Wahlgedanken

Hinter mir liegt eine kleine Wahl – die zum Pfarrgemeinderat. Meine Vorstellung als Kandidatin wurde sehr wohlwollend begrüßt, aber gereicht hat es doch nicht. Ich werde nun im Grunde tun, was ich vorgeschlagen habe – nämlich versuchen, das gemeinsame Gebet außerhalb der Gottesdienste zu mehren. Es gibt so viele Möglichkeiten: den Rosenkranz, das Stundengebet, soweit man es wieder darf, Taizé-Gesänge, gemeinsame freie Fürbitten, die stille Anbetung, vielleicht mit meditativen Texten, vielleicht auch ganz still, aber nicht allein – es ist ein großer Unterschied, ob man allein oder zu mehreren betet. Und sicher gibt es noch weit mehr Möglichkeiten. Das alles werde ich nun in irgendeiner Form dem PGR vorschlagen und einfach mal sehen, was daraus wird. Daß ich dabei eben nicht Mitglied des PGR geworden bin, ist wahrscheinlich gar nicht so wichtig. Zumal ja gar nicht klar ist, ob es eine Gnade oder eine Zulassung gewesen wäre, hätte man mich gewählt.

Vor mir liegt eine größere säkulare Wahl, genauer gesagt mehrere davon. Ich habe bereits entschieden, was ich wählen werde. Ob ich damit irgendetwas zum Besseren ändern kann, weiß ich nicht. Ich hoffe einfach, den schlimmsten Banden in unserem Bundestag ein wenig Einfluss zu nehmen.

Was ich bestimmt nicht tun werde: Eine mir widerstrebende Partei wählen, nur damit eine mir noch stärker widerstrebende Partei schlechter abschneidet. Das habe ich mehrmals getan und mich jedesmal hinterher geärgert. Um meine Stimme zu bekommen, muss eine Partei mir gefallen, muss ein Programm haben, das mich überzeugt, und Leute, die hinter diesem Programm stehen. Ich weiß, daß Parteien sich ändern können, und gelobe keine Nibelungentreue. Jetzt aber scheint mir die ÖDP eine gute Wahl zu sein: Ökologisch, lebensbejahend, mit christlicher Grundhaltung und gegen ungebremstes Wirtschaftswachstum.

Aber wichtiger als der ganze Bund samt Bundestag und alle Länder ist mir die Kirche. Braut Christi, da kann kein Politiker mithalten.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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14 Antworten zu Wahlgedanken

  1. Mariechen bloggt schreibt:

    Wie steht die ÖDP denn zur Abtreibung? Bei „Bündnis-C“ bin ich mir sicher, dass die die katholische sicht teilen.

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  2. Herr S. schreibt:

    Ich denke, Sie brauchen nicht traurig darüber zu sein, dass Sie nicht in den PGR gekommen sind – wahrscheinlich hätte es dort einigen Frust gegeben mit neoliberalen Mitgliedern.

    Die ÖDP scheint kein schlechtes Parteiprogramm für praktizierende Christen zu haben – ist halt aber eine Splittergruppe und wird es bundesweit auch bleiben.

    So ist diese Wahl der ÖDP dann doch eher ein Denkzettel für die anderen – z. B. die CDU.

    Wir haben bereits per Briefwahl gewählt – lediglich nur die Zweitstimme für die CDU, weil wir im allg. mit der Bundesregierungspolitik im großen und ganzen zufrieden waren und die Union kandidaten auf der Landesliste u. E. in Ordnung sind.

    Die Erststimme haben wir diesmal niemandem vergeben, weil keiner unserer Wahlkreiskandidaten uns überzeugt hat.

