ungeeignet dafür war – was man immer wieder während seiner Amtszeit feststellen konnte.
Wie schon bei der letzten Papstwahl gibt es im Internet mehrfach die Möglichkeit, sich eine Kardinal per sog. Zufallsgenerator quasi zulosen zu lassen und für diesen dann gezielt fürbittend zu beten: „adopt a cardinal“o.ä.
Ich selbst habe z.B. so den äthiopischen Kardinal Berhaneyesus Demerew Souraphiel zugeteilt bekommen, für den ich jetzt um die Führung durch den Hl. Geist bete…
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Ich kann es mir offengestanden nicht vorstellen. Aber wenn irgendein Kardinal wirklich Papst werden will, ist er dazu ungeeignet.
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