Ich bin kein Handwerker, und das ist gut so.

Vor einigen Tagen ging die Halterung meines Klodeckels kaputt. Der Klodeckel selbst ist hübsch und noch nicht alt, die Garantie, sofern es eine gab, habe ich verbummelt. Also ging ich zum Baumarkt und kaufte ein neues Ersatzscharnierbefestigungs-Set, ja, so heißt das. Nicht mal teuer.

Den Klodeckel abschrauben war einfach. Allerdings hätte ich dabei ein wenig achtgeben sollen, wie genau das Originalscharnierbefestigungs-Set (so muss es heißen) angebracht war. Nun hatte ich anderthalb heile Scharnierbefestigungssets und dazu ein kaputtes, das ich flugs entsorgte. Aber wie, oh wie bringt man nun Scharnierbefestigung und Klodeckel so zusammen, dass es hält, sich sinnvoll auf und ab bewegen lässt und eine funktionierende Absenkungsautomatik hat? Die Verpackung enthält eine sehr schematische Zeichnung, aus der ich nicht schlauer wurde. Und irgendwie sah alles verkehrt aus.

Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten anderthalb Tagen gesagt habe „Das geht nicht“ oder „Das passt nicht“ oder „Völliger Quatsch“. Immerhin habe ich weder mich noch jemand anders verletzt, was mit einem Kreuzschlitzschraubendreher (ja, so heißt der) nicht ganz unmöglich gewesen wäre. Nach einer Stunde Internetsuche fand ich endlich eine wirklich erhellende schematische Zeichnung, und eine Viertelstunde später war der Klodeckel perfekt angebracht.

Nochmals, es ist während der ganzen Zeit nichts und niemand beschädigt worden, kein lästerlicher Fluch ausgestoßen, keine Selbstmordphantasie gehegt worden (jedenfalls nicht von mir). Das ist, wenn es um handwerkliche Betätigung geht, schon viel, und zum Teil ist es wohl der segensreichen Fastenzeit zu verdanken, dass ich nur ein bisschen ungehalten war, aber nicht völlig ausgeflippt bin.

Vielleicht ist mein Erfolg auch dem heiligen Judas Thaddäus, dem Schutzpatron der hoffnungslosen Fälle, zu verdanken.

Als Teenager hatte ich mir in den Kopf gesetzt, Tischlerin zu werden. Ich bestand das Probehalbjahr nicht und war sehr traurig darüber. Heute bin ich froh. Vielleicht wäre ich eine drittklassige Tischlerin geworden, aber dann hätten jetzt allzu viele Menschen klemmende Türen und wackelnde Tische. Das gäbe nur böses Blut. Dichtung kann ich wesentlich besser als Handwerk.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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4 Responses to Ich bin kein Handwerker, und das ist gut so.

  1. Und ein lässlicher Kommentar in dieser misslichen Lage, auch in der Fastenzeit?

    Nun ja, du bist ja immerhin nicht zurück in den Baumarkt und hast nicht einen Mitarbeiter ob der mangelnden Praktikabilität der Ware für Nicht-Handwerker

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  2. Und ein lässlicher Kommentar in dieser misslichen Lage, auch in der Fastenzeit?

    Nun ja, du bist ja immerhin nicht zurück in den Baumarkt und hast nicht einen Mitarbeiter ob der mangelnden Praktikabilität der Ware für Nicht-Handwerker

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  3. … nachdrücklich hingewiesen 🤣

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  4. Also so was wie Dichtung und Wahrheit.

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