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  3. theologieweb schreibt:

    Deine Gedanken hast du wieder gut auf den Punkt gebracht verarbeitet.
    Die Frage zum PGR würde ich noch um die nach der Zumutung ergänzen.
    #ausGründen

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  4. Joachim Krūsmann schreibt:

    Sehr gut die Sendung in Radio Horeb bezüglich „Frauenpriestertum“… Mit dem zitierten Papst N.N. stimme ich voll überein: keine Debatten mit Häretikern; es führt zu nichts! Besser: für ihre Umkehr (metanoia) zu beten! Josch.

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  5. Matthias Hergert schreibt:

    Die ÖDP spricht sich nicht gegen Abtreibung aus, sondern gibt im Programm nur die folgende Empfehlung kund: Sie fordern: „Wirksame Strategien zur Senkung der europaweit hohen Abtreibungszahlen.“
    Zur AfD schreibt die Tagespost am 16. August 2021:
    Die „Alternative für Deutschland“ nimmt als einzige der im Bundestag vertretenen Parteien eine eindeutige Position pro Lebensschutz in ihrem Wahlprogramm ein. Unter der Überschrift „Willkommenskultur für Kinder“ führt die AfD auf anderthalb Seiten aus, dass sie sich zum Lebensschutz bekennt. Die AfD benennt moralische, aber auch demographische Gründe dafür, für den Schutz des ungeborenen Lebens einzutreten: „Die Gesellschaft muss in Familie, Schulen und Medien den Respekt vor dem Leben und ein positives Bild von Ehe und Elternschaft vermitteln. Diesen Bedarf erkennt man daran, dass seit Jahren in Deutschland jährlich rund 100.000 ungeborene Kinder getötet werden, was der Zahl der Einwohner einer Großstadt entspricht.“
    Die Schwangerschaftskonfliktberatung sei zu einem „formalen Verwaltungsakt verkümmert“, ihre Wirksamkeit müsse regelmäßig überprüft werden, damit sie dem Schutz des Lebens diene. Abtreibungen sollen so nach dem Willen der AfD zur Ausnahme werden. Ausnahmen hingegen sollen weiterhin möglich sein: „Die Entscheidung über eine Abtreibung muss natürlich bei der Mutter bzw. bei den Eltern liegen“, heißt es in dem Wahlprogramm „Deutschland. Aber normal.“

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  6. Monika Dipl.Bibl. Hüssen schreibt:

    Gibt es noch ein „kleineres Übel“? Das größte Übel ist es, wenn katholische Abgeordnete an Gesetzen mitwirken, die den 10 Geboten widersprechen, wie Abtreibung und Euthanasie. Für mich ist das „C“ in der CDU kaum noch erkennbar. Nicht nur Adenauer und Robert Schumann drehen sich im Grab herum. Schlimm finde ich die Phobie „gegen rechts“, die in Medien und Politik keinen Widerspruch dulden. Übrig bleiben kann da nur eine linke Einheitspartei in verschiedenen Facetten. Ich finde es deshalb schlimm, wenn auch die CDU nur zu Koalitionen mit linken Parteien bereit ist und wie alle anderen Parteien dem Schmuddelkind AFD abspricht, eine demokratische Partei zu sein.

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  7. Herr S. schreibt:

    Es ist schon mehr als ärgerlich, dass sich die Union in ihrem Wahlprogramm diesmal überhaupt nicht zum Lebensschutz äußert – das hat schon vor Wochen u. a. auch „Die Tagespost“ angeprangert. In Wirklichkeit trägt dieses saudumme und feige Verhalten der Union indirekt zu einer Stärkung der AfD bei.

    So verprellt man in den Unions-Parteien glaubenstreue Christen, während sowohl die FDP als auch erst recht alle Linken Parteien sich für weitere Liberalisierung der Abtreibung aussprechen.

    Ich vermute, dass die CDU und auch in Bayern die CSU bei dieser Bundestagswahl für ihr Verhalten in dieser gerade für Christen eminent wichtigen Frage am Wahltag die Rechnung präsentiert bekommen werden – und hoffentlich doch noch dann daraus lernen werden.

    Wäre vermeidbar gewesen.

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