Frau Wagenknecht ruft auf, den Genozid in Palästina zu stoppen. Sie meint, Israel soll endlich aufhören, sich gegen Terroristen zu wehren, und still hinnehmen, dass die Hamas abschlachtet, wer immer eventuell ein Jude sein könnte oder Israel nicht schlecht findet.
Ein Genozid war tatsächlich geplant, und die Durchführung hat begonnen. Allerdings ein anderer. Denn die Hamas hat bereits lange vor dem 7. Oktober 2023 kundgetan, dass sie die Vernichtung aller Juden will, und jener schreckliche Oktobertag war nicht der erste Tag, an dem Juden von islamistischen Terroristen massakriert wurden. Also ja, es gibt da einen Genozid, aber nicht an Palästinensern, sondern durch sie.
Kurz vor dem offiziellen Beginn der Demonstration rief eine Ordnerin dazu auf, sich an der Aktion „Eine Million Unterschriften für den Frieden“ zu beteiligen. Es gab dann von mehreren Stimmen viel höchst pathetisches Gerede über Frauen, Kinder, Greise, Mitmenschlichkeit, Gefühl von Verbundenheit usw. Jemand sagte, 90% der Bewohner von Gaza seien vertrieben, die Infrastruktur zerstört – allerdings fehlte jeder Hinweis auf die Gründe hierfür. Der 7. Oktober 2023 wurde ebensowenig erwähnt wie die ständigen Raketen auf Israel in den Jahren davor. – „Mensch ist Mensch“, rief der Redner aus. Die Geiseln, ebenfalls Menschen, blieben unerwähnt.
Durch ein Video auf Großleinwand kam Moshe Zuckermann zu Wort. Leider verstand ich wegen des Stimmgewirrs nicht, was er sagte, aber offengestanden ist mir der Wikipedia-Artikel auch schon genug. Man darf in der Demokratie Israel eben auch hanebüchenes Zeug verzapfen. Israel einen „Apartheidsstaat“ nennen gehört in diese Kategorie.






Ich wollte als stille, neutrale Beobachterin ein wenig abseits stehen, photographieren und Notizen machen. Das ging aus verschiedenen Gründen nicht so ganz. Erstens war die einzige Stelle, von der aus ich einen Überblick hatte, unmittelbar hinter einer Absperrung der Polizei, also gewissermaßen als Zaungast, jedenfall nicht „abseits“. Das war nicht schlimm, da dort schon zwei junge Frauen mit Israelflaggen und einer IDF-Flagge standen, auch sie als Beobachterinnen. Ich konnte also nicht mit Wagenknechts Getreuen verwechselt werden.


Die Demonstranten waren sehr verschieden, Palästinaflaggen neben Regenbogenflaggen und solchen mit Friedenstauben, Flaggen von Bündnis Wagenknecht und anderen Parteien (auch die MLPD), einige sektiererisch wirkende Christen (bei mindestens einem war nicht ganz klar, ob er Wagenknecht zustimmen oder sie bekehren wollte), Omas und Opas gegen Krieg e.V., eine Frau mittleren Alters, deren Sendungsbewusstsein (genauer: die Parole „From the River to the Sea“ auf ihrem Schild) schließlich zur Folge hatte, dass sie höflich, aber bestimmt von der Polizei abgeführt wurde.


Die beiden Frauen mit den Israelflaggen boten mir an, auch eine zu nehmen, was ich zunächst ablehnte wegen der Neutralität. Als die beiden dann, von anderen Demonstranten unwidersprochen, von einem jungen Deutschen angepöbelt wurden (Israel sei ja der totale Loser-Staat, der Iron Dome Schrott, sie können ja alle gar nichts), platzte mir der Kragen, und ich fragte den jungen Flegel: „Und was können Sie?“ Die Frage verstand er zunächst nicht, ich wiederholte sie und bekam keine Antwort. Daraufhin wandte ich mich an die beiden mit der Bitte, jetzt hätte ich doch gerne eine Israelflagge. Neutralität ist gut und schön, aber man kann sie auch übertreiben.




Ein Palästinenser stellte sich in Heldenpose hin mit einem Schild „They will never kill us all“. Nun ja, die Israelis haben gar nicht vor, alle Palästinenser umzubringen. Umgekehrt sieht es anders aus – wird aber auch nicht gelingen, trotz aller Mühe von Seiten der Palästinenser. Heldenpose konnte auch ein jüngerer Palästinenser schon recht gut, während die dazugehörige Gruppe Frauen sich auf schrilles Hohngelächter beschränkte.
Eine Rednerin forderte auf, „positive Energie“ zu geben, was immer damit gemeint sein mochte. Esoteriker für Gaza – das fände ich nicht einmal das Schlimmste.
Leider musste ich nach etwa anderthalb Stunden aufgeben; meine Knie sind nicht für das lange Stehen gemacht. Aber im Grunde hatte ich genug gesehen. Es bestätigt sich, dass in Deutschland eine neue Form des Antisemitismus sehr viele Freunde hat, und dass diese Freunde alle ein gravierendes Problem mit der Logik haben und die meisten, wenn nicht alle, sich friedfertig finden und äußerst aggressiv sind. Schade um so viele Seelen!
Ich bete, dass die 48 Geiseln, die noch immer in der Gewalt der Hamas sind, befreit werden können. Leider gibt es nur noch sehr wenig Hoffnung, dass sie leben. Die Hoffnung, dass die Hamas zur Vernunft kommt, ist allerdings noch geringer.



Vielen Dank, liebe Frau Sperlich, für diesen ausgezeichneten Kommentar!
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Gerne! Ich freue mich, wenn mein Kommentar zu dieser unseligen Aktion hier und da ankommt.
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Liebe Claudia,
danke Dir von Herzen für diesen Bericht und die wichtige Zeugenschaft!
Endlich habe ich auch das dazu passende Reinhold Schneider-Wort wiedergefunden, das ich zuvor halb erinnerte: „…es erschwert eine jede Hilfe ungemein, dass den Menschen das Vermögen, die Geister zu prüfen und zwischen oben und unten klar und auf eine verpflichtende Weise zu unterscheiden, in furchtbarem Maße verloren gegangen ist…“
( Reinhold Schneider am 8. Juni 1942 in einem Brief an Otto Heuschele)
Beten wir für für den Heiligen Geist, der die Illusionen, Verkehrungen und Lügen hinwegfegen möge!
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Danke für dies passende Zitat!
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