Von dem polnischen Künstler Ludwik Stasiak (1858-1924) stammt eine Darstellung des Teufels, die man auch heute als ernste Warnung lesen kann.
Satan ist ohne Hörner und Klauen dargestellt, ein hübscher, fröhlicher junger Mann in fürstlicher Kleidung, ohne Hörner, ohne Pferdfuß. Er hält ein riesiges goldenes Szepter, dessen oberes Ende zwischen aufwendigem floralem Zierrat einen kleinen Teufelskopf in der klassischen Darstellung mit Hörnern zeigt, der wirkt aber eher lustig als bedrohlich. In der anderen Hand hält er eine goldene Münze wie ein Geschenk für den Betrachter. Bis auf die riesigen grauen Fledermausflügel sieht er ganz menschlich aus und sehr schick.
Sein Thron hat Löwenköpfe an den Armlehnen – er „geht umher wie ein brüllender Löwe“ (1 Petrus 5,8) – aber der Löwe steht auch für Macht und Stärke, sogar göttliche – kann man schon mal verwechseln. Als Fußschemel dient eine mit Münzen verzierte Truhe. Daneben lehnt ein Fächer aus Pfauenfedern. Reichtum und Eitelkeit!
Geld haben und attraktiv sein sind doch feine Sachen, und dieser nette junge Mann bietet beides – da muss man doch zugreifen, oder?
Oder warte… unter seinen Füßen liegen ein paar nicht so ganz attraktive Dinge: menschliche Schädel. Einer mit Krone, zwei mit Ritterhelmen, einer mit einer prächtigen Pelzmütze samt Straußenfeder, dann noch einer mit einer Art Turban. Auf der anderen Seite einer mit einem glänzenden Zylinder, mehrere mit einfachen Filzhüten. Dazwischen verstreut die Goldmünzen, für die die Träger all dieser Kopfbedeckungen ihre Seelen verkauft haben. Denn der nette junge Herr Teufel hat eine winzige Bedingung an den Erhalt von Geld, Macht und Einfluss geknüpft: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ (Mt 4,9)

Sollte jemand Ihnen, werte Leser, viel Geld bieten (oder Attraktivität, Luxus, immerwährende Gesundheit oder was immer Sie gerne hätten, solange es nicht die ewige Seligkeit ist) und behaupten, das komme alles gratis frei Haus, und über die Vertragsbedingungen brauchen Sie sich gar nicht zu sorgen, dann sagen Sie lieber nicht zu.
Wohlstand und Einfluss sind nicht an sich schlimm. Aber wo beides herkommt, ist wichtig. Was bei einem Glas Honig selbstverständlich ist, sollte bei der Lebensgestaltung erst recht beachtet werden.



